08. Februar 2012

Beispiellose Aktion zeigt:

Wir leben nicht in einer Null-Bock-Gesellschaft

25.08.2010, Schwetzingen - Im Frühjahr erfuhr der 26-jährige Patrick Lengler, dass er an Leukämie erkrankt ist. Nachdem klar war, dass ihm nur noch eine Stammzellenspende helfen kann die Krankheit zu besiegen, startete eine beispiellose Typisierungsaktion in der nicht nur die zahlreichen Helfer sondern auch die hilfsbereiten Spenderinnen und Spender grenzenlose Solidarität bewiesen.
Schon bevor sich am 14. August um 10 Uhr die Türen der Turnhalle des Hebelgymnasiums öffneten und die Aktion offiziell begann, standen viele Spender wartend vor der Halle. Es war eine der größten Aktionen bei der Menschen ihre Hilfsbereitschaft bezeugten, die Schwetzingen je gesehen hat. Ein 120-köpfiges Helfer- und Ärzteteam organisierte und koordinierte diesen Tag. Auch an Unterstützung mangelte es nicht, denn neben dem Ärztenetz Schwetzingen, vielen Vereinen und Unternehmen der Region half auch der Verein Blut e.V. aus Weingarten, der seit seiner Gründung vor 14 Jahren 70.000 Typisierungen durchführte.

Aber was passierte hinter den Kulissen dieses Tages und wie erlebten die zahlreichen Helfer aus Patrick Lenglers Freundes- und Bekanntenkreis den nicht enden wollenden Menschenstrom, der am Samstag in die Halle drängte um zu helfen?

Florian Wiesner ist das was man einen richtigen Sandkastenfreund nennt. Er verbrachte gemeinsam mit Patrick Lengler die Kindergarten- und Schulzeit und steht ihm sehr nahe. Von acht Uhr morgens bis halb elf am Abend arbeitete er gemeinsam mit vielen anderen Helfern unermüdlich für den reibungslosen Ablauf der Aktion. „Diese Aktion zeigte, dass wir nicht in einer Null-Bock-Gesellschaft leben. Man konnte es fast nicht glauben, dass die Resonanz so bombastisch war und dass so eine große Hilfsbereitschaft besteht. Der Tag hat sich gelohnt!“ Auch für Pamela Knönagel, die gemeinsam mit Patrick Lengler im Kindergarten war und eine enge Freundin von ihm ist,  war der Tag „der Hammer“. Sie rechnete zwar mit vielen Menschen, aber im Angesicht der zahlreichen Spendenwilligen, war sie dann überwältigt: „Die Menschen kamen und kamen, das wollte gar kein Ende nehmen.“ Besonders beeindruckt hatte die junge Frau die Bereitschaft derer, die Patrick Lengler nicht kennen, aber trotzdem helfen wollten. „Es waren ganz viele Spender von außerhalb gekommen, das fand ich wirklich beeindruckend. Sogar aus der Schweiz kamen Leute! Als Freunde von Patrick ist es ja eigentlich eine Pflicht zu helfen, aber es kamen auch so viele, die nichts mit ihm zu tun hatten und trotzdem Anteil an seinem Schicksal nahmen, einige haben sogar geweint, das war faszinierend.“

Gerade für Patrick Lenglers Freunde war die große Hilfsbereitschaft der Menschen ein zusätzlicher Motivationsschub diesen Tag so reibungslos über die Bühne zu bringen. Die Spenderinnen und Spender fühlten sich sichtlich wohl in der angenehmen Atmosphäre und verweilten nach ihrer Spende gerne noch einige Zeit. „Es gibt Kraft, dass sich Leute für einen so jungen Menschen, der sein ganzes Leben noch vor sich hat, engagieren. Auch die Ärzte haben an diesen Tag Unglaubliches geleistet. Ich war wirklich überwältigt von der Menschenkette, die nicht abreißen wollte“, erzählte Bastian Konietzny im Interview mit der Schwetzinger Woche. Auch er kennt Patrick Lengler seit vielen Jahren und ist ein echter „Sportsfreund“, denn er spielt seit 15 Jahren gemeinsam mit ihm Handball beim HG Schwetzingen. Aber auch für Ingrid Schumacher, die Patrick Lengler erst vor fünf Jahren in der Abendschule kennen lernte, war es selbstverständlich am Tag der Typisierungsaktion mit aller Kraft zu helfen. „Ich war einfach nur begeistert, dass so viele Menschen gekommen sind. Jeder hatte an diesem Tag die Chance ein Menschenleben zu retten!“, antwortete sie auf die Frage, wie sie die Solidarität der Menschen erlebte.

Besonders dankbar waren die Helfer auch Pascal Seidel, der, wie sie sagten, für ein solides Grundgerüst der Aktion gesorgt hatte, auf dem sie dann aufbauen konnten.

Alle Helfer waren beeindruckt, dass so viele Leute einem völlig fremden Menschen helfen wollten. Am Ende des anstrengenden aber natürlich lohnenden Tages hatten sich 5.500 Menschen typisieren lassen und rund 100.000 Euro konnten an Blut e.V. gespendet werden, damit weitere Typisierungen für kranke Menschen durchgeführt werden können.

Am 8. September wird in der Schwetzinger Nordstadthalle  ein Benefizspiel der Rhein-Neckar-Löwen gegen den HG Oftersheim/Schwetzingen zugunsten Patrick Lenglers stattfinden. Eine  Typisierungsaktion ist zwar für jeden Teilnehmer kostenfrei, jede Typisierung kostet aber 60 Euro. Das Benefizspiel der Rhein-Neckar Löwen gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen soll mit zur Finanzierung der Typisierungsaktion beitragen.


Einen weiteren Text zum Thema und ein Video zur Typisierungsaktion finden Sie unter den unten stehenden Links.


jo
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  • Typisierungsaktion für Patrick in Schwetzingen
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