Auf Spurensuche
Europäischer Tag der jüdischen Kultur
08.09.2010, Hemsbach - Die Geschichte des Judentums in Baden-Württemberg ist seit dem 11. Jahrhundert eine wechselvolle: Es gab Zeiten des friedlichen Zusammenlebens, Zeiten der Verfolgung und Vertreibung. Als die Juden im 15. Jahrhundert die Städte verlassen mussten, entstand das Landjudentum. Die jüdischen Bräuche wurden geachtet, und bei aller Unterschiedlichkeit gab es über die Jahrhunderte hinweg eine gegenseitige Bereicherung in vielen Lebensbereichen. 1930 lebten etwa 31.000 Juden im Südwesten. Als 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, begann der unfassbarste Völkermord in der europäischen Geschichte. 1945 gab es keine jüdischen Gemeinden mehr.
Auf Spurensuche begeben konnte man sich am vergangenen Sonntag anlässlich des Europäischen Tages der jüdischen Kultur, der seit 1999 abgehalten wird und an dem sich mittlerweile fast 30 Länder in Europa beteiligen. Zum zweiten Mal öffnete auch die Ehemalige Synagoge in Hemsbach ihre Pforten in diesem Rahmen, um Interessierten die Möglichkeit zu bieten, Geschichte, Traditionen und Bräuche des Judentums – als Bestandteil der Kultur unseres Kontinents – besser kennen und schätzen zu lernen.
Schillerschüler erstellten Dokumentation
Eine an Informationen reiche Dokumentation über die ehemaligen jüdischen Mitbürger in Hemsbach ist zu Beginn der 1980er Jahre entstanden: Unter der Leitung und Obhut der Lehrerin Margaret Richter trug eine Projektgruppe der Schillerschule in jahrelanger Forschungs- und Recherchearbeit Fotos, Briefe, Zeitungsausschnitte und viele andere Dokumente zusammen, beschäftigte sich mit dem Holocaust und insbesondere dem schrecklichen Schicksal der jüdischen Mitbürger in Hemsbach nach ihrer Deportation nach Gurs und knüpfte Kontakte zu den überlebenden, sprich vorwiegend in die USA emigrierten Juden.
Diese Dokumentation wird dreimal im Jahr gezeigt – immer, wenn der Förderverein Ehemalige Synagoge einlädt zum Tag der offenen Tür, erklärt der Vorsitzende Albrecht Lohrbächer. Auch kann man sich informieren über die bewegte Geschichte des Gebäudes und der Mikwe. Die Ehemalige Synagoge überstand – abgesehen von der zerstörten Inneneinrichtung – die Zeit der Pogrome fast unbeschadet, denn Nachbarn, die um ihre Häuser fürchteten, verhinderten, dass das Gebäude angezündet wurde. Gemeinsam mit der Mikwe ist so ein an der Bergstraße einmaliges Ensemble erhalten geblieben.
Auch das Badehaus war am Sonntag geöffnet. Dort ausgestellt sind unter anderem Zeugnisse jüdischer Bräuche und jüdischer Kunst.
Junge Menschen zur Mitarbeit gesucht
Dass sich junge Menschen – so wie beispielsweise zu ihrer Zeit die Schülerinnen und Schüler der Schillerschule – für das Judentum interessieren, die Erinnerungen wachhalten und aktiv mitarbeiten am Nichtvergessen, ist ein großer Wunsch Albrecht Lohrbächers. Die etwa 110 Mitglieder des Vereins, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feierte, sind sozusagen mit dem Verein „alt“ geworden.
Tag der offenen Tür am 7. November
Gelegenheit, den Verein und seine Arbeit direkt kennen zu lernen, bietet sich wieder am Sonntag, 7. November, wenn gemeinsam mit der VHS um 11 Uhr zur Begehung des Jüdischen Friedhofs eingeladen und im Anschluss um 12.30 Uhr (bis 17 Uhr) abermals die Tür der Synagoge geöffnet wird. Informationen gibt es im Internet (siehe unten stehenden Link).
hp
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