08. Februar 2012

RSV und Tierfreunde

Nennt mich Adonis. Ich komm aus einem Urlaubsland.

06.09.2010, Schwetzingen -

1. Teil
Nennt mich Adonis, ich bin ein kleiner Hund, ich komme aus einer der schönsten Urlaubsregionen Europas, lebe seit 8 Jahren in Deutschland , ich habe sozusagen einen Migrationshintergrund. Auch ich hatte früher einmal eine andere Familie, die fanden mich alle ganz süß. Als ich ein Welpe war, spielten die Kinder mit mir Fußball, ich war der Ball. Als ich 8 Monate war, haben sie mich aus dem Haus geworfen, haben mir nichts mehr zu Essen gegeben, sind mit einem Knüppel auf mich los, haben mich vertrieben. Ich hab es nicht verstanden, hab mich gefragt, was hab ich falsch gemacht? Ich habe still vor mich hin gelitten und gehofft, dass die Tür, das Herz der Menschen sich wieder öffnet. Ich hab in der Nähe gewartet auf ein erlösendes Wort, habe Müll, den Dreck von der Straße, Sand von ihrem Strand gefressen, bin immer weiter von den Menschen fort.

Andere Menschen haben mich gefunden, haben mich gelockt, haben mich gegriffen und in eine Tonne mit Löschkalk gesteckt, ich hatte Schmerzen, habe geschrien, sie haben nur gelacht. Mein Körper brannte wie Feuer, die Augen verätzt, ich konnte flüchten, ich habe mich wieder verkrochen und mich gefragt, warum?

Ich habe versucht das Feuer abzulecken, habe mir die Kehle, den Magen verätzt, hab nicht mehr gegessen, bin nur herumgeirrt. Konnte nicht schlafen, nicht liegen, nicht sitzen, nichts sehen, kannte nur Verzweiflung, Angst, Schmerzen und Not.
Bin wieder dorthin wo Menschen waren, auf einen Parkplatz am Supermarkt, ich hörte Menschen telefonieren:“ Sie müssen schnell kommen, ein alter blinder Hund steht auf dem Parkplatz, der torkelt in ein Auto, er ist völlig fertig, der stirbt, kommen Sie schnell“. Ich habe nicht realisiert, dass man mich meinte, ich war doch nicht alt, ich war doch erst 9 Monate, aber sterben, das wollte ich. Ich konnte mich nicht mehr bewegen, blieb einfach stehen. Dann kamen sie, mit einem kleinen Auto. Sie sprachen mit mir, ich konnte sie nicht sehen, ich spürte sie mir nah. Sie hoben mich hoch, es brannte wie Feuer, ich konnte mich nicht mehr wehren, zu schwach zu flüchten. Was werden sie mit mehr machen?

Ich stand im Kofferraum, hatte Angst, sie saß bei mir, sprach mit mir, ich spürte Sorge, Tränen und Respekt. Sie hielt mir ihre Hand hin, sie war nass, ein kühlendes Nass. Nach kurzer Fahrt kam eine andere Frau dazu, sie war bestimmender, „ das Gift muss von seinem Körper runter, wir waschen ihn vorsichtig ab, gebt ihm Schmerzmittel“. Ich hatte Angst, verkroch mich ins letzte Eck meiner Box. Die Box war mein Zuhause, ich war in Sicherheit. Ich spürte, sie würden alles tun, um mir zu helfen. Sie saß bei mir vor der Box, sie hielt ihre Hand herein, bot mir Trinken und Essen an. Ich hörte sie reden, es war nicht meine Sprache, aber ich konnte ihre besorgten Worte hören, „er hat keine Chance, er wird hier sterben“. Die Frau, die mit mir im Kofferraum saß sagte, „ich flieg morgen nach Deutschland, ich nehm ihn mit, wir werden alles tun, um ihm zu helfen“.

Den Flug hab ich verschlafen, meine Heimat verlassen, hab die Inseln, das Meer nicht gesehen. In Deutschland waren die Stimmen so anders, irgendwie besorgt, sie haben mich operiert, mein rechtes Auge war ausgelaufen, sie konnten es nicht retten. Ich konnte für 3-4 Monate nichts sehen, habe nur gerochen und auf die Stimmen gehört. Die Zeit war hart, es dauerte, aber ihre Fürsorge machte mir Mut, sie würden mich nicht quälen, so habe ich es geschafft. Meine Haut hat sich erholt, ich bekam ein Fell, ich konnte langsam wieder essen, aber die Ängste, die Albträume, die mich über ein Jahr plagten. Ich muss nachts im Schlaf geträumt und geschrien haben, dann war sie einfach da, legte sich zu mir auf den Boden, streichelt über mein Fell, redete mit mir und gab mir Hoffnung.

Ich kann auch gut mit einem Auge leben, lieber im Paradies mit einem Auge, als in der Hölle mit zwei Augen, die noch mehr von dem Elend meiner Freunde sehen. Wo sie uns als Zielscheibe benutzen, auf uns Jagd machen, uns lebendig aufhängen, uns die Beine mit einem Knüppel brechen, die Ohren abschneiden, uns als Welpe in die Mülltonne schmeißen und wenn die Fremden nach dem Sommer weg sind, vergiften.

Ich würde Euch gerne erzählen, wo ich herkomme, wie es dort aussieht, ich würde auch gerne berichten, was so eine „verrückte Deutsche“ aufgebaut hat und nicht müde wird, für uns zu kämpfen. Nächste Woche schreib ich Euch unter dem Titel "Bist Du ein Fremder, so geh nicht fort, sonst wird unser Fell sich röten!"

Verfasser: Adonis

Diese Aktion wird unterstützt vom Radsportverein Kurpfalz Schwetzingen



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