09.01.2012, Heidelberg -
Quelle:
Dieter Balle, Kultur- und Naturführer Oberrhein
Zwischen Mannheim und Basel zu Fuß und mit dem Rad umweltfreundlich unterwegs
ISBN 978-3-89735-496-8
verlag regionalkultur
Wir beginnen und beenden unsere Wanderung am
Bismarckplatz (vom
Hbf Heidelberg gut mit Bus und Straßenbahn erreichbar). Zunächst wenden wir uns nordwärts und erreichen über die
Theodor-Heuss-Brücke das andere Neckarufer. Hinter der Brücke überqueren wir die Neuenheimer Landstraße und kommen in die
Bergstraße, der wir bis zur nächsten Kreuzung folgen, wo der Philosophenweg seinen Anfang nimmt. In seinem unteren Teil sind teilweise schöne Villen und Uni- Institute aus der Zeit des
Jugendstil zu sehen. Die erste Anlage mit einem Blick über die Stadt und das Neckartal haben wir beim
Philosophengärtchen. Vor allem im Frühling fällt die Bepflanzung mit Exoten wie japanischem Kirschbaum, Tulpenbäumen und Zedern sofort in den Blick.
Im Zentrum des Gärtchens steht der neuere Gedenkstein für
Joseph von Eichendorff, den Dichter des »Taugenichts«, der 1808/1809 in Heidelberg studierte. In der eigentlichen
Eichendorff-Anlage direkt am Hang oberhalb des Philosophengärtchens steht noch ein zweiter Gedenkstein für den beliebten Poeten. Hier zweigt der Bismarcksäulenweg nach links ab, der an den
Bismarckturm und weiter hoch zum
Heiligenberg führt. Wir folgen weiter dem Philosophenweg, in dessen windgeschützter Südhanglage eine wahrhaft prächtige
mediterrane Flora gedeiht, die man in diesen Breiten sonst nirgendwo antrifft. Kundigen und aufmerksamen Spaziergängern entgehen weder Jasmin noch die Dreiblattzitrone, Ölweiden und Korkeichen. Auch asiatische Exoten wie der Indigostrauch oder diverse Aralienarten sind hier heimisch geworden. Schon in römischer Zeit haben die Gartenbesitzer hier neben Reben Mandelbäume, Granatäpfel und Feigen gezogen.
Nur wenig oberhalb des Philosophengärtchens stoßen wir auf den
Liselottenstein und die gleichnamige Schutzhütte, 1908 errichtet zu Ehren der unglücklichen Kurpfälzer Prinzessin, die 1652 im Heidelberger Schloss geboren wurde. Bis heute ist sie eine der beliebtesten und bekanntesten historischen Gestalten der Kurpfalz. Dass nach dem Tode ihres Bruders ausgerechnet ihr Schwager, der
Sonnenkönig Ludwig XIV., im Erbfolgestreit ihr geliebtes Heidelberg niederbrennen ließ, hat Liselotte bis zu ihrem Tode 1722 nicht verwunden.
Unsere nächste Station ist der
Merianblick, benannt nach dem berühmten Schöpfer von Panorama-Bildern,
Matthaeus Merian. Die Schautafel am Wegesrand zeigt eine Reproduktion seines Kupferstichs »Heidelberga« von 1620. Der Vergleich des historischen Heidelbergs mit dem heutigen Stadtbild zeigt die Veränderungen nach den schlimmen Verheerungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs. Die Stelle bietet nach wie vor das berühmteste Postkartenmotiv der Stadt, mit
Heilig-Geist-Kirche, Alter Brücke, Neckar und Schloss. Die letzte Rast- und Ausblicksmöglichkeit erreichen wir wenige hundert Meter oberhalb mit der Hölderlin-Anlage und ihren schattigen Sitzgruppen sowie dem Gedenkstein für den Romantiker Friedrich Hölderlin, dessen erster Vers seiner Heidelberg-Ode von 1801 darauf verewigt ist. Wir wenden uns jetzt wieder talwärts und haben zwei Möglichkeiten: Hinter der
Hölderlin-Anlage können wir die recht steile
Hirschgasse hinabgehen oder ein Stück den Philosophenweg zurückgehen, bis wir über den Schlangenweg und seine 185 Stufen zur
Neuenheimer Landstraße hinunterkommen, wo wir direkt an der Alten Brücke auf den Neckar stoßen. Die Alte Brücke (oder nach ihrem Erbauer Carl-Theodor-Brücke) war bis ins 19. Jahrhundert die einzige Verbindung ans andere Neckarufer. Auf der Stadtseite kommen wir durch das Brückentor und die angebauten Rundtürme, ehemals Teile der Stadtmauer, in die
Altstadt.
Durch die Steingasse geht es hoch zum
Fischmarkt und zur Heilig-Geist-Kirche am
Marktplatz. Hier an der Hauptstraße 178 steht mit dem
Haus zum Ritter, einem wunderschönen Renaissancebau von 1592, das einzige Bürgerhaus, das den großen Stadtbrand überstanden hat. Nach Westen schlendern wir durch die Hauptstraße geradewegs zum Bismarckplatz zurück. Dabei passieren wir mit der
Alten Universität und dem
Karzer, dem
Palais Morass, in dem das
Kurpfälzische Museum untergebracht ist, sowie dem
Friedrichsbau und dem Haus »Zum Riesen« noch weitere sehenswerte Gebäude aus der
barocken Wiederaufbauphase der Stadt.
Einkehren unterwegs:
Goldener Reichsapfel (traditionsreiches Studentenlokal, Biergarten), Untere Str. 35
Restaurant & Café beim Kurpfälzischen Museum (mit Gartenbewirtung), Hauptstr. 97
Roter Ochsen (historisches Studentenlokal), Hauptstr. 217