17. Mai 2012

Stadtwanderung Heidelberg

Der Philosophenweg

WebCode: Philosophenweg1000

09.01.2012, Heidelberg - Quelle:
Dieter Balle, Kultur- und Naturführer Oberrhein
Zwischen Mannheim und Basel zu Fuß und mit dem Rad umweltfreundlich unterwegs
ISBN 978-3-89735-496-8
verlag regionalkultur







Wir beginnen und beenden unsere Wanderung am Bismarckplatz (vom Hbf Heidelberg gut mit Bus und Straßenbahn erreichbar). Zunächst wenden wir uns nordwärts und erreichen über die Theodor-Heuss-Brücke das andere Neckarufer. Hinter der Brücke überqueren wir die Neuenheimer Landstraße und kommen in die Bergstraße, der wir bis zur nächsten Kreuzung folgen, wo der Philosophenweg seinen Anfang nimmt. In seinem unteren Teil sind teilweise schöne Villen und Uni- Institute aus der Zeit des Jugendstil zu sehen. Die erste Anlage mit einem Blick über die Stadt und das Neckartal haben wir beim Philosophengärtchen. Vor allem im Frühling fällt die Bepflanzung mit Exoten wie japanischem Kirschbaum, Tulpenbäumen und Zedern sofort in den Blick.

Im Zentrum des Gärtchens steht der neuere Gedenkstein für Joseph von Eichendorff, den Dichter des »Taugenichts«, der 1808/1809 in Heidelberg studierte. In der eigentlichen Eichendorff-Anlage direkt am Hang oberhalb des Philosophengärtchens steht noch ein zweiter Gedenkstein für den beliebten Poeten. Hier zweigt der Bismarcksäulenweg nach links ab, der an den Bismarckturm und weiter hoch zum Heiligenberg führt. Wir folgen weiter dem Philosophenweg, in dessen windgeschützter Südhanglage eine wahrhaft prächtige mediterrane Flora gedeiht, die man in diesen Breiten sonst nirgendwo antrifft. Kundigen und aufmerksamen Spaziergängern entgehen weder Jasmin noch die Dreiblattzitrone, Ölweiden und Korkeichen. Auch asiatische Exoten wie der Indigostrauch oder diverse Aralienarten sind hier heimisch geworden. Schon in römischer Zeit haben die Gartenbesitzer hier neben Reben Mandelbäume, Granatäpfel und Feigen gezogen.

Nur wenig oberhalb des Philosophengärtchens stoßen wir auf den Liselottenstein und die gleichnamige Schutzhütte, 1908 errichtet zu Ehren der unglücklichen Kurpfälzer Prinzessin, die 1652 im Heidelberger Schloss geboren wurde. Bis heute ist sie eine der beliebtesten und bekanntesten historischen Gestalten der Kurpfalz. Dass nach dem Tode ihres Bruders ausgerechnet ihr Schwager, der Sonnenkönig Ludwig XIV., im Erbfolgestreit ihr geliebtes Heidelberg niederbrennen ließ, hat Liselotte bis zu ihrem Tode 1722 nicht verwunden.

Unsere nächste Station ist der Merianblick, benannt nach dem berühmten Schöpfer von Panorama-Bildern, Matthaeus Merian. Die Schautafel am Wegesrand zeigt eine Reproduktion seines Kupferstichs »Heidelberga« von 1620. Der Vergleich des historischen Heidelbergs mit dem heutigen Stadtbild zeigt die Veränderungen nach den schlimmen Verheerungen des Pfälzischen Erbfolgekriegs. Die Stelle bietet nach wie vor das berühmteste Postkartenmotiv der Stadt, mit Heilig-Geist-Kirche, Alter Brücke, Neckar und Schloss. Die letzte Rast- und Ausblicksmöglichkeit erreichen wir wenige hundert Meter oberhalb mit der Hölderlin-Anlage und ihren schattigen Sitzgruppen sowie dem Gedenkstein für den Romantiker Friedrich Hölderlin, dessen erster Vers seiner Heidelberg-Ode von 1801 darauf verewigt ist. Wir wenden uns jetzt wieder talwärts und haben zwei Möglichkeiten: Hinter der Hölderlin-Anlage können wir die recht steile Hirschgasse hinabgehen oder ein Stück den Philosophenweg zurückgehen, bis wir über den Schlangenweg und seine 185 Stufen zur Neuenheimer Landstraße hinunterkommen, wo wir direkt an der Alten Brücke auf den Neckar stoßen. Die Alte Brücke (oder nach ihrem Erbauer Carl-Theodor-Brücke) war bis ins 19. Jahrhundert die einzige Verbindung ans andere Neckarufer. Auf der Stadtseite kommen wir durch das Brückentor und die angebauten Rundtürme, ehemals Teile der Stadtmauer, in die Altstadt.

Durch die Steingasse geht es hoch zum Fischmarkt und zur Heilig-Geist-Kirche am Marktplatz. Hier an der Hauptstraße 178 steht mit dem Haus zum Ritter, einem wunderschönen Renaissancebau von 1592, das einzige Bürgerhaus, das den großen Stadtbrand überstanden hat. Nach Westen schlendern wir durch die Hauptstraße geradewegs zum Bismarckplatz zurück. Dabei passieren wir mit der Alten Universität und dem Karzer, dem Palais Morass, in dem das Kurpfälzische Museum untergebracht ist, sowie dem Friedrichsbau und dem Haus »Zum Riesen« noch weitere sehenswerte Gebäude aus der barocken Wiederaufbauphase der Stadt.

Einkehren unterwegs:

Goldener Reichsapfel (traditionsreiches Studentenlokal, Biergarten), Untere Str. 35

Restaurant & Café beim Kurpfälzischen Museum (mit Gartenbewirtung), Hauptstr. 97

Roter Ochsen (historisches Studentenlokal), Hauptstr. 217


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