16.04.2011, Die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME ist eine Krankheit mit gravierenden Folgen für einen Großteil der Betroffenen – das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie zu Schweregrad und Verlauf der Erkrankung.
Über zehn Jahre hinweg hat Prof. Dr. Reinhard Kaiser von der neurologischen Klinik des Klinikums Pforzheim FSME-Patienten mit besonders schweren Krankheitsverläufen untersucht und beobachtet. Zwischen 1994 und 1999 erkrankten in Baden-Württemberg 731 Personen an FSME. 81 Patienten entwickelten einen schweren Verlauf mit Beteiligung des Rückenmarks. Davon stimmten 57 einer prospektiven Langzeitstudie mit einem Beobachtungszeitraum von 10 Jahren zu.
Das Ergebnis: Rund 50 Prozent der FSME-Patienten verläuft erleben einen schweren Krankheitsverlauf. 70 Prozent davon leiden dauerhaft unter Folgeschäden. Die gefährlichste Form der FSME ist die Myelitis: Sie entsteht, wenn FSME-Viren eine Entzündung des Rückenmarks auslösen.
Weitere mögliche Formen sind die Gehirnentzündung (Enzephalitis) und die Hirnhautentzündung (Meningitis).
FSME verursacht bleibende Schäden
Untersucht wurde am Klinikum Pforzheim unter anderem, inwiefern sich die Symptome einer schweren FSME im Laufe der Zeit bessern bzw. vollständig zurückbilden. Dabei zeigte sich: Nur 11 Patienten (19 Prozent) waren nach zehn Jahren wieder vollständig genesen. Die besten Chancen auf eine Genesung bestehen innerhalb des ersten Jahres nach der Erkrankung. Danach gibt es meist keine deutliche Besserung. Und: Je schwerer der Verlauf, desto schlechter die Heilungschancen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen leidet unter dauerhaften Beeinträchtigungen. Dazu zählen Lähmungen der Extremitäten sowie der Atem- und Halsmuskulatur, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen, Schluck- und Sprechstörungen. 30 Prozent der schwer erkrankten FSME-Patienten starben während des Beobachtungszeitraumes.
Auch die Region ist Riskogebiet
Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, ist mit 1 zu 150 verhältnismäßig hoch. In den Verbreitungsgebieten der FSME sind rund 2 Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. Besonders betroffen ist der südliche Teil Deutschlands. Baden-Württemberg und Bayern sind mittlerweile fast flächendeckend als Risikogebiete deklariert. Dazu kommen Teile von Hessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz.Die Metropolregion Rhein-Neckar ebenso wie der Landkreis Karlsruhe liegen mitten im Risikogebiet.
Impfen schützt
Verhindern lässt sich die FSME durch eine vorbeugende Impfung. Die Impfung ist gut verträglich und wird für die Einwohner in Risikogebieten von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Notwendig ist die Impfung vor allem in Anbetracht der Schwere der Erkrankung: Das Risiko, schwer an FSME zu erkranken ist unverhältnismäßig höher als das Risiko einer Impfkomplikation. Daher ist die Impfung für alle Personen zu empfehlen, die in einem Risikogebiet leben, arbeiten oder Urlaub machen und dabei in Kontakt mit Zecken kommen können.
Infodienst Zecken/red/Foto: Archivbild