08. Februar 2012

Kinderschutzbund Hockenheim

Gute Beziehung von Eltern und Kind als Ziel

01.12.2009, Hockenheim - "Wie entsteht eine gute und tragfähige Beziehung zwischen Eltern/Tageseltern und Kind?", lautete das Thema des dritten Gesprächskreises. Nach der einleitenden Begrüßung der zahlreich erschienenen Teilnehmer durch Kerstin Diebold referierte Katja Blaß, Dipl.-Psychologin und Psychotherapeutin, zu diesem interessanten Thema.

Als Einführung in das Thema wurde der Begründer der Bindungstheorie, Dr. John Bowlby, zitiert: „Bindung ist das gefühlsgetragene, unsichtbare Band, das eine Person zu einer anderen speziellen Person anknüpft und das sie über Raum und Zeit miteinander verbindet“. Wie sich die Bindung zwischen Mutter/ Vater und Kind gestalten wird, hängt in entscheidendem Maße davon ab, wie feinfühlig die Bezugspersonen auf das angeborene Bindungsbedürfnis des Kindes insbesondere in seinen ersten Lebensjahren einzugehen vermögen. Dieses Bindungsbedürfnis, so die Referentin, begleitet uns Menschen ein Leben lang und zählt, ebenso wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Nahrung, zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Bindung stellt gewissermaßen die unverzichtbare „emotionale Nahrung“ des Babys dar.

Der sichere Bindungsaufbau zwischen Mutter und Kind beginnt im günstigen Fall bereits vorgeburtlich in Form von positiven Gedanken/Phantasien der Mutter an ihr heranwachsendes Kind und wird vom Neugeborenen bereits unmittelbar nach der Geburt fortgeführt. Zur primären Bindungsperson wählt das Baby diejenige Person, welche am feinfühligsten auf seine Bedürfnisse reagiert, was mitunter nicht zwangsläufig die leibliche Mutter sein muss. Die Qualität des “Lebensbandes“ (sichere Bindung) zeichnet sich dadurch aus, wie sicher, angemessen und prompt die Bezugsperson auf die Signale des Kindes zum Beispiel in Form von Weinen oder Schreien reagiert. Für den von seinen Bezugspersonen noch völlig abhängigen Säugling bedeutet das Schreien gewissermaßen die 110! und ist damit nie grundlos oder gar um seine Bezugsperson „zu provozieren“. Da sehr kleine Kinder noch über kein Zeitgefühl wie wir Erwachsenen verfügen, bedeutet für sie zwei Minuten Alleinsein ohne Mutter eine qualvolle Ewigkeit. (Er)hört keiner den Hilferuf, weil womöglich ein Ratgeber vermittelt, das Kind für eine gewisse Zeit schreien zu lassen, damit es lernt „besser“ einzuschlafen, wird das Kind, bei wiederkehrend ausbleibenden Reaktionen der Bezugspersonen, zusehends sein Vertrauen in die Bezugspersonen verlieren. Anfangs braucht das Kind intensiv den engen Körperkontakt (z.B. über das Stillen, eng am Körper tragen) zur Mutter, um Sicherheit zu gewinnen und sich als zugehörig und erwünscht zu erleben. Tragetücher, bei denen beim Tragen des Babys am Körper der Mutter die Hände frei bleiben) können in den ersten Lebensmonaten eine große Hilfe für Mutter und Kind darstellen, denn die Hausarbeit und anderes will ja auch erledigt werden, wie eine anwesende Mutter an diesem Abend anmerkte. Einen sicheren Bindungsaufbau kann neben einem ausreichenden Körperkontakt zum Kind und einem steten, angemessenen und zeitnahen Reagieren auf die kindlichen Signale darüber hinaus auch das liebevolle sprachliche Begleiten der kindlichen Handlungen und Stimmungen als auch das Aufnehmen bzw. Halten von Blickkontakt zum Kind begünstigen.

Im ersten Lebensjahr hat ein Kind in der Regel zu maximal drei bis vier Bezugspersonen eine engere Bindung.

Katja Blaß wies am Ende des Vortrages noch daraufhin, dass für einen gelungenen, sicheren Bindungsaufbau neben den benannten Fähigkeiten und Voraussetzungen auf Seiten der Bezugspersonen auch bestimmte „Voraussetzungen“ auf Seiten des Kindes einen entweder begünstigenden oder auch erschwerenden Einfluss ausüben können. So gestalte sich zum Beispiel der Bindungsaufbau zu mehrfach behinderten Kindern (Verlust des Hörens und Sehens) für die betroffenen Eltern deutlich schwerer. Darüber hinaus gebe es auch eine Art Passung bezüglich des angeborenen Temperaments von Eltern und Kind, welche mitunter eine Bindung erleichtern oder etwas erschweren kann (Zum Beispiel: Ein sehr vitales und aufgewecktes Kind und sehr gehemmte und zurückgezogen lebende Eltern). Für die ebenfalls anwesenden Tagesmütter wies die Referentin auf die Wichtigkeit einer ausreichend langen, immer individuell zu handhabenden Eingewöhnungszeit für das zu betreuende Kind hin als auch auf die Bedeutsamkeit, Trennungen (bei Urlaub oder auslaufender Betreuung) immer frühzeitig mit dem Kind zu besprechen und diese möglichst „sanft“  und nicht abrupt zu gestalten. Der Vortrag bot Anlass zu regem Austausch und Diskussion.

Die Reihe der Gesprächskreise wird im neuen Jahr fortgeführt. Die Termine werden auf der Homepage des Kinderschutzbundes Hockenheim bekanntgeben.


kdi/kb
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