Über die Region hinaus:
Der Chiemsee - Urlaub wie aus dem Märchenbuch
28.08.2010, Prien am Chiemsee - Zwar sind die Sommerferien in zehn Tagen rum. Wer jedoch in diesen eineinhalb Wochen noch die Gelegenheit zu einem Kurzurlaub wahrnehmen möchte, sollte mal auf der Deutschlandkarte seinen Blick nach „ganz rechts unten“ werfen. Dort liegt nämlich der Chiemsee, der natürlich schon seit Jahrzehnten alles andere als ein Geheimtipp ist. Ganz im Gegenteil werden die Vorzüge dieses auch "Bayerisches Meer" genannten, zwischen München und Salzburg gelegenen Gewässers seit vielen Jahrzehnten auch von Touristen jenseits der freistaatlichen Landesgrenzen hoch geschätzt.
Ein solch positives Prestige kann dann auch wie selbstverständlich bewirken, dass an sonnigen Feiertagen wie beispielsweise dem diesjährigen Pfingsten Zigtausende auf den Schiffen zwischen den Seegemeinden oder aber auf dem Chiemsee-Uferweg unterwegs sind. Dennoch bricht nirgendwo Hektik aus, denn der Chiemsee weist mit 18 Kilometern Länge, 14 Kilometern Breite und 73 Metern Tiefe zwar nicht die Maße des "Schwäbischen Meeres" auf. Mit gut 80 Quadratkilometern Wasserfläche ist er freilich so groß, dass sich doch immer wieder ruhige und beschauliche Ecken finden.
Und dies selbst auf den beiden Inseln, die tagtäglich von den Gästen aus nah und fern schon fast gestürmt werden. Allerdings haben sich sowohl die Frauen- als auch die Herreninsel ihren fabelhaften Ruf vollauf verdient. Auf der 240 Hektar großen Herreninsel bildet das vom "Märchenkönig" Ludwig II. erbaute Schloss Herrenchiemsee den Hauptanziehungspunkt. Nur dieses ungemein faszinierende "Neue Versailles" zu besichtigen, wäre aber ein dicker Fehler, denn wer die Eintrittskarte "Gesamte Insel" zu sieben Euro ersteht, darf auch noch das König Ludwig II.-Museum, das Museum im Augustiner-Chorherrenstift sowie die Gemäldegalerie Julius Exter in Augenschein nehmen.
Außerordentlich praktisch ist, dass man schon am Ticketschalter mitgeteilt bekommt, wann genau die Führung durch Schloss Herrenchiemsee stattfinden wird. Hierdurch werden die Besuchermengen bestens "kanalisiert" und ärgerliche Wartezeiten von Anfang an vermieden. Wer will, kann bis zu "seiner" Führung entspannt im Biergarten sitzen oder die schlicht wunderbare Insel erwandern. Oder aber etwas über die Gründungsgeschichte der Bundesrepublik erfahren, denn im Augustiner-Chorherrenstift wird in einer Ausstellung detailliert über den sogenannten "Verfassungskonvent" berichtet, der 1948 auf der Herreninsel tagte und hier die Fundamente für das Grundgesetz schuf.
Deutlich älterer Historie begegnet man auf der zauberhaften, gerade einmal 13,,5 Hektar kleinen Fraueninsel, und zwar in Form eines im achten Jahrhundert gegründeten Klosters. Nachdem man sich ausgiebig im faszinierenden Marienmünster umgesehen und auch der Torhalle aus dem neunten Jahrhundert seine Aufmerksamkeit geschenkt hat, sollte man auf jeden Fall eine Insel-Umrundung in Angriff nehmen, die in einer guten halben Stunde erledigt sein dürfte. Vorausgesetzt, man setzt sich nicht fest, was angesichts der verlockenden Gaststätten und Biergärten eigentlich unvermeidbar ist.
Die Preise für Speis und Trank sind nahezu überall auf dem gleichen, nicht allzu hohen Niveau, doch dürfen sich besonders sparsame Zeitgenossen beispielsweise in "Fritzl's Biergarten" ihr Essen mitbringen. Dabei könnte es sich um eine frische Semmel mit den köstlich mundenden Matjesfilets von der Renke, einem der Seefische, handeln, die von den Seefischern offeriert werden. Dass die Getränke nicht mitgebracht, sondern beim Biergarten-Wirt bestellt und bezahlt werden, ist sicherlich keine extra Erwähnung wert.
Aber ganz ehrlich: Ein frisch gezapftes "Weißbier" vor der Nase, ein leckeres Mahl im Bauch und das beeindruckende Gebirgspanorama jenseits des Südufers im Blick sind Eindrücke, die sich im Grunde mit Geld gar nicht bezahlen lassen. Speziell zu späterer Abendstunde, wenn die untergehende Sonne für ein nicht zu beschreibendes farbenprächtiges Spektakel sorgt. Voll auf ihre Kosten kommen rund um den Chiemsee aber auch jene Zeitgenossen, die gerne auf Schusters Rappen oder ihrem Drahtesel auf Tour sind. Der hiesige Ufer-Rundweg ist nämlich im Gegensatz zu demjenigen des Bodensees, der Radler und Fußgänger gerne voneinander und oft genug auch vom Seeufer trennt, überwiegend sehr ufernah und von beiden Fortbewegungs-Parteien nutzbar.
Dass es kaum zu "Kollisionen" im verbalen oder gar körperlichen Sinne kommt, dürfte an der von der Seeatmosphäre bewirkten "Entschleunigung" liegen, die allgemeine Gelassenheit und viel Freundlichkeit zur Folge zu haben scheint. Und dies selbst dann, wenn die Parkplätze um Seeorte wie Prien, Gstadt, Seebruck und Chieming aus allen Nähten zu platzen drohen und sich auf den Anlegestellen der Chiemsee-Schifffahrt immense Warteschlangen bilden.
Dann kann es allerhöchstens dazu kommen, dass ein potentieller Schiffpassagier von einer jovialen Auskunftsperson mit einem fröhlichen "Falscher Steg, falsche Zeit" beschieden wird. Welcher Steg der richtige war und wann das Schiff genau ablegte, erfuhr der Fragesteller natürlich auch.
Dass Bild zeigt das Schloss Herrenchiemsee, eine der Hauptattraktionen nicht nur des Chiemgaus.
ter/Foto: ter