07. Februar 2012

Ein eigenes Kaninchen

Allgemeines zum richtigen Umgang

20.10.2009, Walldorf -

Ein Kaninchen als Haustier?!?

 


Kaninchen gelten als ideale Haustiere für Stadtwohnungen und für Kinder. Ihre Pflege ist verhältnismäßig wenig zeitaufwendig, sie sind ruhig und stören die Nachbarn nicht und ihre liebenswerte, fröhliche Art lässt (Kinder-) Herzen schnell höher schlagen. Aber auch Zwergkaninchen sind Lebewesen, deren Bedürfnisse es zu berücksichtigen gilt. Und wahre Freude mit dem Haustier kann eh nur aufkommen, wenn es diesem gut geht.


So sind Kaninchen zwar wirklich sehr kuschelig, Schmusetiere sind sie dennoch nicht. Greifen und „auf den Arm heben“ lösen bei Kaninchen Angst und Schrecken aus – Kaninchen wissen nicht, dass wir nur schmusen wollen. Für sie ist es das Beutegreifen eines Feindes. Das Hochheben sollte daher für Notfälle reserviert bleiben, z.B. für einen Tierarztbesuch. Dennoch kann man mit Kaninchen viel Spaß erleben. Mit viel Zuwendung, Geduld und vorsichtiger Fütterung aus der Hand lässt sich fast jedes Kaninchen handzahm bekommen. Setzt man sich dann zu ihnen auf dem Boden, kommen viele von ganz alleine um „ihren Menschen“ zu beschnuppern und sich streicheln zu lassen.


Wichtiger als das Schmusen ist den meisten Kaninchenfans allerdings das Beobachten ihrer Tiere. Kaninchen sind freche, unternehmungslustige Persönlichkeiten, bei denen es immer was zu beobachten gibt.

Wer sich daher überlegt ein Kaninchen anzuschaffen, muss weitere Punkte berücksichtigen.


Kaninchen dürfen nicht alleine gehalten werden. Es handelt sich um gesellige Tiere, die in Einzelhaltung oder mit falschen Partnern nur leiden würden, da sie ihr Sozialverhalten nicht ausleben könnten. Weder der Mensch noch ein Meerschweinchen ersetzen ein zweites Kaninchen! Für die Haltung eignen sich Paare (kastriertes Böckchen mit einem Weibchen) oder 3er/ 4er Gruppen (zwei Paare oder ein kastriertes Böckchen mit mehreren Weibchen). Größere Gruppen stellen besondere Ansprüche und gehören in die Hände von erfahrenen Haltern.

Um ihre Neugierde und ihren Bewegungsdrang auszuleben, brauchen Kaninchen viel Platz und Abwechslung. Das Kaninchenheim kann sowohl in Garten als auch in der Wohnung aufgebaut werden, wobei die Außenhaltung anzustreben ist. Einmal ein- und ausbruchsicher angelegt, macht sie dem Halter weniger Arbeit.

Bei Innenhaltung muss der Besitzer regelmäßig für Abwechslung sorgen und die Natur in die Wohnung holen. Das Gehege sollte nicht kleiner als 4m2 sein. Als Faustregel sagt man 2m2 pro Tier. Zusätzlicher Freilauf im Garten oder der Wohnung ist wünschenswert. Schutzhäuschen, Röhren und Tunnel, in die sich die Kaninchen zurückziehen können, Aussichtplattformen, eine Buddelmöglichkeit sowie immer wieder neue Äste und Zweige zum Nagen müssen im Gehege vorhanden sein. Leider sind hier die Angebote im Handel für Kaninchen oftmals viel zu klein und von daher ungeeignet. Aber mit etwas Kreativität zaubert man schnell ein richtiges Wohlfühlheim.


Natürlich dürfen im Gehege auch Heu und Wasser – Kaninchens Grundnahrungsmittel – nicht fehlen. Diese müssen den kleinen Rackern immer frisch und in großer Menge zugängig sein. 2-3mal täglich füttert man noch frisches Gras, Kräuter oder Zweige sowie Gemüse und Obst. Als Futtermittel eignen sich z.B. Süßgräser, Löwenzahn, Spitzwegerich, Scharfgabe, Haselnuss-, Himbeer-, Apfelzweige. Davon kann man große Mengen füttern. Obst und Gemüse z.B. Äpfel, Karotten, Sellerie, Kürbis, Fenchel, Rüben oder Salat gibt es pro (Zwerg-)Kaninchen und Tag ungefähr 100g. Grundsätzlich muss das Futter frei von Pestizidrückständen oder Abgasen sein. Kaninchen müssen langsam an dieses Nass- und Saftfutter herangeführt werden, d.h. man füttert erst kleine Mengen und steigert diese nach und nach. Auch plötzliche Futterumstellungen sind zu vermeiden, da der Magen-Darmtrakt der Kleinen sehr anfällig ist.


Leidet ein Kaninchen einmal an Durchfall oder stellt man fest, dass es nichts mehr frisst, ist unbedingt ein Tierarzt zu Rate zu ziehen, da Verdauungsprobleme schnell zum Tod des Kaninchens führen können. Generell wird man auch bei der besten Pflege nicht um den Tierarzt herum kommen: Kaninchen müssen 2mal jährlich geimpft werden. Außerdem leiden viele der heutigen Kaninchen durch Überzüchtung an gesundheitlichen Problemen, die einen regelmäßigen Tierarztbesuch erfordern, beispielsweise Zahnfehlstellungen oder Augenerkrnankungen. Kosten, die man sich vor einer Anschaffung immer klar machen muss. Denn ein krankes Tier nicht zu behandeln oder einfach auszusetzen, ist nicht nur ethisch fraglich, sondern auch durch das Tierschutzgesetz verboten.


Allerdings muss man sagen, dass Erkrankungen bei gesunder Ernährung und guter Pflege eher selten auftreten. Zur Pflege gehört täglich neben dem Reinigen der Kaninchen-Toiletten, dem Wasser- und dem Futternapf, ein Gesundheitscheck (frisst das Kaninchen, bewegt es sich freudig, ist die Analregion sauber, sind Parasiten am Tier). Wöchentlich wird das gesamte Gehege gereinigt (Einstreu wechseln) und das Tier genauer unter die Lupe genommen. Kaninchen sind tapfere Helden, die Verletzungen oder Erkrankungen oft so lange verstecken bis es (fast) zu spät ist. Ein regelmäßiges Abtasten sowie die Gewichtskontrolle können dem vorsorgen. Wenn nötig werden die Krallen gekürzt und das Kaninchen gebürstet. Wie oft dies nötig wird, hängt von den Kaninchen ab – währen ein Langhaar-Kaninchen täglich gebürstet werden muss, reicht bei Kurzhaarigen oft die Unterstützung beim Fellwechsel.

 


Wem das alles nicht zuviel wird und wer dann noch weiß, wohin mit dem Tier, wenn einmal Ferien anstehen (wer im Freundeskreis niemanden findet, kann sein Tier in fast jedem Tierheim oder in privaten Tierhotels in Pension geben), der kann sich überlegen, wo er seine neuen Freunde suchen möchte. Aus Sicht des Tierschutzes ist es am ratsamsten, sich in einem Tierheim zu erkundigen. Unzählige Kleintiere, immer wieder auch Jungtiere warten hier auf ein neues Zuhause. Von daher sollte man nicht noch mehr Kaninchen züchten lassen. Von Mitleidskäufen aus überfüllten Zoohandlungen ist abzusehen. Für jedes Tier, das hier entnommen wird, werden wieder unzählige nachgezüchtet – oftmals unter den übelsten Bedingungen…

Im Tierheim erhält man zusätzlich Antwort auf alle weiteren Fragen und hat auch in der Folgezeit einen kompetenten Berater.

 



Tom-Tatze-Tierheim Walldorf
Weiterführende Inhalte
  • Tom Tatze Tierheim, Walldorf
  • Diashow: Kaninchen
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