18.01.2012, Weingarten -
Die Ringer des Sportvereins Germania 04 haben den Kraftakt geschafft: Nach einer knappen 18:21-Heimniederlage gegen den KSV Köllerbach in der dm-Arena drehten sie beim Final-Rückkampf am Sonntag in Homburg den Spieß um und erkämpften sich mit einem klaren 12:24-Sieg den zweiten Titel eines Deutschen Mannschafts-Meisters in Folge.
Eine geschlossene Teamleistung der Schützlinge von Cheftrainer Frank Heinzelbecker hat diesen Triumph möglich gemacht, auf den ganz Weingarten und auch viele Ringsportfreunde in der Region mit Recht stolz sindd. Dass das Unternehmen Titelverteidigung kein Spaziergang würde, darüber waren sich die Verantwortlichen des SVG um den Vorsitzenden Ralph Oberacker und den Trainerstab bereits vor Beginn der Saison 2011/12 einig.
Denn auch die anderen Konkurrenten der beiden Bundesligen hatten sich enorm verstärkt. Das gilt insbesondere für die Vereine Mömbris-Königshofen, Köllerbach und Mainz in der Westgruppe. Verletzungen und Formschwankungen einiger Stammkräfte haben in dieser Runde einen direkten Durchmarsch der Germanen verhindert, so dass sich die Staffel am Ende mit dem dritten Rang in der Abschlusstabelle begnügen musste.
Die „Weingartener Woche" hat nach einigen enttäuschenden Kämpfen im Gespräch mit Cheftrainer Frank Heinzelbecker mehrfach nach den Ursachen der durchwachsenen Leistungen geforscht. Doch der Coach ließ sich davon nicht entmutigen und hob auch nach Rückschlägen immer auf die Endrunde ab. Dort müssten letztendlich die Trümpfe gezogen und die Karten ohne Versteckspiel auf den Tisch gelegt werden.
Ein Ass im Ärmel
Die sechs Kämpfe der Finalrunde haben ihm Recht gegeben. Mit dem SV Wacker Burghausen aus der Ostgruppe hatte Weingarten im Viertelfinale eine lösbare Aufgabe bekommen, welche die Germanen im Vor- und Rückkampf vor keine allzu großen Probleme stellte.
Im Rückkampf konnte Frank Heinzelbecker erstmals den Türken Taha Akgül im Schwergewicht einsetzen, der bei seinem erfolgreichen Debüt voll überzeugen konnte. Noch selten hat man einen „Schweren" mit solcher Behändigkeit und Schnelligkeit auf der Matte agieren sehen. Den Namen wird man sich für die Olympischen Spiele im Sommer in London merken müssen. Aber auch der von Aalen gekommene Bulgare Anatoli Guidea erwies sich als eine echte Verstärkung, um nur zwei Trümpfe in der Endrunde zu nennen.
Das Halbfinale gegen Mömbris-Königshofen war zunächst nichts für schwache Nerven, denn der Hinkampf in der dm-Arena ging mit 16:21 Punkten verloren. Doch im Rückkampf in der Frankenstolzhalle zu Aschaffenburg gelang der Germania-Staffel eine eindrucksvolle Revanche. Bis zur Halbzeit legten Weingartens Akteure ein beeindruckendes Zwischenergebnis von 0:17 Punkten hin, wobei insbesondere Oliver Hassler mit seinem Schultersieg gegen Vladimir Metodiev überraschte. Am Ende eines sensationellen Kampfes, der allen Ringsportfreunden im Gedächtnis bleiben wird, war der Vorsprung von fünf Punkten mehr als egalisiert.
Das „Walzbach-Inferno" tobte
Mit dem mehrmaligen Meister KSV Köllerbach trafen die Germanen auf einen Gegner, der ihnen in den Rundenkämpfen bereits zweimal das Nachsehen gegeben hatte und auch den Hinkampf mit 18:21 Punkten, ebenfalls in der dm-Arena, gewann. So galt es im zweiten Finalkampf, bei den Saarländern insgesamt mit vier Punkten Vorsprung den Titel zu verteidigen.
Siegesfeier bis zum Morgengrauen
Doch der Rückkampf gestaltete sich ähnlich wie das Halbfinale zu einem wahren Triumph für die Germania-Staffel, die am Ende mit 12:24 Punkten den Spieß wieder deutlich umgedreht hatte.
Rund 400 Fans, darunter auch der neu gegründete Fanclub „Walzbach-Inferno", waren am Sonntag mit Bussen und Privat-Pkw ins Saarland aufgebrochen, um der Mannschaft im alles entscheidenden Kampf den Rücken zu stärken. Ja - es wurde für die Gastgeber in der Sporthalle zu Homburg-Erbach am Ende ein Inferno im wahrsten Sinne des Wortes. „Hier regiert der SVG", brachten die Fans die Situation auf eine einprägsame Formel.
Als sich am späten Nachmittag die Nachricht vom zweiten Titelgewinn der Germanen in Weingarten wie ein Lauffeuer verbreitete, herrschte allseits große Erleichterung und Freude.
Unabhängig vom Ausgang des Rückkampfes hatte die Vereinsführung auf jeden Fall mal für den Abend eine Saison-Abschlussfeier geplant, da einige Ringer bereits für Montag den Heimflug gebucht hatten. Noch bevor die mitgereisten Fans sowie die Mannschaft und Vereinsführung aus Homburg zurück waren, standen schon die Daheimgebliebenen vor der Kleiberit-Arena. Und schon bald füllte sich die Arena mit froh gestimmten Anhängern und Gratulanten, die da der Dinge harrten, die noch kommen sollten.
Die Germanen - keine Eintagsfliegen
Als dann Vorsitzender Ralph Oberacker seine Mitstreiter und die Ringer auf die Bühne bat und für alle ein Wort des Dankes und der Anerkennung für die gezeigten Leistungen gerade in der Endrunde hatte, wollte die gute Stimmung bis in die frühen Morgenstunden kein Ende mehr nehmen. Bürgermeister Eric Bänziger gratulierte dem Verein und seinen Ringern im Namen der Gemeinde zu dem großartigen Erfolg und sprach seine Anerkennung für das Geleistete aus. „Ich bin hocherfreut über diesen deutlichen Sieg. Das Ergebnis ist gigantisch und war absolut nicht kalkulierbar.
Unsere Ringer haben den Gegner geradezu deklassiert. Ich wäre gerne dabei gewesen, aber die Terminlage ließ es nicht zu", betonte das Ortsoberhaupt. Bei den Gesprächen der Ringsportfreunde kam immer wieder die Genugtuung zum Ausdruck, dass dieser zweite Titelgewinn noch wertvoller als der erste sei.
Denn er habe bewiesen, dass der Erfolg von 2011 keine Eintagsfliege war und der SV Germania inzwischen ein sportliche Aushängeschild der Weinbaugemeinde in ganz Deutschland ist.
Text: rof / Foto: prf