27.08.2010, Neckargemünd - Unverständnis rief die kürzlich durchgeführte Rückschnittaktion im Ratsackerweg hinter der Dilsberger Obstanlage aus. Am Waldrand ragten viele Äste in den Wegbereich hinein die entfernt werden mussten und jetzt aufgetürmt am Wegrand liegen. Insbesondere die Lagerung des Schnittgutes direkt an einem beliebten und stark frequentierten Wanderweg fiel Sportlern und Naherholungssuchenden sofort ins Auge. Ein unschöner Anblick meinten Dilsberger Bürger, zumal gerade ein Faltblatt des Kreisforstamtes Rhein-Neckar in Zusammenarbeit mit der Stadt Neckargemünd dazu aufrief, keine Grünabfälle im Wald zu entsorgen.
Ein aufmerksamer Bürger formulierte im Dilsberger Forum seine Bedenken: „Wenn die Waldrandbereinigung hinter der Obstanlage so bleibt, braucht sich keiner wundern, wenn demnächst weitere Gartenabfälle von anderen dort landen. Für mich hat das mit der Erhaltung eines schönen, lebenswerten Umfeldes in unserer Gemeinde nichts zu tun.“ Vom drastischen Rückschnitt zeugen neben dem Schnittgut auch „zerfranste“ Äste, weshalb ein Wanderer forderte: „Der Wald darf nicht nur nach wirtschaftlichen Aspekten gepflegt werden, sondern es gilt ein ästhetisches Landschaftsbild zu erhalten.“
Was war passiert? Gartenbesitzer kennen das Problem: wenn man eine Weile nichts tut, wächst die Natur alles zu. Da hilft nur eins, sich in kurzen regelmäßigen Abständen um den Garten kümmern. Dasselbe vollzieht sich im Wald, mit dem Unterschied, dass der Förster in Anbetracht der großen Fläche einmal gründlich ran muss, damit die Wege wenigstens für ein Jahr frei bleiben. Wo „gehobelt“ wird da fallen „Späne“, wie sich unschwer vor Ort erkennen lässt. Auf Nachfrage im Kreisforstamt teilte der stellvertretende Forstbezirksleiter Gerald Richter mit, dass der maschinelle Rückschnitt, den man von einem Unternehmer ausführen ließ, eine bewährte Praxis sei gegen die fachlich nichts spreche. Das technisch bedingte „zerfranste“ Aussehen der Äste verwachse sich schnell und verursache keine Baumschäden.
„Die abgeschnittenen Äste dürfen laut Gesetz im Wald bleiben, denn sie zählen nicht als Abfall, da sie ihren Ursprungsort nicht verlassen haben.“, erklärte Förster Uwe Reinhard die Sachlage. „Aber schön sieht das nicht aus.“ Er verschaffte sich vor Ort einen persönlichen Eindruck und handelte umgehend: „Um weitere Ablagerungen von dritter Seite zu vermeiden und um die Schönheit des Landschaftsbildes zu erhalten, geht die Stadt mit gutem Beispiel voran.“ Die städtischen Waldarbeiter werden nun nach ihrem Urlaub die gröbsten Reisigansammlungen dezimieren. Der Förster zog insgesamt ein positives Fazit und dankt den Bürgern, die den gegenwärtigen Zustand monierten: „Wir nehmen dies als Zeichen, dass der Aufruf, keine Gartenabfälle im Wald zu entsorgen, nicht ungehört verschollen ist!“
boe/Foto: bz