Sommerfest der Gartenfreunde
Was für ein seltsames Jahr!
27.08.2010, Wiesloch - Wer über Jahrzehnte den Lauf des jeweiligen Gartenjahrs beobachtet hat, wird in diesem Frühjahr vielleicht den Kopf geschüttelt haben. - Aber das ist Gärtnersache. Die Normalbürger fechten Frost, Nässe oder Dürre zu unrechter Zeit nicht so sehr an. Bringen wir es also kurz auf einen Nenner: In jedem Jahr gibt es Gewinner und Verlierer unter den Gartengewächsen. Zinnien, Dahlien, Paprika und Auberginen stehen in diesem August prächtig da, natürlich auch die Sonnenblumen. Für die Gurken und auch die Tomaten kommt jede Hilfe zu spät. Selbst in manchen Kleingewächshäusern sieht es verheerend aus.
Als Anschauungsobjekt dafür dienen die Kleingärten im Raum Wiesloch. Vor Kurzem haben die Kleingartenfreunde in den Talwiesen ihre Tore zum traditionellen Sommerfest geöffnet. Ihnen ist der ständige Wechsel von gutem Erfolg und manchen Misserfolgen vertraut. Er findet seinen Niederschlag in den Angeboten der Tombola: Riesenbrombeeren, prächtige Zwetschgen, sogar eine Netzmelone und anderes mehr. Jetzt, wo die Gartenpflanzen mit dem Absamen beginnen, ist auch auf den kleinen Parzellen der Tisch für die Feldsperlinge reich gedeckt. Die wechselhafte Witterung bereitet den Mauerseglern über dem angrenzenden Angelbach Jagdvergnügen, das sie mit lauten Rufen verkünden. Die zwischen den Bohnen herumflatternden „Bodenakrobaten“ beachten sie nicht. Auch für die menschlichen Gäste waren am Samstag und Sonntag die Tische wieder lecker gedeckt. Dem Vernehmen nach ist der Schriftführer des Vereins ein Steakspezialist, wie sich anhand von Kostproben seiner Grillkunst leicht feststellen lässt.
Alles in allem war der Vereinsvorsitzende Jürgen Ledwoch mit Verlauf und Ergebnis des Sommerfests in den Talwiesen sehr zufrieden und dankte den Sponsoren und Helfern, die eine reibungslose Organisation ermöglicht haben. Vorbildlich war auch der eingefriedete Fahrrad-Abstellplatz.
Nur einer war dieses Mal nicht mit von der Partie: der beliebte Diskjockey Leo. Er ist von der Leiter gefallen und hat sich 16 Knochen gebrochen. Aber seine Musik ist so fetzig, dass sie ihm sicher wieder auf die Beine hilft.
Und nun noch ein Gedicht aus dem „Brevier für Gartenfreunde“, denn um die kleinen wie die großen Gärten rankt sich viel Posie.
Sommerbild
Ich sah des Sommers letzte Rose stehn,
Sie war, als ob sie bluten könne, rot;
Da sprach ich schaudernd im Vorübergehen:
So weit im Leben ist zu nah am Tod!
Es regte sich kein Hauch am heißen Taq,
Nur leise strich ein weißer Schmetterling;
Doch ob auch kaum die Luft sein Flügelschlag
Bewegte, sie empfand es und verging.
Friedrich Hebbel
kob/Foto: KHP