17.08.2010, Schwetzingen -
Ein Bild von Patrick mit den Worten „Ich danke euch für eure Hilfe“ prangt an allen Türrahmen, Wänden und in der Turnhalle des Hebelgymnasiums. Dieser Dank richtet sich an all die Spenderinnen und Spender, die am Samstag den Weg gefunden haben, um sich bei der Typisierungsaktion für den 26-Jährigen Rathausangestellten und leidenschaftlichen Sportler registrieren zu lassen.
Wie bereits mehrfach berichtet, leidet der junge Mann seit dem Frühjahr 2010 an Leukämie, bei der nach der ersten Phase der Chemotherapie Aussicht auf Erfolg bestand.
Jetzt ist ein passender Stammzelenspender gefunden, wie heute Morgen von den Organisatoren der Typisierungsaktion zu erfahren war.
Noch vor wenigen Wochen erreichte eine erneute Hiobsbotschaft den Patienten, seine Familie und seine unzähligen Freunde, dass nur noch eine Blutstammzellenspende helfen könnte, diese heimtückische Krankheit zu überwinden. Seit diesem Zeitpunkt begann für Pascal Seidel, enger Freund und Arbeitskollege, und seinem großen Team an Helfern ein Wettlauf mit der Zeit, eine Typisierungsaktion in Schwetzingen ins Leben zurufen, um Patrick die lebensrettende Spende zu ermöglichen.
An Unterstützern für dieses Projekte mangelte es nicht. Unter der Schirmherrschaft der beiden Rathhauschefs Dr. René Pöltl und Helmut Baust sowie wie B.L.u.T.e.V, einem gemeinnützigen Vereins aus Weingarten, der seit seiner Gründung im Jahr 1996 bereits 70.000 Typisierungen durchgeführt hat dem Ärztenetz Schwetzingen und zahlreichen Unternehmern und Vereinen der Regionen wurden die logistischen unter organisatorischen Weichen gestellt, damit die Typisierung reibungslos starten konnte. Da diese Typisierung der Blutstammzellen jedoch von keiner Krankenkasse übernommen werden, mussten Spender und Sponsoren akquiriert werden, die die einmaligen Kosten von jeweils 60 € übernahmen.
Bereits um 10 Uhr, dem Beginn der Typisierungsaktion, standen hunderte von Menschen in der Schlange, um ihre Solidarität mit Patrick zu bezeugen. Das 60-köpfige Helferteam war ebenso überrascht wie das 60-köpfige medizinische Personal an Ärzten und Arzthelferinnen, die vom Schwetzinger Ärztenetz koordiniert wurde.
Bevor es zur Blutentnahme kam, erhielten die Spender eine ausführliche Beratung, danach musste ein Registrierungsbogen ausgefüllt werden, ehe man sich unter den geschulten Händehänden des medizinischen Personals von 10 ml Blut trennte, das für Patrick lebensrettend sein kann.
Um 11.30 Uhr war schon die Marke von 1.600 Spenderinnen und Spendern überschritten, gegen 15 Uhr konnte die 4.000. Spende registriert werden, vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass der „Graf“, Leadsänger von „Unheilig“ seine Aufwartung gemacht hatte und sich in den Dienst der guten Sache stellte. Er beantwortete Fragen seine Fans, unterschreib unablässig Autogrammkarten und ließ sich im Anschluss auch pieksen, um zu helfen. Im Gespräch mit Patricks Eltern betonte er, dass es für ihn selbstverständlich gewesen sei zu helfen, und gab die besten Genesungswünsche an Patrick weiter.
Aber nicht nur die Prominenz aus dem Showbiz hatte sich solidarisch gezeigt, für viele Sportkameraden aus den Vereinen der Region, wie dem SV 98 Schwetzingen, der SG Oftersheim, dem TV Germania Großsachsen, der TSG Ketsch, der SG 07 St. Leon oder Mannschaftsspielern von Grün-Weiß Mannheim war eine Selbstverständlichkeit sich typisieren zu lassen. „Es ist für uns Sportler eine Ehrensache für die gute Sache zu Helfen“, oder „Sportler halten immer zusammen, es ist für uns Motivation zu helfen“, waren nur zwei der vielen Erklärungen.
Auch für Landrat Stefan Dallinger stand diese „Hilfeleistung schon lange auf seiner Agenda“, wie er betonte, ebenso wie Oberbürgermeister Dr. René Pöltl war auch Dallinger von der Bereitschaft zu helfen von der Bevölkerung begeistert, die bereits im Jahr 2004 bei der Tsunami-Katastrophe uneingeschränkte Solidarität beweisen hatte und zum Aufbau des Waisenhauses in Sri Lanka beigetragen hatte.
Mit dem Auffinden eines Stammzelenspenders ist zumindest eine Hürde genommen, und für Patrick Lengler gibt es einen Lichtblick für die Zukunft.
chs/red/Foto: chs