08. Februar 2012

Ungewöhnlicher Pilzfund

Prachtexemplar war größer als ein Fußball

16.08.2010, Neckargemünd - Seit über 60 Jahren ist Werner Blum ein leidenschaftlicher Pilzsammler und darf ohne Übertreibung als Kenner der heimischen Pilzsorten bezeichnet werden. Als ihn sein Freund und Sammlerkollege Norbert Rau anrief und vom Fund eines ungewöhnlich großen Riesenbovist (Langermannia gigantea) berichtete, konnte er es zunächst kaum glauben. Doch dieses Exemplar übertraf seine kühnsten Erwartungen, so einen großen Bovist hatte er in all den Jahren noch nicht gesehen.
Auf einem Spaziergang am „Alten Hofweg“ weckte ein weißer Ball das Interesse von Norbert Rau, der sich bei näherem Betrachten als Riesenbovist entpuppte. Die Haut ist glatt, lederartig und strahlend weiß, ebenso wie die Fruchtmasse, die jedoch im Laufe der Reifung ins olivbraune wechselt und pulverig wird. Der Fruchtkörper produziert über 7 Billionen Sporen und zählt zu den fruchtbarsten Pilzen. Charakteristische Standorte sind alte Streuobstwiesen und obwohl er weder über Hut noch Lamellen (Blätter) verfügt, ist der Riesenbovist ein Hutpilz aus der Ordnung der Blätterpilze.
Der auch als Riesenstäubling bezeichnete Wiesenpilz erregt mit einem Durchmesser von 20 bis 40 Zentimeter Verwunderung, da er sich zuweilen im Laufe einer Nacht entwickelt und nicht häufig vorkommt. Pilzsammler Rau platzierte sein seltenes Fundstück im eigenen Garten, wo es auch von Enkeltochter Lisa bestaunt wurde, die in Amerika lebt und zurzeit ihre Ferien bei den Großeltern verbringt. Mit einem Durchmesser von über 40 Zentimeter war dieser essbare Pilz größer als ein Fußball. Zum Verzehr suchen die beiden Pilzsammler jedoch lieber delikatere Sorten, wie Ziegenlippe und Rotfußröhrling.
Auf faszinierende Weise macht der farbenprächtige Hexenpilz seinem Namen alle Ehre. Sein dunkler olivbrauner Hut ist samtig-feinfilzig und schimmert grünlich. Die Röhren sind gelb oder gelbgrün und ihre Mündungen düster karmin- oder gelbrot. Schneidet man das dicke Fleisch oder die Röhren werden sie sofort dunkelblau und wenige Sekunden grünblau, sie oxidieren. Diese überraschende Verfärbung ist ein wichtiges Merkmal und hat dem Pilz seinen Namen eingebracht. In der Pfanne wird der essbare Pilz wieder gelb, jedoch sollte man ihn nicht mit dem ähnlich aussehenden und giftigen Satanspilz verwechseln.
„Essbar sind alle Pilze, manche halt nur ein Mal.“, verriet Werner Blum schmunzelnd. Deshalb sollte man nur solche Exemplare sammeln die man genau kennt. Mit ihrem kleinen Pilzbuch bestimmen die beiden Experten ihre Ausbeute bevor sie sie zum Verzehr freigeben. Mit Zwiebeln sowie Knoblauch angedünstet und etwas Maggikraut verfeinert, entstehen dann leckere Pilzmahlzeiten. In diesem Jahr stehen sie bestimmt öfters auf dem Speiseplan, denn bei Wärme und Feuchtigkeit gehen Pilze los, es gibt also reichlich zu sammeln.


boe / Bilder: bz
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