04. Februar 2012

27. September bis 10. Oktober

2. Walldorfer Musiktage

WebCode: musiktage1001

13.07.2010, Walldorf - Nicht mit „Antonio“, sondern mit „Amadeus“ beginnen die zweiten „Walldorfer Musiktage“, für die vom 27. September bis zum 10. Oktober in fünf Veranstaltungen mit insgesamt sieben Konzerten ein bisher wohl einmaliges „Salieri-Paket“ geschnürt wurde.

Wer den großen und zeitweise in Vergessenheit geratenen Komponisten und Musikpädagogen kennenlernen oder seine Werke wieder einmal live hören möchte, bekommt in Walldorf in wenigen Tagen einen eindrucksvollen Querschnitt von Salieris Schaffen geboten. Dies mit enthusiastischen Interpretinnen und Interpreten, die überwiegend aus der Region stammen, und Timo Jouko Herrmann, einem der wenigen Salieri-Experten, als künstlerischem Leiter.

Amadeus und Antonio

Um der Fiktion Fakten gegenüberzustellen, hat Herrmann als Einstieg in die „Walldorfer Musiktage“ den großen Filmerfolg „Amadeus“ gewählt. Der Kassenmagnet von Regisseur Miloš Forman aus dem Jahr 1984 wird am Montag, dem 27. September, in der ergänzten  „Director’s Cut“-Version von 2002 im Luxor-Filmpalast gezeigt. Zur Einstimmung spielt das „Ensemble Patisi“ Gassenhauer von Salieri, Mozart und Dittersdorf im Kinosaal. Timo Jouko Herrmann, der sich seit er als Jugendlicher „Amadeus“ gesehen hat, intensiv mit Salieri beschäftigt, wird dem Publikum einen kurzen Abriss dessen geben, was sich nach glaubwürdigen historischen Quellen tatsächlich zwischen Antonio und Amadeus abgespielt hat. Einen großen Mangel des Films, den Regisseur Forman später bedauerte, machen die folgenden Veranstaltungen vom 7. bis 10. Oktober sicherlich wett – sie widmen sich ganz dem herausragenden Komponisten Salieri und dessen Musik. Während in „Amadeus“ Salieris Musik nur in einer kurzen Sequenz zu hören ist, dürfen sich die Besucherinnen und Besucher der „Walldorfer Musiktage“ auf einige Stunden Salieri freuen.

Salieri-Kenner
Den Auftakt macht am Donnerstag, dem 7. Oktober, das Bläserquintett der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim unter Leitung von Professor Alfred Rinderspacher. Es wird im Rathaus-Foyer Werke von Salieri und Mozart sowie als Uraufführung Timo Jouko Herrmanns „Miniatur-Variationen über ein Thema von Salieri“ spielen. Im Dialog wird der Musikwissenschaftler und Salieri- sowie Mozartkenner Dr. Volkmar Braunbehrens  über Leben und Werk Salieris sprechen. Von Braunbehrens stammt die einzige, inzwischen vergriffene moderne Biographie Salieris mit dem Untertitel „Ein Musiker im Schatten Mozarts?“. An diesem Abend wird gleichzeitig die begleitende Ausstellung „Salieri und seine Zeit“ eröffnet mit historischen Partituren, Libretti, Porträts, raren Erstdrucken und Handschriften.

Außergewöhnliche Konzerte
Drei Konzerte an einem Abend und wechselnden Orten erwarten das Publikum am Freitag, dem 8. Oktober, mit dem „Triptychon“. Auf kurzem Wege geht es von der Laurentiuskapelle, wo Pianist Stephan Rahn in einer „Hommage à Salieri“ Werke von Mozart, Beethoven und Moscheles erklingen lässt, zur neuapostolischen Kirche in der Albert-Fritz-Straße. Hier wirft das Barockensemble operino mit dem Programm „Il maestro e lo scolare“ einen Blick auf Salieris Lehrer Pescetti, Gassmann und Gluck. „Unter Wonnemelodien“ klingt der Abend in der Stadtbücherei aus, wo die Sopranistin Barbara R. Grabowski und die Pianistin Asli Kiliç Lieder hören lassen, die teilweise seit über 200 Jahren nicht mehr gespielt wurden.

Keine Wiederaufführung, sondern eine (Welt-)Uraufführung können alle miterleben, die am Samstag, dem 9. Oktober, zum Kirchenkonzert in die Evangelische Stadtkirche kommen. Salieris selten gespieltes Orgelkonzert wird hier erstmalig mit dem von Herrmann rekonstruierten zweiten Satz zu hören sein. Herrmanns  detektivische Kleinarbeit  in der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien wurde mit dem Fund eines Hinweises von Salieri, wie dieser zweite Satz zu spielen sei, belohnt. Das Ergebnis ist am 9. Oktober zu hören, wenn Walldorfs Musikbeauftragter, Professor Gerald Kegelmann, das Heidelberger Kantatenorchester dirigiert. Als Organist wirkt  Dieter Kegelmann  mit. Neben Werken von Salieri werden auch Stücke von Mozart und Hofmann dargeboten. Für dieses außergewöhnliche Konzert konnte die Stadt Walldorf die Volksbank Kraichgau Wiesloch-Sinsheim eG als Sponsorin gewinnen.

Höhepunkt und Abschluss der „Walldorfer Musiktage“ ist die festliche Operngala am Sonntag, dem 10. Oktober. Sie ist ganz Salieris Opern gewidmet. Die Sopranistinnen Berit Barfred Jensen und Caroline Melzer, der Tenor Thomas Ströckens und Philipp Schädel, der dem Riesen Polyphem bei den letzten „Walldorfer Musiktagen“ seine beeindruckende Bass-Stimme lieh, präsentieren Ausschnitte aus Salieris musiktheatralischen Meisterwerken, dies in deutscher, italienischer und französischer Sprache. „Von der brillanten Koloraturarie bis zur einfühlsamen Romanze, vom dramatischen Duett bis zum fröhlichen Schlussgesang ist für jeden Geschmack etwas dabei“, so Herrmann. Dabei hat das Sängerensemble äußerst anspruchsvolle Partien zu bewältigen.

Salieri wiederentdecken
Da Salieri nach Mozarts Tod zeitweise als Neider, ja sogar als Mörder Mozarts verunglimpft wurde und er als italienisch-deutscher Komponist während des aufkeimenden Nationalbewusstseins des 19. Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes zwischen allen Stühlen saß, gerieten er und seine Musik in Vergessenheit. Da von ihm kein gedrucktes Notenmaterial existiert, bestand eine der Mammutaufgaben von Timo Jouko Herrmann darin, aus den Handschriften Salieris das für die Walldorfer Aufführungen benötigte Notenmaterial in akribischer Kleinarbeit zu erstellen. Die Frage „Lieben Sie Salieri?“ kann Herrmann definitiv mit „Ja“ beantworten, das Publikum wird seinem Urteil nach den „Walldorfer Musiktagen“ sicherlich gerne folgen. Bei der Oscar-Verleihung im Jahr 1985 ging übrigens Salieri, alias F. Murray Abraham, als Sieger in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ mit der begehrten Trophäe nach Hause. Tom Hulce, der den Mozart gegeben hatte, war „nur“ unter den Nominierten.


Vorverkauf:
Der Vorverkauf läuft seit Montag, dem 19. Juli.

Vorverkaufsstellen sind:

Buchhandlung Föll, Bahnhofstraße 8, Walldorf
Rathaus, Nußlocher Straße 45, Walldorf

Karten für „Amadeus“ gibt es nur im Luxor-Filmpalast, Impexstraße 1, Walldorf.

Stadt Walldorf/red
Weiterführende Inhalte
  • Salieri aus der Sicht der Sängerinnen und Sänger
  • Musiktage 2010 bieten viel „Unerhörtes“
  • Ankündigung der Walldorfer Musiktage 2010
  • Walldorfer Musiktage 2010: Triptychon
  • Walldorfer Musiktage 2010: Feierliche Operngala
  • 2. Musiktage: Salieri at the Movies - Mo., 27.09.2010 / 19:30 Uhr
  • 2. Musiktage: Salieri-Ausstellung - Do., 07.10.2010 / 00:00 Uhr
  • 2. Musiktage: Salieri - Leben u. Werk - Do., 07.10.2010 / 19:30 Uhr
  • 2. Musiktage: Konzert-Triptychon - Fr., 08.10.2010 / 19:30 Uhr
  • 2. Musiktage: Kirchenkonzert - Sa., 09.10.2010 / 19:30 Uhr
  • 2. Musiktage: Festliche Operngala - So., 10.10.2010 / 19:30 Uhr
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