09.10.2009, Wiesloch -
In wenigen Tagen, genaugenommen am 14. Oktober, feiert die Ökumenische Hospizhilfe Südliche Bergstraße ihr 15-jähriges Bestehen. Anlass genug den Verein, der mittlerweile zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution in Wiesloch, Walldorf und den Umlandgemeinden geworden, vorzustellen und insbesondere die Arbeit der zahlreichen Ehren- und Hauptamtlichen in den Fokus zu rücken.
Aus einer Projektgruppe "Hospizhilfe/Sterbebegleitung" und der Evangelischen Erwachsenenbildung unter Federführung vom Ehepaar Günther und Doris Schroth hervorgegangen, stellte sich der Verein am 14. Oktober 1994 auf eigene Füße und machte es sich zur
Aufgabe, Sterbende und Schwerstkranke zu begleiten, Helfende zu ermutigen und Trauernde zu trösten. Ihren Sitz hat die Hospizhilfe im Erdgeschoss des Hospizes Agape, an dem sie auch mit 40% neben den Städten Wiesloch und Walldorf, jeweils 25,5%, und dem PZN, 9% als Träger beteiligt ist. Sie finanziert sich ausschließlich aus den Mitgliedsbeiträgen (derzeit 154 Männer und Frauen), den Zuschüssen der beiden großen Kirchen sowie von Caritas und Diakonie.
Geleitet wird die Ökumenische Hospizhilfe von einem Vorstand, dessen Vorsitz derzeit Josef Eisend als 1. Vorsitzender und Patricia Schaidhammer als 2. Vorsitzende inne haben, sowie von den beiden Hauptamtlichen Angela Hirsch und Petra Bechtel. Hilfreiche Gespräche Dass die ambulante und stationäre Hospizhilfe mittlerweile unverzichtbar geworden ist, erklärt sich aus den Gesprächen mit einem kleinen Teil der 60 ehrenamtlich tätigen HospizhelferInnen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Sterben und Tod in ein würdiges Licht zu setzen und deren Begleitumstände zu enttabuisieren. "Dass in den ländlichen Gegenden, wo familiäre Stützen und Nachbarschaftshilfe noch vorhanden sind, beim Abschiednehmen nicht so schnell die Angebote wie in den städtischen Strukturen wie Wiesloch und Walldorf angenommen werden, ist dabei unerheblich", so eine Teilnehmerin.
Durch den Wegfall der Großfamilien ist der Sterbende oder die Familie oftmals auf sich gestellt und zumeist überfordert. Hört man dann vom Angebot "begleitet" zu werden in den Monaten, Wochen und Tagen einer schweren Erkrankung, wird diese Hilfe gerne angenommen. Und genau hier beginnt der Einsatz der Ehrenamtlichen. Professionelle Ausbildung Bevor sich die Männer und Frauen dieser Aufgabe jedoch stellen, erhalten sie eine professionelle Ausbildung durch Referenten, Experten und die Hauptamtlichen Angela Hirsch und Petra Bechtel. Ein 40-Stunden-Praktikum gehört hier ebenso dazu wie 160 theoretische Stunden und Supervisionen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Ehrenamtlichen selbst die nötige Unterstützung erfahren. Nach Beendigung dieser Ausbildung werden die Ehrenamtlichen in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt, aber auch im häuslichen familiären Bereich oder den stationären Hospizen.
Motivation
Die Motivation, sich für eine ehrenamtliche Arbeit bei der Hospizhilfe einzubringen, ist völlig unterschiedlich. Eine Teilnehmerin berichtet, dass ihr die Kindheitserinnerungen an den Tod der Eltern einen Schub gegeben hätten. "Die meisten Menschen möchten das nahende Ende vom Hier und Sein im Kreis ihrer Angehörigen erleben, doch ist das heute nicht immer möglich, doch durch unsere Begleitung wird es immer öfter möglich, Angehörige zu entlasten und zu betreuen und dem Sterbenden auf seinem letzten Weg zu helfen." Ein männlicher Hospizhelfer berichtet sogar davon, den "besten Job zu haben" und noch nie zuvor "so belohnt worden zu sein als bei der Begleitung einer älteren Dame." Er wie sie hätten nach anfänglicher Skepsis gespürt, wie wichtig diese Gespräche sind. Eine andere Hospizhelferin ist durch ihre eigene Krebserkrankung motiviert worden, sich der Krankheit zu stellen und eine neue Aufgabe zu finden. In den kommenden Wochen werden ehrenamtliche Hospizhelfer und -helferinnen in der WieWo einen kleinen Bericht über ihre ehrenamtliche Tätigkeit schreiben, um auf diesen stillen Dienst der Ökumenischen Hospizhilfe aufmerksam zu machen. Sie möchten die Öffentlichkeit für das Thema Tod und die Bedürfnisse Schwerkranker, Sterbender und deren Angehörige sensibilisieren. Außerdem möchten sie ihre Mitmenschen ermuntern, diese Unterstützung auch in Anspruch zu nehmen.
Gottesdienst
Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Ökumenischen Hospizhilfe wird zum Gottesdienst am Mittwoch, 14. Oktober, 18 Uhr, in die Kirche am PZN eingeladen. Während des Abends werden auch die Zertifikate an die neu geschulten Hospizhelferinnen ausgehändigt, im Anschluss besteht die Möglichkeit, sich bei Brot und Wein über die vergangenen Jahre und die Tätigkeit der Hospizhilfe auszutauschen.
Kalender
Zum neuen Jahr 2010 hat die Ökumenische Hospizhilfe einen Kalender aufgelegt "Geschenkte Zeit, warum sich ehrenamtliche HelferInnen engagieren". Mit dem Kauf dieses Kalenders unterstützen Sie die Arbeit der ambulanten Hospizhilfe Südliche Bergstraße. Die Kalender sind dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 9 bis 11 Uhr im Büro erhältlich.
Christine Schwab