08. Februar 2012

Historischer Hintergrund:

Burg und Schloss Obergrombach in der Geschichte

27.08.2010, Bruchsal - Für die Jahre bis zum 30-jährigen Krieg sind die Quellen über das Schicksal von Burg und Stadt Obergrombach sehr spärlich. Die neue Lehre Luthers hatte infolge der strengen Abwehrmaßnahmen der Bischöfe in der Stadt keinen Eingang gefunden.    Am 23.07.1552 diente die Burg dem Bischof von Speyer, Philipp II. von Flersheim, im Fürstenkrieg als Zufluchtsort. In jener Zeit versuchte der deutsche Kaier Karl V. (1519 bis 1556 nach seinen Siegen über die protestantischen Fürsten Johann Friedrich von Sachsen sowie Philipp von Hessen, die kaiserliche Herrschaft gegenüber den Landesfürsten zu stärken. Dies missfiel naturgemäß den auf  ihre „Eigenständigkeit“ bedachten Fürsten unter Führung von Moritz von Sachsen, bisher treuester Verbündeter des Kaisers im Kampf gegen die im „Schmalkaldischen Bund“ vereinigten Protestanten. Sie erhoben sich gegen den Habsburger und brachten diesen in arge Bedrängnis. Die katholische Kirche stand auf Seiten des Kaisers und es war protestantisches Kriegsvolk unter Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach. Da sich der Bischof aber schon bald nach Lauterburg zurückzog, entgingen Burg und Stadt einer Belagerung.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 –1648) wurde auch für Obergrombach eine Zeit größter Not und Unglücks. Ende des Jahres 1621 fiel Graf Ernst von Mansfeld, ein Parteigänger Kurfürst Friedrichs V. von der Pfalz (der „Winterkönig“) nach dem unglücklichen Ausgang des böhmischen Unternehmens in das Bistum ein. Am 10. November 1621 wurden Burg und Stadt Obergrombach von den Mansfeldischen Scharen überfallen, eingenommen und brutal ausgeraubt. Die Bevölkerung wurde gequält, geplagt und vergewaltigt. Die Rache auf den blutigen Überfall ließ nicht lange auf sich warten. Von Udenheim (Philippsburg) aus marschierte Bischof Philipp von Sötern (1610 – 1652) mit 700 Mann und 2 Feldschlangen (mittelalterlichen Kanonen) los, um Obergrombach zurückzuerobern. Es muss den katholischen Truppen gelungen sein, die protestantische Mansfelder Abteilung zu überraschen, die Burg und Stadt besetzt hielten. Die bischöflichen Soldaten eroberten am 21.11.1621 im Handstreich den Platz, machten die Besatzung nieder (ca. 100 Mann wurden getötet) und kehrten mit reicher Beute beladen in ihre Garnision zurück. Dass beim „Beutemachen“, den damaligen rauen Gebrauchen gemäß, die ohnehin schon gebeutelten Obergrombacher Einwohner nochmals Federn lassen mussten, obwohl sie doch von ihren eigenen Glaubensbrüdern „befreit“ wurden, lässt sich leicht ausrechnen.

Im Jahre 1633 belagerte der schwedische Oberst Schmittberger Burg und Stadt. Infolge des zähen Abwehrkampfs der katholischen Verteidiger scheint ihm aber die Einnahme nicht gelungen zu sein.

Im August 1644   jedoch gelang es einem französischen Chor unter Generalmajor Rossa, Burg und Stadt zu erobern und die in Obergrombach einquartierten bayerischen Truppen zu vertreiben. Die Franzosen standen unter dem Oberbefehl von Feldmarschall Turenne. Im Oktober 1645 jedoch entrissen die Bayern unter General Geleen Obergrombach wieder den Franzosen. Im September 1646 drangen die Schweden im Verein mit den Franzosen wieder in das Hochstift Speyer ein. Am 16. September dieses Jahres marschierte das zu diesen Truppen gehörende Schmidtbergische Dragoner-Regiment in das anscheinend unverteidigte Obergrombach ein. Im gleichen Monat überrumpelten wiederum die Bayern die Stadt. Diese ganzen kriegerischen Auseinandersetzungen hinterließen ihre Zeichen an Burg und Stadt Obergrombach. Doch scheinen die Burganlagen einer endgültigen Zerstörung entgangen zu sein, denn es sind Urkunden vorhanden, die von Burgbewohnern gleich unmittelbar nach dem großen Religionskrieg sprechen. Der Wiederaufbau ging nur sehr schleppend vor sich, da in den Kriegsfolgejahren die Pest ins Land eindrang und viele Opfer forderte. Dazu kamen die ständigen Einquartierungen von fremden Kriegsvölkern und Kontributionsforderungen.

Von 1672 bis 1678 führte Ludwig XIV. (der „Sonnenkönig“) von Frankreich seinen zweiten Eroberungskrieg gegen Holland. Dabei wurde auch der Südwesten Deutschlands zum Kriegsschauplatz. 1677/78 misslang ein französischer Angriff auf die Obergrombacher Burg, die Angreifer konnten erfolgreich abgewehrt werden.

Von 1688 bis 1697 tobte der Pfälzer Erbfolgekrieg und wieder marschierten die Franzosen ins Land ein. Besonders im Kriegsjahr 1689 wurden weite Landstriche total verwüstet. Über das Schicksal von Obergrombach in jener Zeit sind keine genauen Unterlagen vorhanden, jedoch darf angenommen werden, dass auch Burg und Städtlein unter den Wirren zu leiden hatten. Manche Hinweise deuten darauf hin, dass in diesem Krieg in Obergrombach ein großer Brand war, dem vermutlich Teile der Burg zum Opfer gefallen sind. Die Stadt Speyer stand im Mittelalter nicht unter der unmittelbaren Herrschaft der Speyrer Bischöfe. Als freie Reichsstadt war sie vielmehr direkt dem Kaiser untertan. Die Bischöfe hatten des Öfteren Ärger mit den auf ihre Privilegien und ihre Eigenständigkeit pochenden Speyrer Bürgern. Aus diesen und anderen Gründen verlegten die Bischöfe ihren Sitz nach und nach in den Bruhrain nach Bruchsal. Dort residierten sie in dem in ihrem Auftrag erbauten Renaissance-Schloss.

Im Jahre 1719 erfolgte ein teilweiser Wiederaufbau in Obergrombach durch Fürstbischof Kardinal Damian Hugo Graf von Schönborn. In den folgenden Jahren ließ er das Schloss nach und nach wieder instandsetzen; der alte Rittersaal der Burg, dessen Überreste heute noch zu sehen sind, sowie etliche Außenbefestigungsanlagen wurden jedoch nicht mehr erneuert. Ab 1720 wurde im Auftrag des baufreudigen Kardinals Schönborn das so genannte „Untere“ oder „Neue Schloss“ als Sommersitz errichtet. Nach seiner Fertigstellung weilte der Kardinal gerne und oft in Obergrombach.
Über die kommenden Jahrzehnte schweigen sich die Quellen über das Schicksal von Burg und Stadt aus; die großen Kriege (Polnischer Erbfolgekrieg 1734 – 1736 und der Österreichische Erbfolgekrieg 1740 – 1749) scheinen Obergrombach nicht sonderlich berührt zu haben.

Erst wieder zur Zeit der Französischen Revolutionskriege von 1789 bis 1799 rückte Obergrombach wieder in den geschichtlichen Blickpunkt. Im zweiten Koalitionskrieg versuchten 1799 die absolutistischen Mächte Europas vergeblich, den französischen Revolutionstruppen Herr zu werden. In diesem Jahr wurden Schloss und Burg erneut von den Franzosen eingenommen und geplündert. Die in Obergrombach einquartierten Truppen der Königlich-Kaiserlichen Reichsarmee wurden vertrieben.

Im Jahre 1803 wurden im „Regensburger Reichsdeputationshauptschluss“ in Deutschland die ganzen geistlichen Territorien „säkularisiert“, das heißt den weltlichen Herrschaften eingegliedert. Im Oktober 1803 fielen Burg, Schloss und Stadt Obergrombach sowie der ganze Teil des Hochstifts Speyer an das Großherzogtum Baden.


wak/Foto: wak
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