Bücher am Käfertörle
Genussvolle Autorenlesung mit Paul Mesa
07.10.2010, Mosbach - Ganz im Zeichen von „Essen und Genießen“ steht die Herbst-Veranstaltungsreihe bei Bücher am Käfertörle, die am vergangenen Donnerstag ihren Anfang genommen hat und gleich zu einer Kaffeeverkostung einlud, denn Paul Mesas Romanfiguren sind leidenschaftliche Kaffeetrinker.
Keine 150 Zentimeter groß ist das kleine Zimmermädchen Bica, das mutig in die Familienplanung der Hotelgäste eingreift und Kondome ansticht. Eigentlich glaubt Bica nicht an die Familienregel, wonach Eltern nur in den Himmel kommen, wenn Enkel da sind, aber wer weiß das schon so genau? Und Bica ist verliebt, unglücklich verliebt, in Galao, der ihr wenig Beachtung schenkt. Weinend sitzt sie eines Tages im Badezimmer, als der Duft frisch gekochten Kaffees - nach einem Spezialrezept der Mutter - durch die Türritzen zieht und ihr plötzlich die jüngst verstorbene Mama gegenübersitzt. Damit beginnen turbulente Zeiten im Schoßhotel (es heißt tatsächlich so).
Märchenhaft und sensibel spinnt Paul Mesa eine verrückt-naive und zugleich weise Geschichte um eine Flucht vor der Liebe, die gleichzeitig die Suche nach ihr ist. Gefühlvoll und stets mit einer Portion Augenzwinkern versehen, entführt Mesa die Leser in die Welt Bicas, lässt sie behutsam teilhaben an ihren Gedanken und Erinnerungen und zeichnet ein charmant eigenwilliges Porträt voller Sehnsucht, melancholisch und bittersüß. Genauso bittersüß, wie der Kaffee, den Autor Mesa seine Figuren trinken lässt. Überhaupt scheint Mesa Kaffee zu lieben, wie anders ließe sich sonst das Zitat „Kaffee ist ein Kunstwerk, eine Projektion von Glück“ (Gerhard J. Rekel) erklären, das Mesa seinem Debütroman vorangestellt hat. Der Duft frischgemahlenen Kaffees habe er für „Die kleine Göttin der Fruchtbarkeit“ gebraucht, verriet er bei Karl-Heinz Harst, sein liebster Arbeitsplatz daher ein Tisch in einem gemütlichen Caféhaus.
„Kaffeezubereitung ist ein Handwerk“, sagte Andrej Pajdakovic, der in Mosbach lebt und die Kaffeerösterei VICCI in Hamburg betreibt und der ins Schwärmen gerät, als er über das „meist getrunkene Getränk überhaupt“ spricht. Immer eine Hand an der Kaffeemaschine - schließlich wollten an die 30 Lesegäste versorgt werden - erzählte er den weiten Weg der Kaffeebohne in die Tasse. Egal ob Espresso, Cappuccino oder schlicht „eine Tasse Kaffee“, die richtige Auswahl der Bohnen und deren Mischung seien das Geheimnis. „Qualität ist oberstes Gebot“, sagte Pajdakovic, während der Duft frisch gemahlenen Kaffees sich zwischen den Bücherregalen verteilte, frisch und reif müssten die Bohnen sein. Das sei nur in traditioneller Handarbeit möglich, bei der Ernte wie in der Rösterei. Und „es ist durchaus fair - auch ohne Siegel - was wir da machen“, erklärte Kaffeeröster Pajdakovic, „wir kennen die Bauern und wir wissen, was sie ihren Erntehelfern bezahlen“. Deshalb liegt der Preis von VICCI Caffè auch über dem Weltmarktpreis, dafür garantiere er aber perfekten Kaffeegenuss. Und wenn dann auch noch der Cappuccino-Schaum „wie eine Schneeflocke“ gelingt, ist das Kaffeeglück einfach vollkommen.
lin/Foto: lin