20.10.2009, Walldorf -
Tipps zur Gestaltung eines Kaninchenheims
Kaninchen sind gesellige Tiere mit großer Neugier und starkem Bewegungsdrang. In der freien Natur sind sie fast rund um die Uhr mit dem Graben von Wohnhöhlen, Futter suchen und fressen, markieren, Körperpflege und dem Austausch von Sozialkontakten beschäftigt – allzeit bereit, bei Gefahr in einem sichern Versteck zu verschwinden. Auch bei den gezüchteten Zwergkaninchen sind diese Verhaltensweisen noch veranlagt. Von daher muss es oberstes Gebot eines jeden Kaninchenhalters sein, seinen kleinen „Hausgenossen“ die Umsetzung dieser Verhaltensweisen zu ermöglichen. Können sie nicht ausgelebt werden, kommt es zu gravierenden Verhaltensstörungen und gesundheitlichen Problemen. Betrachtet man die natürlichen Bedürfnisse, so stellt man direkt fest, dass die im Handel angeboten Ställe und Käfige nicht ausreichen, um ein Kaninchen artgerecht zu halten. Natürlich lassen sich mehrere davon kombinieren oder in ein Gehege integrieren, doch mit ein bisschen Fantasie kann man sich das Geld für einen teuren Käfig auch sparen.
Die nachfolgenden Tipps sollen helfen, ein entsprechendes Kaninchenheim zu gestalten.
Lage:
Prinzipiell kann das Kaninchengehege in der Wohnung oder im Freien angelegt werden, wobei die Außenhaltung zu empfehlen ist. Um den Bedürfnissen in der Wohnung gerecht zu werden, ist der Halter sehr gefragt: Er muss die Natur in die Wohnung holen.
Da Kaninchen recht schreckhafte Tiere sind, sollte das Gehege nicht direkt neben der Straße, dem Fernseher oder im Durchgangsbereich liegen und nicht von allen Seiten einsehbar sein, so dass sich die Tiere stets Zurückziehen können. Eine ruhige Zimmerecke oder ein Gartenstück, durch Mauer oder Hecke begrenzt, sind ideal.
Außerdem sollte man die Lage so wählen, dass die Tiere keinen zu hohen Temperaturen oder Zug ausgesetzt sind. Ein Käfig in der prallen Sonne oder vor der Heizung haben schon bei vielen Kaninchen zum qualvollen Hitzetod geführt… Ein sanfter Regenguss schadet einem gesunden Kaninchen dagegen überhaupt nicht.
Gesunde, erwachsene Kaninchen können im Freien überwintern. Allerdings muss das Gehege vor Wind und Feuchtigkeit von unten geschützt liegen. Sonst nutzen selbst die isolierende Platten an und die dicken Strohpolster in den Häuschen nichts, die man im Winter als Schutz vor der Kälte anbringen muss.
Platzangebot:
Als Faustregel für die Gehegegröße gilt (mindestens) 2m2 pro Tier. Zusätzlicher Freilauf in der Wohnung oder im Garten ist wünschenswert.
Sicherheit:
Kaninchen sind sehr neugierig, einfallsreich und außerdem enorm sprunggewaltig: Locker springt ein Kaninchen 70 cm aus dem Stand. Kombiniert man diese Eigenschaften noch mit ihrer Leidenschaft zu Buddeln, so sind Kaninchen wahre Ausbruchskünstler. Dem gilt es vorzubeugen – zum Schutz des Kaninchens und zum Schutz des Inventars. Kaninchen schrecken in ihrer Knabberlust vor nichts zurück: Der Gartenschlauch, die Tapete, das Fernsehkabel, …
Als Begrenzung eignen sich Drahtgitterelemente. Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass die Maschengröße nicht zu groß gewählt wird. Sind die Maschen zu weit, so kann das Kaninchen seinen Kopf durchstecken. Beim Zurückziehen bleibt es dann schell mit den Ohren hängen. Während sich für die Wohnung klassischer Kaninchendraht bewährt hat, ist für die Außenhaltung eine stabilere Variante empfehlenswert, um das Gehege vor Feinden wie Hunden, Greifvögeln, Füchsen und Mardern zu schützen. Aus dem gleichen Grund sollte das Außengehege auch von oben abgedeckt sein. Dann können die Kaninchen außerdem auch nicht einfach über den Zaun springen. Das Gehege sollte trotzdem eine Höhe von mindestens 1m haben, damit die Kaninchen auf einem Häuschen sitzend noch Männchen machen können.
Auch von unten muss das Gehege „zu“ sein. Auf Naturboden beginnen die kleinen Racker sofort zu Graben. Am Besten verlegt man den Draht bis ca. 30cm unter die Erde oder zieht eine kleine Mauer, die entsprechend tief eingelassen ist. Tägliche Kontrollen des Geländes und das Zuschütten der Gänge sind trotzdem Pflicht.
Vor grabenden Kaninchen ist man aber selbst in der Wohnung nicht sicher. Besonders begeisterte Exemplare buddeln einem schon mal den Putz von den Wänden – auch Fluchtversuche durch Gipsplatten sind bekannt. In diesen Fällen schaffen dünne Hartfaserplatten, die an die Wände geschraubt werden, Abhilfe. Sie dienen außerdem dem Schutz der Tapete.
Selbstverständlich müssen auch beim täglichen Freilauf alle Verletzungs- und Gefahrenquellen (Kabel, andere Tiere, giftige Pflanzen, enge Zwischenräume,…) ausgeschlossen werden.
Bodenbelag:
Optimal ist der natürliche Untergrund des eigenen Gartens. Aber auch aufgeschüttete Flächen mit Sand oder Rindenmulch sind geeignet – je mehr Abwechslung, umso besser. Außerdem wird vom schönen Rasen über kurz oder lang eh nichts mehr zu sehen sein... Zu beachten ist, dass das Gelände ungedüngt und frei von Pflanzenschutzmitteln ist. Da Kaninchen recht reinliche Tiere sind, wird sich in der Regel recht schnell eine oder mehrere Stellen ergeben, an denen die Kaninchen überwiegend ihre Geschäft verrichten. Es empfiehlt sich, diese Stellen mit saugfähigem Material (Rindenmulch oder Kleintiereinstreu [kein Katzenstreu oder Sägespäne aus Tischlereien]) auszulegen bzw. entsprechend befüllte „Pipiboxen“ aufzustellen. Besonders wichtig werden diese Kaninchentoiletten, wenn die Kaninchen im Terrassenbereich oder in der Wohnung gehalten werden. Ansonsten sind die Kaninchen hier nicht besonders anspruchsvoll, was den Boden angeht: Fliesen, Steinplatten, Holzboden, PVC, Teppich… auf allem wird rumgehüpft. Allerdings darf der Untergrund nicht zu rau oder rutschig sein – wunde Läufe oder Verletzungen wären die Folge. Abhilfe schaffen einfache, gewobene Baumwoll- oder Korkteppiche, jedoch nicht hochflorig: Hier bleiben die Kaninchen leicht mit den Krallen hängen und reißen sie sich aus… Einen Hinweis noch an alle Mieter oder Besitzer teuere Teppiche: Kaninchen können zwar stubenrein werden, doch gehört Urinverspritzen zum Territorialverhalten und kann so immer auftreten. Von daher macht es Sinn, im Kaninchengehege eine billige Bodenvariante über den eigentlichen Boden zu legen. Achten Sie darauf, dass die Ränder gut versteckt sind, sie werden sonst rigoros abgefressen.
Struktur:
Das größte Gehege bringt nichts, wenn es nicht abwechslungsreich und artgerecht gestaltete wird. Als Höhlenbewohner brauchen Kaninchen Schutzhäuschen und zwar für jedes Tier mindestens eins. Jedes Kaninchen muss sich bei Gefahr und Streitereien, die auch in den besten Haushalten immer mal vorkommen, zurückziehen können. Auch hier ist das Angebot im Handel oftmals enttäuschend. Kaninchenhäuser brauchen eine Mindestgröße von 20x30cm Grundfläche und 20cm Höhe. Die Häuschen müssen über 2 oder mehr Türen (je 12x12cm) verfügen. Nur so ist gewährleistet, dass es rangniederes Tier ohne Probleme das Haus verlassen kann, sobald das ranghöhere eintritt. Bei nur einer Tür wäre eine Rauferei vorprogrammiert. Ein flaches Dach wäre wünschenswert, da Kaninchen es lieben, erhöhte Ebenen als Ausguck aufzusuchen. Wer im Handel kein Glück hat, muss selbst kreativ werden. Alte Kisten und Kartons (unlackiert und unbeschichtet) lassen sich leicht umfunktionieren. Auch Korkröhren und hohle Baumstämme, selbst Weidenkörbe oder einige Katzenhöhlen sind geeignet.
Des Weiteren kann man mit einfachen Beeteinfassungen das Gehege strukturieren. Mal als „S“, mal als Schnecke gestellt, die Kaninchen werden immer wieder begeistert nachsehen, was es auf der anderen Seite zu entdecken gibt.
Ganz davon abgesehen eignen sich alle Häuschen als Sonnenschutz. Von daher sind alle natürlichen Materialien besser geeignet, da sich Plastikhäuschen in der Sonne oftmals stark erwärmen.
Beschäftigung:
Mit einfachen Mitteln kann man erreichen, dass sich Kaninchen nicht langweilen: Futter wird im Gehegen versteckt – auf den Häuschen, in den Röhren oder noch besser auf Zweige aufgespießt, so dass die Kaninchen nicht nur die Nase in den Wind halten müsse, wo sich das nächste Leckerchen versteckt, sondern sich auch noch richtig strecken müssen, um es zu erreichen. Ähnlich kann man mit dem Heu verfahren: Einmal klassisch in der Raufe geben, das nächste Mal in gepresster Form, dann ein ganzer Ballen oder Heu aus einer Weidenkugel. Auch alte Socken mit Loch eignen sich als lustiges Heuspielzeug: Man befüllt die Socke mit Heu und bindet sie dann an einen Ast oder das Gitter an, so dass die Kaninchen sich recken müssen um sie zu erreichen. Da die Socke beim dran stoßen erst einmal wegschaukeln wird, müssen sich die Kaninchen ganz schön anstrengen und sich eine Taktik überlegen. Auf jeden Fall schmeckt das Heu auf einmal hundertmal besser.
Genauso kann man Leckerchen in die Socke füllen oder andere Dinge aufhängen, beispielsweise kleine Kräutersträußchen oder einen Apfel an einer Schnur. Es macht Spaß zu beobachten, wie die Kaninchen arbeiten, um an das Futter zu gelangen.
Auf jeden Fall müssen die Kaninchen eine Buddelmöglichkeit haben. Ist der Untergrund ungeeignet, so kann man mit Blumenschalen oder –kästen gefüllt mit Gartenerde, Sand oder Rindenmulch (Blumenerde ist gedüngt und von daher ungeeignet) dafür sorgen, dass die Kaninchen ihrem natürlichen Trieb nachgehen können.
Reinigung:
Kaninchen sind reinliche Tiere, bei denen Sauberkeit für das Wohlbefinden wichtig ist. Das gesamte Gehege sollte mindestens einmal wöchentlich gereinigt werden. „Toiletten-Ecken“, Wasserschalen und Futterplätze müssen sogar täglich geputzt werden.
Dies sollte man bei der Planung des Kaninchenheims nicht vergessen und das Gehege so gestalten, dass es sich gut reinigen lässt. Unter diesem Aspekt macht es beispielsweise Sinn, die Höhe des Geheges zu überdenken. Lässt es sich im Gehege stehen, putzt es sich deutlich einfacher…
Tom-Tatze-Tierheim Walldorf