08. Februar 2012

Bildung

Jeder 14. Schüler besucht eine Privatschule

14.01.2010, Vor allem die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie führen dazu, dass verunsicherte Eltern ihren Kindern die bestmöglichste Bildung ermöglichen wollen. Privatschulen können sich vor dem steigenden Andrang in den letzten Jahren kaum noch retten: Die Zahl der Anmeldungen übersteigt bei Weitem die Zahl der verfügbaren Plätze.

Zahlen
Seit 1992 ist die Anzahl der Privatschüler um mehr als die Hälfte angewachsen. Jeder 14. Schüler besucht in Deutschland mittlerweile eine private Schule. Laut Statistischem Bundesamt gab es im Schuljahr 2005/2006 4637 private allgemeinbildende und berufliche Schulen – rund 43,5 Prozent mehr als noch im Jahr 1992. Sachsen ist in Deutschland Spitzenreiter auf dem Gebiet: Rund 11,4 % der Schüler besuchen hier eine Privatschule. In Baden-Württemberg sind es immerhin 7,8 %, in Schleswig-Holstein nur 3,3 %. Doch im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn liegt Deutschland noch immer etwas zurück: In Frankreich besuchen fast 20 % der Schüler eine Privatschule, in Holland sind es gar über 70 %.

Freiräume
Es ist lange kein Geheimnis mehr, dass Privatschüler bei den PISA-Tests deutlich bessere Ergebnisse erzielten. Immer mehr Eltern schätzen die kleineren Klassen und die individuelle Förderung ihrer Kinder in Privatschulen. Außerdem sind staatlich zugelassene private Einrichtungen nicht zwingend an die Lehrpläne der einzelnen Bundesländer gebunden und können ihren Schülern mehr Freiräume einräumen. Privatschulen sind die einzigen Schulen, die Kinder ab der ersten Klasse ohne Wohnortbindung aufnehmen. Kinder können in Privatschulen bei einer angenehmeren Atmosphäre zusätzlich besser betreut und gefördert werden. Jeder Schüler hat unterschiedliche Neigungen, Anlagen und Berufswünsche, auf die die privaten Einrichtungen besser eingehen können. Die Fürsorge und das stärkere Engagement der Lehrer ist ein weiterer Pluspunkt für die privaten Schulen. Die Lehrerschaft ist nicht einfach bunt und zufällig zusammengemischt wie bei anderen Schulen, sondern es werden nur die Lehrer ausgewählt, die zum Schulkonzept passen. Das Kollegium wird wohlbedacht zusammengestellt, so dass diese an einem Strang ziehen, wenn Probleme auftreten sollten.

Wirtschaftsbetriebe
Auch weltanschauliche Gründe spielen bei der Wahl für eine Privatschule eine immer größere Rolle. In Zeiten von zunehmender Gewalt an Schulen, sollen den Kindern wichtige Werte vermittelt und eine gewisse Geborgenheit gegeben werden. Privatschulen haben mehr Eigenverantwortung und sind einem stärkeren Wettbewerb ausgesetzt. Sie funktionieren wie Wirtschaftsbetriebe, die ihre Kunden optimal zufriedenstellen müssen. Unterrichtsausfall kommt in den meisten privaten Einrichtungen nie vor. Private Schulen bereichern das Schulsystem und beleben den Wettbewerb, von dem auch die staatlichen Schulen profitieren. Sie übernehmen immer wieder erfolgreiche Modelle der privaten Einrichtungen.

Unterscheidung

Privatschulen unterteilen sich in Ersatz- und Ergänzungsschulen. Von einer Ersatzschule wird dann gesprochen, wenn sie Bildungsgänge und Abschlüsse anbietet, die es vergleichbar auch an staatlichen Schulen gibt. Sie ersetzen quasi die staatliche Schule, die Schüler erfüllen dort auch ihre gesetzliche Schulpflicht. Ersatzschulen müssen sich an die staatlichen Lehrpläne halten. Man unterscheidet in vielen Bundesländern noch zwischen anerkannten und genehmigten Ersatzschulen. Die anerkannten Schulen dürfen ihre staatlichen Abschlüsse selbst vergeben. Schüler in genehmigten Ersatzschulen erwerben ihre Abschlüsse durch externe Prüfungen. Ergänzungsschulen sind alle übrigen Privatschulen, die Bildungsgänge und Abschlüsse anbieten, die auf staatlichen Schulen nicht vorgesehen sind – sie ergänzen also das staatliche Schulsystem. Aber auch mit einem Besuch der Ergänzungsschule kann, je nach Landesregelung, die gesetzliche Schulpflicht erfüllt werden. Ergänzungsschulen lassen sich vor allem im berufsbildenden Bereich finden, wo es für einige Berufe keine staatlichen Ausbildungsmöglichkeiten gibt.

Finanzierung

Die Einnahmequellen von Privatschulen sind einerseits natürlich das Schulgeld der Eltern. Ersatzschulen erhalten im Gegensatz zu Ergänzungsschulen einen staatlichen Finanzausgleich pro Schüler. In einigen Bundesländern verlangen sie daher kein Schulgeld. Den Finanzausgleich erhalten die Schulen allerdings frühestens 3 Jahre nach der Gründung. Der Ausgleich richtet sich nach der Höhe der Kosten, die ein Schüler an einer staatlichen Schule verursacht. Die Höhe des Finanzausgleiches unterscheidet sich zwischen den Bundesländern. Das Schulgeld muss laut Gesetz so bemessen sein, dass „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird.“ Der Finanzausgleich reicht allerdings in der Realität nicht immer aus, um das Schulgeld auf einem sozial angenehmen Niveau zu halten. Nur kirchlichen Einrichtungen gelingt es, wenig oder gar kein Schulgeld zu verlangen, da die jeweiligen Kirchenträger meist die fehlenden Mittel aufbringen können. Die anderen Schulen versuchen, die soziale Härte durch Stipendien, Geschwisterermäßigungen oder nach dem Einkommen der Eltern gestaffeltes Schulgeld zu vermeiden. Die gesellschaftliche Durchmischung ist letztlich auch sehr entscheidend für den pädagogischen Erfolg von Privatschulen.


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