08. Februar 2012

Der VfB-Mannschaftsarzt:

„Ungenügende Bewegung eigenständiger Risikofaktor"

09.10.2009,

“Bewegung ist im Leben nicht alles – doch ohne Bewegung ist alles nichts! Gesundheitstipps für ein ‚bewegtes’ langes Leben auch bei Krankheit und Behinderung“ hieß ein Schwerpunktthema der 7. VdK-Schulung für Behindertenvertreter. Für diesen Vortrag hatte der VdK-Landesverband den Sportmediziner und Rechtsanwalt Dr. med. Dr. jur. Heiko Striegel vom Universitätsklinikum Tübingen verpflichten können. Striegel, der seit ein paar Jahren auch als Mannschaftsarzt des VfB Stuttgart tätig ist, war direkt vom Trainingslager des Fußball-Bundesligisten in Donaueschingen nach Heilbronn gekommen. Für den früheren erfolgreichen Mittel- und Langstreckenläufer haben Sport und Bewegung eine immense Bedeutung für die Gesunderhaltung der Menschen.

 

Dr. Striegel ging zudem auf die Bedeutung des Sports bei bereits bestehender Behinderung ein. Er rief die Anwesenden dazu auf, mit Engagement an den Sport heranzugehen, trage dieser doch auch zur Erhaltung von Werten und Normen in der Gesellschaft bei. Des Weiteren fördere Sport den Zusammenhalt der Menschen und er trage zur Verhütung von Krankheiten wie beispielsweise den Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei. Neben dieser Primärprävention komme dem Sport aber auch eine Bedeutung bei der Sekundärprävention zu, also der Verhinderung oder Verzögerung des Fortschreitens einer schon bestehenden Erkrankung, hob Heiko Striegel hervor.

 

Neben den bekannten und beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Diabetes mellitus sei die ungenügende körperliche Bewegung jetzt als eigenständiger Risikofaktor anerkannt. Egal, welcher Risikofaktor bei einem Menschen vorliege, mit der Zunahme seiner körperlichen Fitness, so Dr. Striegel, sinke zugleich das Sterblichkeitsrisiko.

 

Der VfB-Arzt empfiehlt drei bis fünf Mal wöchentlich ein ausdauerorientiertes Training von 30 bis 60 Minuten Länge bei einer Intensität von 50 bis 70 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit. Allerdings sollten Anfänger zunächst ein geringeres wöchentliches Pensum wählen, um orthopädische Beschwerden durch eine etwaige anfängliche Überlastung zu vermeiden. Eine hohe Intensität hätten Sportarten wie Laufen und Radfahren, eine geringe beispielsweise Bowlen, Tanzen oder Golfen. Außerdem sollten die Menschen pro Woche mindestens 1000 Kilokalorien, besser sogar 3000 Kilokalorien, durch körperliche Aktivität verbrennen. Auch „kleine Alltagsaktivitäten“ wie zum Beispiel das Treppensteigen seien sinnvoll. Allerdings, so Heiko Striegel, könne ein optimaler Effekt nur durch regelmäßige körperliche Aktivität erreicht werden.

 

Der Sport- und Allgemeinmediziner informierte die Behindertenvertreter auch über die sportmedizinische Leistungsdiagnostik und die Möglichkeiten der Rollstuhlergometrie, zum Beispiel auf dem Rollstand oder per so genannter Handkurbelergometrie. Auch für Tetraplegiker gebe es Belastungsmodule im Rahmen der Rollstuhlergometrie. Ebenso könnten blinde Sportler eine Laufbandergometrie absolvieren. „Schließlich schafft der Sport auch hier ein gutes Körpergefühl“, betonte Dr. Striegel.      



Sozialverband VdK - Landesverband Ba-Wü
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