09.10.2009, „Nur wenn alle Arbeitnehmer einen Lohn erhalten, von dem sie ohne staatliche Aufstockung leben können, ist es ihnen möglich, eine ausreichende Altersvorsorge aufzubauen“, betonte der stellvertretende Landesverbandsvorsitzende des Sozialverbands VdK Baden-Württemberg, Uwe Würthenberger, vor Journalisten in Stuttgart.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des „Bündnis für Mindestlohn Baden-Württemberg“, dem neben dem VdK, dem Landesseniorenrat und Gewerkschaften noch weitere Organisationen angehören, wies Würthenberger darauf hin, dass es zurzeit bereits drei Millionen von Armut bedrohte Rentnerinnen und Rentner in Deutschland gebe. Außerdem lebten 2,5 Millionen Kinder in armen Familien. 5,5 Millionen Menschen arbeiteten im Niedriglohnsektor, der ständig wachse. Die Folge seien weit über eine Million Beschäftigte, die auf zusätzliche Leistungen der Grundsicherung angewiesen seien.
„Damit Altersarmut vermieden wird, muss sich etwas tun“, forderte der stellvertretende VdK-Landesvorsitzende. „Arbeit muss auch entsprechend bezahlt werden, denn zu geringe Löhne führen zu Einkommensarmut“. Im Rentenalter sei dann spätere Altersarmut fast automatisch programmiert.
Uwe Würthenberger verwies auf die bundesweite VdK-Plakataktion „Aktion gegen Armut“ von 2008 mit mehr als 10.000 Plakaten. Mit dieser öffentlichen Kampagne habe der Sozialverband VdK Politik, Medien und Bevölkerung deutschlandweit aufgerüttelt.
Der VdK ist der Meinung, dass es nach einem langen Berufsleben nicht „Endstation Armenküche“ heißen sein darf. Bereits eine Million Menschen in Deutschland seien schon heute regelmäßig auf Lebensmittel der sogenannten Tafeln angewiesen. Sie seien so von der Gunst anderer abhängig. „Eine Verschlimmerung dieser Zustände muss verhindert werden“, appellierte Uwe Würthenberger an die Politik.
Rentnerinnen und Rentner seien steigenden Belastungen ausgesetzt. Zudem könnten finanzielle Einbußen im Rentenalter nicht mehr kompensiert werden. „Auf das frische Obst muss immer öfter zugunsten lebensnotwendiger Arzneimittel verzichtet werden“, beklagte der VdK-Landesvize.
Dem Grundsicherungsregelsatz von 359 Euro pro Monat lägen die Einkommens- und Verbrauchsstichproben (EVS) von 2003 zugrunde. Sämtliche Preissteigerungen der letzten sechs Jahre, insbesondere bei Lebensmitteln und Energie, seien nicht berücksichtigt. „Aus Sicht des VdK ist dies ein Armutszeugnis für unseren Sozialstaat“, hob Uwe Würthenberger auf der gemeinsamen Pressekonferenz hervor. Deshalb fordere der VdK auch eine armutsfeste Rente. Man müsse schnell zur dynamischen Rente zurückkehren. Im Übrigen sieht der Sozialverband VdK in der im Frühjahr 2009 beschlossenen Rentengarantie einen ersten richtigen Schritt gegen drohende Altersarmut.
Würthenberger gab auch zu Bedenken, dass private Altersvorsorge bestehende Ungleichheiten weiter verstärke. Wer angesichts drohender Altersarmut lediglich auf mehr private Altersvorsorge setze, vergesse, dass sich einkommensschwache Haushalte schlichtweg keine private Vorsorge leisten könnten.
Kontakt: B.Buehler@vdk.de
Sozialverband VdK - Landesverband Ba-Wü