Erlebniswege und Lehrpfade
Wegkreuzwanderung in und um Untergrombach
30.07.2010, Bruchsal - Am Sonntagnachmittag lud der Heimatverein Untergrombach mit seinem Vorsitzenden Dietmar Konanz zu einer Wanderung zu den Wegkreuzen rund um den Michaelsberg ein.
Konanz berichtete ausführlich über die Erbauer der Kreuze, die Historie und die Gründe, warum diese religiösen Symbole erstellt wurden.
Auf der 4,5 stündigen Tour konnte man nicht nur wandern sondern vor allem auch stehen, hören und staunen.
Wegkreuze haben Geschichte
Um 1850 sind die meisten dieser Kreuze von Privatleuten errichtet worden, heute sind alle Kreuze im Besitz der Gemeinde Bruchsal und nicht zu allen dieser christlichen Symbole gibt es detaillierte Aufzeichnungen.
Begonnen am Wegkreuz Büchenauer Straße, Ecke Joß-Fritz-Straße erfuhren die Interessierten zunächst einmal an welchen Standorten die Kreuze errichtet wurden, dabei handelte es sich immer um prägnante Punkte, um Hauptachsen, an denen wichtige Verkehrsknoten sind. Über Bauweise und Materialien ging es im Bericht dann nahtlos weiter. Diese Wegkreuze wurden immer mit einem Schicksal in Verbindung gebracht oder dienten auch zur persönlichen Darstellung.
Bauweisen
Es gibt zwei Bauweisen der Wegkreuze, mit Sockel oder ohne Sockel, in Untergrombach sind ausschließlich Wegkreuze mit Sockel zu finden und bis auf das erste Kreuz sind alle aus Sandstein erbaut. Dieses erste Kreuz, das Büchenauer- oder Eisenbahnkreuz, wurde als einziges aus Beton errichtet, was in Verbindung mit der Entwicklung des Straßenverkehrs und den damit verbundenen sauren Regen verheerende Folgen hat, denn es entstehen Korrosionen am Stein und Risse. Dieses Kreuz wurde 1871 von Katharina Müller im Gedenken an ihren verstorbenen Mann und ihrem Sohn der im deutsch-französischen Krieg gefallen ist, errichtet. Auf dem massiven Sockel kann man an Hand von Inschriften oft erkennen, zu welchem Anlass sie errichtet wurden.
An der Büchenauer Straße entlang gab Konanz anhand der Häuser, Auskunft über die ehemalige jüdische Gemeinde, bis man zu einem Vorhof kam und den letzten Brunnen von Untergrombach sah, heute zum Blumenkübel umfunktioniert. Die Versorgung durch Brunnen wurde 1911, als das Dorf an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen wurde, aufgelöst.
In der Ortsmitte gegenüber dem Gasthaus zur Kanne, dem imposanten Klinker-Sandsteinbau, steht das nächste Kreuz gebaut aus dem regional üblichen roten Sandstein, der häufig aus der Pfalz oder dem Nord- Schwarzwald kam.
Ein kurzer Halt fand vor der, katholischen Kirche statt, die Immaculata im Eingangsbereich der Kirche stand in früheren Zeiten als religiöses Sinnbild in der Michaelsbergstraße.
Diese äußerst wertvolle und seltene Darstellung der Maria auf der Weltkugel, um die sich eine Schlange mit dem Apfel windet, steht in derselben Ausführung aus Holz in der Michaelsbergkapelle und wurde vom Hofbildhauer Joachim Günther im 18. Jahrhundert erschaffen. Nach weiteren Stationen ging es in Richtung Obergrombach zum ältesten Wegkreuz, an der ehemaligen Gemarkungsgrenze. Hier finde man das einzige und schönste Kreuz, das aus einem ganzen Stein gehauen wurde. Es ist auch das Kreuz, welches am häufigsten von allen versetzt wurde. Bei Straßenbaumaßnahmen oder landschaftlichen Veränderungen kommt es vor, dass ein Wegkreuz einen neuen Platz benötigt und deshalb versetzt werden muss.
Kapellen und Kreuze
Nun ging es auf den Michaelsberg zum Heidelsheimer Kreuz, erbaut 1803, welches auf Obergrombacher Gemarkung steht. Wollte man in früherer Zeit von Weingarten nach Heidelsheim reisen, musste man über diesen Teil des Michaelsbergs laufen.
Auf dem Weg zur Michaelskapelle, sollte 1913 ein Kreuzweg entstehen, das Vorhaben wurde allerdings wegen des nahenden Weltkriegs und Geldmangel eingestellt. Eine Kapelle steht jedoch, die Schleifkapelle. Auf demselben Weg steht unterhalb ein Kapellchen, erbaut durch Familie Wolf, welche aus Dankbarkeit über den gesunden zweiten Sohn errichtet wurde.
Um 1879 wurde die Kapelle mit Pieta errichtet, die man heute in der Michaelsbergstraße 40 findet. Zigarrenfabrikant Rapp hatte sich dieser Kappelle um 1928 angenommen und die, schon zwei Mal versetzte Kappelle mit neuen Mauern auf seinem Grundstück aufgebaut.
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