08. Februar 2012

In Würde altern

Hinweise für Kranke und Behinderte

09.10.2009,

Als Gesunder einem Kranken oder Behinderten Ratschläge zu erteilen, macht wenig Sinn. Wohl aber erscheint es nützlich, Hinweise auf Möglichkeiten zu vermitteln; denn kaum jemand bleibt von den Schwächen des Alters, von Krankheiten oder Behinderungen verschont.

 

Zum notwendigen Grundwissen gehört die Einsicht in die besonderen Gegebenheiten der Altersmedizin: In der Regel leiden ältere Patienten gleichzeitig an mehreren Krankheiten. Das bedeutet für den Klinikarzt wie für den Hausarzt, nicht für jede einzelne Krankheit ein Medikament zu verordnen, sondern vielmehr nach einem Gesamtkonzept die „Pillenflut“ einzudämmen, weil sich das Medikament für die eine Krankheit durchaus schädlich auf eine andere Krankheit auswirken kann.

 

Vertrauen zum Arzt, verbunden mit dem Willen, gesund zu werden, ist deshalb oft der erste Schritt zur Besserung. In unserem Versicherungssystem hat jeder die freie Wahl des Arztes und des Krankenhauses. Nur im Fall der Not fährt der Notarztwagen jeweils das nächste Krankenhaus oder die nächste Spezialklinik an.

 

Angst abzubauen erreicht man am besten dadurch, dass man dem Arzt gegenüber wirklich offen seine Krankheit und seine eigene Begründung dafür erklärt und ihn darum bittet, seine Einschätzung und seine Behandlungsmethode und deren Konsequenz offen und allgemein verständlich zu erklären. Stellen Sie immer wieder Fragen und dann entscheiden Sie: Sie wechseln den Arzt oder aber Sie geben sich vertrauensvoll in seine Behandlung und folgen dann auch seinen Anordnungen.

 

Verpflichtung des Arztes ist es – vor allem bei Patienten mit schweren Krankheiten im Krankenhaus – ein Gesamtkonzept der Behandlung zu entwickeln und das auch verständlich dem Patienten zu erläutern. Dabei muss die körperliche und seelische Verfassung des Patienten genauso berücksichtigt werden, wie sein subjektives Befinden. Auch das soziale Umfeld, die Wohnverhältnisse und die wirtschaftliche Lage sind besonders dann von Bedeutung, wenn nach dem Krankenhausaufenthalt eine wirksame Rehabilitation eingeleitet wird. Sprechen Sie als Patient immer wieder offen darüber und dann: Haben Sie Vertrauen in die heutige Medizin.

 

Keinen Grund zur Resignation gibt es bei den heutigen Möglichkeiten der Medizin im Allgemeinen, beim heutigen Ausbildungsstand der Ärzte in Deutschland und der im Weltvergleich guten Organisation medizinischer Versorgung. Zwar wird auch künftig niemand seiner Todesstunde entgehen, aber selbst schwerste und nicht mehr heilbare Krankheiten können heute im normalen Verlauf gebremst und die Schmerzen für den Patienten erträglich abgemildert werden. Sehen wir doch die erfreuliche Tatsache, dass sich die Ärzte im allgemeinen nicht der 38-Stunden-Woche, sondern in erster Linie der Gesundung der Patienten verpflichtet fühlen.

 

Aufgabe des älteren Patienten bleibt es, dass er sich nicht nur „behandeln“ lässt, sondern seine ganze eigene Aktivität einsetzt, um das höchst erreichbare Maß an Selbständigkeit wieder zu erlangen. Achten Sie also selbst darauf, dass Sie in allen Lebenslagen zwar die bestmögliche medizinische Hilfe erhalten, aber andererseits: Nehmen Sie nicht mehr Hilfe und Pflege in Anspruch als zu einer möglichen Besserung nötig ist. Gutgemeinte, aber übertriebene Hilfe schränkt Ihren Willen zur Selbständigkeit unnötigerweise zu Ihrem eigenen Schaden ein.

 

Der Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit ist oft die Folge von physischen Erkrankungen: Herz und Kreislauferkrankungen gehören ebenso dazu wie Erkrankungen der Schilddrüse, der Leber und der Nieren usw. Das kann nur der Arzt feststellen, dem Sie sich frühzeitig anvertrauen sollten. Wichtig zu wissen ist es auch, dass die Aufnahme von zu wenig Flüssigkeit Hirnleistungsstörungen hervorrufen kann. Damit sich der Zustand wieder normalisieren kann, trinken Sie über den Tag verteilt ca. zwei Liter Flüssigkeit – außer Kaffee und Tee, da diese den Körper stark entwässern.

 

Gedächtnis und Konzentrationsstörung mit Begleiterscheinungen wie Schwindel, depressive Verstimmung, Ohrensausen und Kopfschmerzen können jedoch auch als eigene Krankheit, als Abbau der Hirnleistung vom Arzt erkannt und behandelt werden. Wichtig beim Auftreten solcher Anzeichen ist eine möglichst rasche Behandlung. Der geistige Abbau verläuft schleichend und kann zwar nicht geheilt werden, aber je früher die Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Aussichten, die Erkrankung zu lindern und ihr Fortschreiten aufzuhalten. Wer Freude daran hat, kann sich an den Bundesverband Gedächtnistraining wenden:

Bundesverband Gedächtnistraining

Bahnhofstraße 12

65510 Idstein

Tel.: 06126 50578-0

www.bv-gedaechtnistraining.de

 

Eigeninitiative beim Gehirntraining ist dabei besonders hilfreich; denn das Gehirn bleibt prinzipiell bis ins hohe Alter aufnahmebereit und lernfähig und nur steter und intensiver Gebrauch hält dieses Wunderwerk des Menschen als Krönung der Schöpfung intakt. Denksportübungen aller Art, Nutzen der Bildungsangebote in Volkshochschulen, Sprachkursen, Bridgespielen und vieles andere mehr, kann zu einer guten Gehirnfunktion wesentlich beitragen. Natürlich gehört auch dazu – wie auch bei allen körperlichen Krankheiten – vernünftige Ernährung und viel Bewegung an frischer Luft.



Deutscher Seniorenring e.V.
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