Mediziner pessimistisch:
Ärzte sehen medizinische Versorgung in Gefahr
31.08.2010, Die Ärzte in Baden-Württemberg beurteilen die künftige Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems pessimistischer als der Bundesdurchschnitt. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 400 Ärzten unterschiedlicher Fachrichtungen durch Kantar Health im Auftrag des BVMed - Bundesverband Medizintechnologie. Während die gegenwärtige Situation von der überwiegenden Mehrheit aller Befragten noch für gut befunden wird, befürchten 78 Prozent in den kommenden vier Jahren eine deutliche Verschlechterung der Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems. Mit 81 Prozent sind die Ärzte in Baden-Württemberg noch pessimistischer. Sie sehen damit die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems zunehmend in Gefahr.
Bereits die aktuelle Versorgungssituation weist nach Meinung aller Befragten deutliche Lücken auf: Nur 70 Prozent geben an, ihren Patienten immer die benötigten medizinischen Therapien anbieten zu können. Bei den baden-württembergischen Ärzten sind es lediglich 60 Prozent.
Um die Qualität der Patientenversorgung erhalten zu können, forderten die Befragten vor allem weniger Bürokratie (95 Prozent), bessere sektorenübergreifende Versorgungskonzepte (70 Prozent) sowie den stärkeren Einsatz innovativer Medizintechnologien (55 Prozent). Mehr als zwei Drittel aller befragten Ärzte messen medizintechnologischen Innovationen große Bedeutung bei, die Kardiologen sprachen sich sogar einstimmig für die Wichtigkeit von medizintechnologischen Innovationen für Ihre Tätigkeit aus.
Ein Drittel der deutschen Mediziner sieht jedoch eine deutliche Verschlechterung des Zugangs gesetzlich Versicherter zu innovativen medizintechnologischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren. Bei den baden-württembergischen Ärzten sind es sogar 44 Prozent. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer, in denen Ärzte befragt wurden.
BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt bewertete die Ergebnisse der Umfrage als klares Signal für die Notwendigkeit einer innovationsfreundlicheren Gesundheitspolitik: „Zur Verbesserung der Patientenversorgung müssen das Innovationsklima in Deutschland weiter optimiert, die bürokratischen Hürden verringert und die Wahlmöglichkeiten der Versicherten gestärkt werden.“
mb/BVMed