Schimmelpilz
Heizen und Lüften von Wohnräumen
14.03.2010, Physikalischer Hintergrund
Aus Gründen der Energieeinsparung wird heutzutage das Heizen und Lüften
drastisch gesenkt. Es muß jedoch bewußt sein, daß das richtige Heizen und Lüften
aus bauphysikalischen und hygienischen Gründen unumgänglich ist.
Durch den Aufenthalt von Menschen, Tieren und Pflanzen wird in Räumen eine
größere Menge von Wasserdampf (in der Luft befindliches, gasförmiges Wasser)
freigesetzt. Dieses Wasser ensteht z.B. durch:
• Atmen und Schwitzen
• Kochen, Backen, Geschirrspülen, Bügeln
• Duschen, Baden, Waschen
• Reinigungsarbeiten (feuchtes Wischen....)
• Gießen von Pflanzen, Aquarieren...
Durch das Heizen der Räume muß erreicht werden, daß dieser Wasserdampf wieder nach draußen gelangt, da die Raumseiten der Außenwände oft nicht ausreichend warm sind. Zu niedrige Raumtemperaturen ergeben zwangsläufig ein zu niedrige Oberflächentemperatur der Wände. Dies führt dazu, daß sich Tauwasser auf den kühlen Wänden bildet, welches Feuchteschäden und Schimmelpilzbildungen oftmals nach sich ziehen.
Durch feuchte Wände gelangt durchdie physikalische Veränderung der Wärmedämmeigenschaften mehr Wärme durch das Bauwerk (z.B. Wand – erhöhter Wärmefluß), wodurch an diesen Stellen eine weitere Senkung der Oberflächentemperatur festzustellen ist. Dadurch kondensiert wieder mehr Wasserdampf und die Feuchtigkeit schaukelt sich langsam auf.
Tipps zum richtigen Heizen und Lüften
• Alle Räume der Wohnung müssen ausreichend beheizt werden. In der
Regel sollte auf eine Raumtemperatur um ca. 20°C (Luftfeuchtigkeit unter
60%), in den Bädern o.ä. 24°C während der Nutung geachtet werden.
• Die Luftfeuchtigkeit sollte 60-70 % nicht übersteigen, da bei 100 % die
Luft entsprechen ihrer Temperatur mit Wasserdampf aufnehmen kann. Es
kommt zwangsläufig zu Tauwasserausfall an kälteren Oberflächen (z.B.
Fenstern, Innenecken...)
• Sind Fensterscheiben beschlagen, so kann in der Regel davon ausgegangen
werden, daß die relative Luftfeuchtigkeit zu hoch ist und entsprechend
gelüftet werden muß.
• Räume, die deutlich kälter sind als der Rest der Wohnung (ungenutztes
Arbeitszimmer, Abstellkammer, Schlafzimmer, ungenutzte Gästezimmer...),
dürfen nicht durch offene Türen von anderen Räumen her mit beheizt
werden. Durch die offene Türen gelangt zwar wärmere, aber auch Luft mit
mehr absoluter Luftfeuchtigkeit in die kälteren Räume. Die wärmere Luft
kühlt ab und es fällt an den kälteren Flächen Tauwasser aus.
• Das Lüften soll am besten über das sogenannte Stoßlüften erfolgen. Auf
diese Weise werden auch die Energieverluste weitgehend eingeschränkt.
Mit der Stoßlüftung soll erreicht werden, daß die Raumluft möglichst
schnell und vollständig gegen Außenluft ausgetauscht wird, ohne daß sich
dabei Umfassungsflächen (Wände, Decken, Boden) wesentlich verringern.
Eine Stoßlüftung erreicht man dadurch, daß man kurzzeitig alle Fenster und Türen
weit öffnet, so daß ein Durchzug (Querlüftung) stattfinden kann. Die Lüftung sollte im Winter mind. 3 – 5 Minuten, im Sommer wesentlich länger betragen und mehrmals täglich gemacht werden. In dieser Zeit sollten natürlich die Heizkörper geschlossen sein.
• Das sogenannte Dauerlüften durch Kippen der Fenster ist in den
kühleren oder kalten Jahreszeiten denkbar ungeeignet, da eine relativ
geringere Luftmenge im Verhältnis in den Raum gelangt, dafür jedoch
der Fenstersturz auskühlt, wo wieder Wasserdampf kondensieren kann.
Ferner schränken vorhandene Vorhänge o.ä. das Lüften erheblich oder
ganz ein.
• Nach Möglichkeit sollten keine Möbel direkt an die Außenwände,
besonders nicht in Außenwandecken gestellt werden, da zwar Raumluft
hinter die Schränke zirkuliert, jedoch dort aufgrund erheblich
niedrigeren Temperaturen das Wasserdampf kondensiert. Es sollte
mindestens ein Abstand von 5 cm behalten werden, sofern die
Schränke von der Seite her nicht durch die Wand eingefaßt sind (dann
entsprechend mehr).
• In Neubauten ist zu beachten, daß anfangs Wände und Decken, je
nach Bauweise, erhebliche Feuchtigkeitsmengen haben, welche nur
langsam durch richtiges Heizen und Lüften abnimmt. Es empfiehlt sich
daher in den ersten Jahren verstärkt zu lüften und die Schränke etwas
weiter von den Außenwänden wegzustellen.
Schimmelbildung und deren Beseitigung
Ist einmal Schimmel entstanden, es handelt sich hier meist um den Schwarzschimmel, kann nur durch gründliches Vorgehen eine Beseitigung erfolgen. Zunächst ist zum Schimmel zu sagen, daß er nur dort wächst, wo er entsprechende Bedingungen vorfindet. Diese sind neben Feuchtigkeit auch Nährstoffe,
welche er überwiegend in organischen Materialien findet. Ideale Nährböden für den Schimmelpilz sind im Wohnungsbereich u.a. Tapetenkleister sowie Rauhfaser- und Papiertapeten; ferner Holz und verschiedene Dichtstoffe.
Findet der Schimmel geeignete Nährgrundlagen, beginnt er zu wachsen. Schimmelsporen, die Keimebilden, sind ständig in der Luft vorhanden. Anfangs ist der Schimmel kaum erkennbar. Dieser breitet sich jedoch entsprechend der Feuchtigkeit und des Nährbodens u.U. schnell aus und kann sich auf
bis zu mehrerer m²- große Flächen erstrecken.
Da wie bei der Behandlung von Krankheiten erst die Ursache für das Leiden behandelt werden muß, ist auch hier entsprechend vorzugehen. Als Erstes muß die eigene Heizungs- und Lüftungsgewohnheit überprüft und eventuell verändert werden. Ist der Schimmel durch falsche Heiz- und/oder Lüftungs-Gewohnheiten entstanden, so muß die Fläche erst durch richtiges Heizen/Lüften entsprechend
ausgetrocknet werden. Spätestens jetzt sollte der Fachmann hinzugezogen werden, damit er beurteilen kann, ob eventuell eine Wärmebrücke vorhanden ist, oder der Schimmelbefall schon so stark ist, daß u.U. die befallene Putzfläche entfernt werden sollte. Kleinere Flächen können meist durch trockenes entfernen des oberflächlichen Schimmelsporenbefalls und mehrmaliges einstreichen
von Schimmelstop (chemische Keule) oder, ein altes Hausmittel: Essigessenz, behandelt werden.
Aber Vorsicht! Astmatische erkrankte Personen haben möglicherweise Probleme mit den Schimmelsporen und sollten den Bereich meiden!
Autor: Michael Holzwarth - Der Fassadendoktor, Ubstadt-Weiher
Foto: (c) Kurt Michel / PIXELIO