Ehemaliges Schießhaus
"Schöne Aussichten" - das Bruchsaler Belvedere
26.08.2010, Bruchsal - Vom Schloss zum Belvedere sind es nur wenige Minuten - mitten im idyllisch gelegenen Stadtgarten steht das barocke Kleinod.
Seit einigen Jahren werden rund um das Schloss Bruchsal und seine Geschichte Führungen durch die Kunsthistorikerin Kiriakoula Damoulakis angeboten. Vom Treffpunkt am Schloss geht es mit einigen kurzen Stationen zu den Sehenswürdigkeiten, die Interessierte aus Bruchsal und Besucher aus dem Umland anlockt.
Am vergangenen Samstag bot die Kunsthistorikerin einen Spaziergang zum Stadtgarten an und erläuterte die von Balthasar Neuman festgehaltene historische Wasserversorgung. An deren Verlauf kann man heute noch die markanten Brunnen sehen. Entlang dieser Linie verlief die Führung. Am „Schneckenbrunnen“, den Amalienbrunnen, der an die Gräfin Amalie die „Schwiegermutter Europas“ erinnert, vorbei zum Wasserschloss, das um 1750 das große Reservebecken zur Bewässerung des Schlossgarten und seinen Fontänen beherbergte zum Belvedere. Heute beherbergt das Wasserschloss das älteste Gymnasium Baden-Württembergs, das Schönborngymnasium.
Am Belvedere
Unter Einbeziehung der Besucher erläuterte Damoulakis anschaulich den Zweck des Gebäudes, welches 1758 unter Fürstbischof Franz Christoph von Hutten auf dem Steinsberg errichtet wurde. Zum damaligen Zeitpunkt war der heutige Stadtgarten ausschließlich den Bewohnern des Schlosses vorbehalten, als Ruheort zur Erholung und zum Rückzug vom geschäftigen Treiben im Schloss. Zur Belustigen der Gesellschaften fanden im ummauerten Bereich die sogenannte eingestellte Jagd statt. Edle Wildtiere wurden aus dem Stadtgarten in diesen Bereich getrieben, und die Jagdgesellschaft, die unter einem Zelt in der Mitte des Areals saß, schoss die gehetzten Tiere ab. Damit die Damengesellschaft dem Treiben zuschauen konnte wurden regelmäßig Tribünen errichtet, was aber umständlich war und den Besuchern auch nicht den nötigen Komfort bot.
Sommerarchitektur
So wurde das Schießhaus, das heute Belvedere genannt wird, als Zuschauerraum erbaut. Hier konnte nun die illustre Gesellschaft dem Treiben auf dem Platz zusehen, sich am Buffet stärken und die schöne Aussicht auf das Schloss und die Stadt genießen. Umrahmt von den chinesisch anmutenden Baldachinen die nach der damaligen Chinamode errichtet wurden, wurden die Damen vor Sonneeinstrahlungen geschützt.
Die Kunsthistorikerin verwies auf die barocken Elemente, die sich auch in einem kleinen Teil des Stadtgartens widerspiegeln. Dabei ging sie auf die aufwändige Restaurierung im Jahr 2003 ein.
Schöne Aussicht
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das gesamte Areal von der Stadt Bruchsal gekauft und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Bruchsaler fanden es dort oben so schön, dass sich prompt der Name „Belvedere“ (itl. schöne Aussicht) für das ehemalige Schießhaus einbürgerte.
Amüsant und lehrreich sind die Führungen durch Kiriakoula Damoulakis. So erhält man Einblicke in das höfische Leben, die wie Bilder vor dem geistigen Auge ablaufen.
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Schloss BruchsalFührung: Schloss Bruchsal und Belvedere - So., 05.09.2010 / 15:00 Uhr