23. Mai 2012

„1000 Leben retten“

Engagement der Stadt im Kampf gegen Darmkrebs

15.04.2010, Wiesloch - Darmkrebs ist die häufigste Krebserkrankung und die zweithäufigste Krebstodesursache in Deutschland. Jährlich erkranken rund 73.000 Menschen neu und rund 26.000 sterben an den Folgen, das bedeutet drei Mal mehr als Todesfälle im Straßenverkehr. Bezogen auf die Metropolregion Rhein-Neckar bedeutet dies rund 2.000 Neuerkrankungen und über 750 Todesfälle pro Jahr.

Die Stadt Wiesloch führt in Kooperation mit dem Gesundheitsraum Wiesloch-Walldorf e.V., gewiewa e.V., eine kommunale Präventionsmaßnahme zur Darmkrebsvorsorge durch. Bei dieser Aktion werden alle Wieslocher Bürgerinnen und Bürger ab dem 45. Lebensjahr einen persönlichen Brief von OB Schaidhammer erhalten, der zum Selbsttest auffordert. Die Weinstadt schließt sich damit auf kommunaler Ebene dem Projekt „1000 Leben retten“, das ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung „Lebensblicke“, der Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar e.V., dem Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck e.V. sowie dem Bundesverband mittelständischer Wirtschaft ist, und im November 2009 gegründet wurde.

60 Unternehmen machen mit
In Anwesenheit von Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, OB Franz Schaidhammer und Dr. Holger Bergdolt, gewiewa e.V., wurden Einzelheiten zur Aktion erläutert. Die teilnehmenden Unternehmen u.a. REWE, MLP, Bücher Dörner, Stadt Wiesloch (insgesamt mehr als 60 Unternehmen), bieten ihren Mitarbeitern eine kostenlose Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchung durch Selbsttest und Stuhlbluttest an. „Da wir nicht nur unser Personal, sondern auch alle Bürgerinnen und Bürger ab dem 45. Lebensjahr ansprechen möchten, messen wir dieser Aktion eine solche große Bedeutung zu“, so OB Schaidhammer. Die Teilnahme bleibt für alle absolut anonym, niemand muss Angst haben, dass der Chef oder die Kollegen etwas mitbekommen von einem möglicherweise positiven Testergebnis.

Selbsttest
Dem Brief von OB Schaidhammer wird ein einfacher Selbsttest zur Einschätzung des persönlichen Darmkrebs-Risikos beigelegt. Aus diesem kann der Ausfüllende erkennen, was er am Besten als nächsten Schritt tun sollte. Entweder es besteht momentan kein Handlungsbedarf oder es wird ein Stuhlbluttest empfohlen oder dem Ausfüllenden wird eine Darmspiegelung nahe gelegt. „Auch ich habe gerade eine Vorsorgedarmspiegelung durchführen lassen. Dank einer kurzen „Schlafnarkose“ habe ich von der Untersuchung gar nichts gespürt, aber jetzt die Sicherheit, nicht gefährdet zu sein“, so OB Franz Schaidhammer.

Wird ein Stuhltest empfohlen, kann der beigefügte Gutschein zur „Anforderung eines Stuhlprobenröhrchens für die Bestimmung von Okkultblut“ (unsichtbares Blut) ausgefüllt und an die gewiewa e.V. geschickt werden. Diese leitet den Gutschein an ein Speziallabor weiter, von dem die Bürgerinnen und Bürger dann das Test-Set erhalten. „Die Kosten für den Test, dessen Zusendung und Auswertung werden für die Bürgerinnen und Bürger übernommen, dafür sind wir Herrn Dr. Lautenschläger sehr dankbar“.

Appell
Dr. Manfred Lautenschläger, der gemeinsam mit Dr. Eva Lohse die Schirmherrschaft von 1000 Leben retten übernommen hat, weiß aus eigener Erfahrung wie tückisch diese Krankheit sein kann, denn sein Vater und ein sehr guter Freund verstarben an Darmkrebs. „Diese Aktion ist eine wichtige Schnittstelle zur Erkennung von Darmkrebs, wird er rechtzeitig und im Frühstadium erkannt, ist er bis zu 100 % heilbar. Für das Auto gibt es einen TÜV, der immer wieder erneuert werden muss, für den Menschen bedauerlicherweise nicht. Aus diesem Grund appelliere ich an die Bürgerinnen und Bürger von Wiesloch daran teilzunehmen. Ohne Anlass eine Vorsorgeuntersuchung durchführen zu lassen, ist für viele Menschen fremd, aber gerade bei Darmkrebs ist Vorsorge umso wichtiger, denn treten erste Symptome auf, ist es oftmals schon im fortgeschrittenen Stadium“, so Dr. Manfred Lautenschläger. Auch wünscht er sich, dass sich viele weitere Unternehmen und Kommunen der Aktion anschließen und somit Menschenleben gerettet werden können.

Aktuelles Beispiel
Diesen Worten schloss sich Dr. Holger Bergdolt an, der bestätigte, dass Vorsorgeuntersuchungen heute wichtiger denn je sind. An einem aktuellen Beispiel einer jungen Frau, deren Mutter mit 62 Jahren an Darmkrebs verstarb, verdeutlichte Dr. Bergdolt die Wichtigkeit einer Darmspiegelung. Hierbei wurde bei der 42-jährigen ein kleiner Polyp entdeckt, der noch während der Untersuchung vollständig entfernt werden konnte und sich nach der feingeweblichen Untersuchung als Carcinom herausstellte. OB Franz Schaidhammer, Dr. h.c. Manfred Lautenschläger und Dr. Holger Bergdolt hoffen, dass sich viele Bürger und Bürgerinnen beteiligen und dadurch prozentual auf Wiesloch bezogen 20 Menschenleben gerettet werden können.

Weitere Informationen finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten.

chs/Foto: KHP
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