08. Februar 2012

Obergrombach: Kräutersammlung

Die Wirksamkeit von Eisenkraut, Scharfgarbe & Co.

23.08.2010, Bruchsal - Einer der schönsten alten Bräuche ist es, anlässlich Mariä Himmelfahrt am 15. August durch die Natur zu wandern, um einen Werzwisch Strauss zu sammeln und von einem Priester in der Kirche weihen zu lassen. Dieser traditionelle Heilkräuterstrauch, den es in verschiedenen und regional unterschiedlichen Varianten, sowie fünf unterschiedlichen Größen gibt, schützt Mensch und Tier nicht nur vor Krankheiten, sondern auch vor anderen Gefahren. „Es müssen immer sieben Kräuter sein, aber man kennt auch die 9er, 12er, 15 er und 19er Buschen. Es gab auch Buschen mit 77 verschiedenen Kräutern, aber immer mit einer vorgeschriebenen magischen Zahl“ ( Zitat : Dr. Franz Jung, Pfr. , Bistum Speyer )  
Der Cäcilienverein in Obergrombach hat auch in diesem Jahr eine solche Wanderung angeboten und wieder einmal regen Zuspruch erhalten, denn weit über 20 Männer und Frauen machten sich, ausgerüstet mit Körben und Scheren auf den Weg.

Unter der fachkundigen Führung von Ellen Wolf ging es bei sehr angenehmen Temperaturen in die schöne Natur rund um Obergrombach.  
Zu jeder der gesammelten Pflanzen gab es fundiertes Hintergrundwissen hinsichtlich seiner Heilkraft und der Zubereitung und so manches als Unkraut angesehenes Pflänzchen erschien in einem neuen Licht.

So dient der Spitzwegerich gegen Katarrhe der Luftwege oder Entzündungen in Mund und Rachen. Zudem kann man ihn äußerlich bei Insektenstichen und Neurodermitis, sonstigen Entzündungen oder kleinen Wunden als natürliches Antibiotikum anwenden. Für Teeaufgüsse wird das ganze Kraut getrocknet und für einen Spitzwegerichsaft presst man die frischen Blätter aus.

Eine weitere aber recht unscheinbare Pflanze ist der gemeine Beifuss aus der Familie der Korbblütler. Diese Gewürzpflanze wird bei zu fetten und schweren Fleischgerichten eingesetzt, da ihre Bitterstoffe die Bildung von Magensaft und Gallenflüssigkeit unterstützt. Im Mittelalter galt der Beifuss als sehr wirksames Mittel der Hexerei und war Bestandteil vieler magischer Rezepturen. Sogar gegen Blitze und Seuchen wurde er, kopfüber am Dachfirst hängend, eingesetzt.
Das Johanniskraut ist wohl den meisten ein Begriff, wenn es sich um leichte Depressionen handelt, denn hier findet die Pflanze als Tee oder Tinktur ihre Anwendung oder lässt sich als Ansatzschnaps bei Einschlafstörungen einsetzen. Als Einreibemittel bei Gicht und Rheuma, sowie Blutergüssen und Gürtelrose wird das Johanniskraut zu einem sogenannten Rotöl verarbeitet. Zwei Monate lang werden die Blüten in kaltgepressten Olivenöl oder Sonnenblumenöl eingelegt, in die Sonne gestellt und gelegentlich geschüttelt.

Die Holunderbeere ist durchaus als Multitalent zu sehen, denn nicht nur in der Küche hat sie bei Speisen und Getränken ihren Platz, sondern spielt auch in der Volksmedizin ihre ganz spezielle Rolle. Ein Mus der Holunderbeeren hilft effektiv bei Husten, Erkältungskrankheiten und stärkt das Immunsystem und der Saft dieser dunklen Beeren diente bereits seit der Steinzeit als probates Abführmittel. Zu beachten ist hier allerdings, dass die Beeren nicht roh gegessen werden sollten.

Der Abschluss dieser sehr interessanten Wanderung war eine Verkostung mit Blütenbutter und Kräuterfrischkäse, der gelungene kulinarische Beweis, dass manche Kräuter und Blüten nicht nur schön aussehen, sondern auch dem Gaumen schmeicheln.


af
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