Hilfe für Haiti wird konkret
Gemeinderat: 57.000 Euro für zwei Wohnbauprojekte
01.08.2010, Walldorf - Zunächst die immer noch herrschende akute Wohnungsnot zu lindern - darauf hat sich der Walldorfer Gemeinderat in einem ersten Schritt der Hilfe für Haiti geeinigt. Insgesamt hatte der Gemeinderat schon kurz nach dem Erdbeben beschlossen, insgesamt 250.000 Euro für die Haiti-Hilfe zur Verfügung zu stellen. In seiner Sitzung am 13. Juli verständigte sich das Gremium darauf, zunächst zwei Wohnungsbauprojekte mit insgesamt 57.000 Euro zu unterstützen. Diese werden vom Wolfacher Verein „“Pwojè men kontre“ und der Diakonie-Katastrophenhilfe durchgeführt. Ende des Jahres soll über die Verwendung der Restsumme von knapp 200.000 Euro entschieden werden, vorstellbar ist eventuell ein nachhaltiges landwirtschaftliches Projekt.
Erfahrene Partner
Der von der Stadt Walldorf ins Leben gerufene Arbeitskreis, der schon kurz nach der Erdbebenkatastrophe gebildet wurde, die Haiti im Januar dieses Jahres getroffen hatte, prüfte zehn Projektvorschläge geprüft, von denen er zwei dem Gemeinderat nun vorschlug. Vertreter von „Pwojè men kontre“ und der Diakonie hatten ihre Vorhaben im Arbeitskreis persönlich vorgestellt. Dem Arbeitskreis, dem sowohl Mitglieder aller Gemeinderatsfraktionen als auch Vertreterinnen Walldorfer Hilfsorganisationen angehören, war besonders an nachhaltigen und zukunftsfähigen Projekten gelegen, an der Kompetenz der Partner vor Ort, an einer effizienten Organisation und der „Abgrenzbarkeit und Rückverfolgbarkeit“ der Projekte, wie nachzulesen war.
Wiederaufbau stützen
Wie Kämmerer Stefan Weisbrod dem Gemeinderat berichten konnte, verfügen beide Hilfsorganisationen über weitreichende Erfahrungen auf Haiti. Der Wolfacher Verein, dessen Name aus dem Kreolischen stammt und „helfende Hände“ bedeutet, ist seit mehr als zwanzig Jahren in der Entwicklungshilfe auf Haiti aktiv. Das Engagement konzentriere sich, so Weisbrod, auf die Bergregion um das Dorf Beaumont, rund 160 Kilometer westlich von Port-au-Prince, der Hauptstadt Haitis. Der Verein betreibe dort ein Waisenhaus für rund siebzig Kinder und eine Primarschule mit 180 Schülerinnen und Schülern. Auch in medizinischen Projekten, unter anderem der „mobilen Kleinklinik“, seien die helfenden Hände engagiert. Für die wohnungslosen Flüchtlinge aus der Hauptstadtregion wolle der Wolfacher Verein zunächst vor allem Wohnraum schaffen, erklärte Weisbrod. Der Verein plane, zwei bis drei Wohneinheiten mit jeweils vier Zwei-Zimmer-Wohnungen zu bauen, in denen obdachlos gewordene Familien Zuflucht finden könnten. Die Kosten für vier Wohneinheiten beliefen sich auf 32.000 Euro, also pro Wohnung auf 8.000 Euro. Zentral sei eine Küche und sanitäre Versorgung für je vier Wohnungen vorgesehen. Während der Wolfacher Verein die Häuser in „Massivbauweise“ – wenn auch nicht mit hiesigen Standard vergleichbar – plane, setze die Diakonie-Katastrophenhilfe auf einfache Wohnunterkünfte in Holzständerbauweise – dies im Rahmen ihres „1.800-Häuser-Programms“. Die Diakonie konzentriere sich dabei auf den Süden Haitis in den Orten Jacmel und Bainet. Jedes Haus koste rund 2.500 Euro, so Weisbrod.
Landwirtschaft stärken
Der Gemeinderat begrüßte die Wiederaufbauprojekte beider Organisationen und stimmte zu, dem Wolfacher Verein 32.000 Euro zur Verfügung zu stellen und der Diakonie-Katastrophenhilfe 25.000 Euro. Ursprünglich waren für die Diakonie 18.000 Euro vorgesehen gewesen, die jedoch auf Antrag von Stadträtin Hannelore Blattmann (CDU) auf 25.000 Euro erhöht wurden, damit insgesamt zehn Holzhäuser gebaut werden können. Ende des Jahres wird der Gemeinderat darüber entscheiden, welches nachhaltige landwirtschaftliche Projekt gefördert werdem soll.
Das Foto zeigt eine Wohneinheit des Vereins „Pwojè men kontre“ mit vier Wohnungen. Walldorf sorgt dafür, dass das Kontingent aufgestockt werden kann.
PI/Foto: Pwojè men kontre