Auf Salieri-Entdeckungsreise
Musiktage 2010 bieten viel „Unerhörtes“
22.08.2010, Walldorf - Ein Musikfestival zu Ehren Antonio Salieris – das hat immer noch Seltenheitscharakter. Die Walldorfer Musiktage 2010 vom 27. September bis 10. Oktober laden zu einer Entdeckungsreise ein und Timo Jouko Herrmann, der künstlerische Leiter der Musiktage, ist davon überzeugt, dass sich diese musikalische Reise lohnt.
Das Interesse an Salieri entfachte bei Timo Jouko Herrmann, der aus Walldorf stammt und hier lebt, Miloš Formans Film „Amadeus“. Da Salieris Musik in dem Film kaum zu hören war, machte sich Herrmann auf die Suche und kaufte sich Partituren, alte Drucke, Schallplatten und CD-Aufnahmen. Sein Weg führte ihn im Laufe der Jahre, als er bereits Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim studierte, immer öfter in die Österreichische Nationalbibliothek in Wien, wo die meisten von Salieris Werken im Original, das heißt in Salieris Handschrift liegen. Wahrscheinlich könnte man besser sagen, sie „schlummerten“ dort, bis Herrmann kam.
Mit großer Entdeckerlust und detektivischem Spürsinn machte er sich daran, wie er berichtet, die Handschriften zu transkribieren und damit das Notenmaterial zugänglich zu machen. Bei seinen Recherchen stieß er unter anderem auf eine verschollen geglaubte Ballettpantomime und auf den ebenfalls verloren geglaubten zweiten Satz des Orgelkonzerts aus dem Jahr 1773, das in Walldorf zu hören sein wird. In Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Dirigenten Thomas Fey, der mit den Heidelberger Sinfonikern bereits in Walldorf gastierte, erarbeitet Herrmann eine Salieri-Reihe, deren erste CD bereits bei Hänssler-Classic erschienen ist. Hier sind Welterstaufnahmen zu hören. Fey und Herrmann wollen Salieris Musik, die einst regelrecht vergöttert wurde, wieder im Konzertsaal etablieren. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts geriet Salieris Musik zunehmend in Vergessenheit. Dies völlig zu Unrecht, so Herrmann, denn Salieris Bühnenwerke, von denen Ausschnitte bei der Festlichen Operngala in Walldorf zu hören sein werden, hätten lange als Musterbeispiele musikdramatischer Kunst gegolten. „Diese Musik wieder zum Leben zu erwecken, bereitet mir große Freude“, erklärt Herrmann. Dass ihm dies bereits erfolgreich gelungen ist, bestätigen die Kritiker, die den „Schlüssel zu Salieris Werk“ bei Herrmann in guten Händen wissen. Auch die begeisterten Musiker und vor allem das Publikum, das schon in den Genuss dieser Musik gekommen ist, zeigen Herrmann, dass seine akribische Arbeit sich lohnt.
Wer Salieri in Walldorf wiederentdecken möchte, hat dazu schon in wenigen Wochen die beste Gelegenheit. Am 27. September wird der vielzitierte Film „Amadeus“ sicherlich bei seinen Zuschauern auch die Lust auf mehr „Antonio“ als „Amadeus“ entfachen. Der Kartenvorverkauf läuft bereits.
Details und die einzelnen Veranstaltungen der Walldorfer Musiktage finden Sie unter unten stehenden Link.
Ebenso finden Sie den Link zu einem Video-Interview mit Timo Jouko Herrmann.
Das Bild zeigt Timo Jouko Herrmann, der künstlerische Leiter der „Walldorfer Musiktage“ - er wird die festliche Operngala am 10. Oktober dirigieren.
zg/Foto: privat
2. Walldorfer MusiktageAnkündigung der Walldorfer Musiktage 2010