Radeln mit dem OB
Zu Gast bei Dachsenfranz und Bauernprophet
31.08.2010, Wiesloch - „Die Strecke ist mit einigen Steigungen verbunden. Es kann auch geschoben werden.“ Diese freundliche Anregung in der Begleitmappe zur diesjährigen Tour, nahmen sich doch einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Radel-Aktion mit Oberbürgermeister Franz Schaidhammer zu Herzen und schoben ihre Räder den einen oder anderen Kraichgau- Hügel hinauf. An die 100 tapfern Männer und Frauen hatten sich für die abwechslungsreiche und anspruchsvolle Strecke von Wiesloch, über Dielheim, Baiertal, Schatthausen nach Zuzenhausen bei der Stadtverwaltung Wiesloch angemeldet. Bereits zum 20. Mal, aber auch zum letzten Mal, da er im Januar in den Ruhestand geht, organisierte Hauptamtsleiter Engelbert Keller, diese beliebte Ferienspaßaktion.
Traditionell war hier, im Gegensatz zu den anderen Ferienspaßaktionen für Kinder und Jugendliche, wieder das „ältere Semester“ stark vertreten. Was der Dynamik der Veranstaltung aber keinen Abbruch tat. Fit und agil erklommen alle die Hügel und legten so an 50 Kilometer Radstrecke zurück. Bei bestem Sommerwetter, das bei der momentanen Wetterlage ja nicht selbstverständlich ist, führte Tourleiter Hans Rensch in gewohnt souveräner Art seine Radler-Schar durch Wald und Flur. Von 9 bis 17 Uhr, rechtzeitig vor Beginn des Regens, war man per Pedes im Kraichgau unterwegs. Dieses Jahr waren übrigens vier Liegeräder und an die zehn Elektrofahrräder mit von der Partie. Aber auch diese wurden, wie alle anderen Räder, fachmännisch betreut durch Peter Brand.
Die erste Station war das Hochwasserrückhaltebecken Dielheim- Baiertal. Das Hochwasserrückhaltebecken liegt zwischen Dielheim und Baiertal. Es hat ein Rückhaltevolumen von 130.000 m³ bei einer Dammlänge von 612 m. Im November 2007 wurde das Becken in Betrieb genommen. Es hat 2,1 Millionen Euro gekostet von denen 70% vom Land Baden-Württemberg gefördert wurden. Hier erwartete die Radler eine Erfrischung und eine kleine Einführung in die Arbeit des Abwasser- und Hochwasserschutzverbandes Wiesloch und die Funktionen des Rückhaltebeckens im Speziellen.
Vorgestellt wurde die Baumaßnahme durch Geschäftsführer Dr. Ralph Kubat. „Wir sind für ein 100-jähriges Hochwasser gerüstet, wie es uns alle im Jahr 2002, die Oderflut, für dieses Thema sensibilisierte“ so Kubat. Das Rückhaltebecken gehört zu den umfassenden Maßnahmen zum Hochwasserschutz, die Wiesloch und die Umlandkommunen gemeinsam anstreben.
Nach diesem Informationsstopp ging es weiter über Baiertal und Schatthausen durch den Wald, über die Kälberer Hütte Richtung Brauereigasthof Adler „Dachsenfranz“ in Zuzenhausen. Hier machte die große Gruppe einen Rundgang durch das gepflegte Dorf bevor man dann ein leckeres Mittagessen im Gasthaus der Adler Brauerei genoss. Zum gemeinsamen Essen dazu, stießen auch der Bürgermeister von Zuzenhausen Dieter Steinbrenner und der Besitzer der Adlerbrauerei Wilhelm Werner.
Es dreht sich fast alles um den „Dachsenfranz“ in der Adler Brauerei, diese faszinierende und legendäre Gestalt aus der Historie. Diese Figur bestimmt mit Ihrer Lebensphilosophie das Denken und Handeln des Unternehmens. „Der Dachsenfranz hieß mit richtigen Namen Francesco Regali. 1840 in Mailand geboren und getauft, nahm er als junger Bursche 1866 am Krieg des italienischen Freiheitskämpfers Garibaldi teil“, berichtet der heutige Besitzer der Adler Brauerei Wilhelm Werner. Nachdem er einen despotischen Vorgesetzten niederstreckte, musste Francesco fliehen. Er wurde verfolgt und verwundet. Noch im hohen Alter waren die Narben zu erkennen. Als exzellenter Reiter und weil er sich in den Bergen gut auskannte, konnte er seinen Häschern entkommen. Seine jahrelange Flucht führte den Dachsenfranz, wie er später genannt wurde, über die Schweiz, Österreich, den Bayrischen Wald und das Fichtel- und Erzgebirge in die Wälder des Kraichgaus, des vorderen Odenwalds und an die Bergstraße. Er lebte im Wald in selbstgebauten Erdhöhlen, die er mit Fellen auslegte. Sein Bett bestand aus einer Schütte Laub. Zwei Hunde waren seine stetigen Begleiter. Kaum jemand aus der Region wird das „Dachsenfranz“-Bier nicht kennen.
Dieter Steinbrenner freute sich besonders, dass solch eine große Gästeschar aus Wiesloch ins „kleine Zuzenhausen“ gekommen war und berichtete gerne ein wenig aus dem Leben der Gemeinde. 1232 Jahre alt ist die Gemeinde Zuzenhausen, 2200 Einwohner leben auf einer Fläche von 1165 Hekta. Traditionsunternehmen wie die Adler-Brauerei“ und die berühmte Bäckerei der Mühle „Mühlenbäcker“ locken immer wieder Gäste aus nah und fern. Durch das Sportzentrums der TSG 1899 Hoffenheim mit dem von Dietmar Hopp geförderten Jugendstützpunkt „Anpfiff ins Leben“ spielt Zuzenhausen auch in sportlicher Hinsicht mit. Nach dem Essen konnte die Gruppe dann noch einen Stopp bei der neuen Kinderbetreuungseinrichtung „Kinderreich“ einlegen. Bei einem exklusiven Rundgang konnten sich alle ein schönes Bild moderner Kindertagesstätten verschaffen. Für den Nachhause Weg wurde die Strecke entlang der Elsenz über Meckesheim und die Aussiedlerhöfe gewählt, über Schatthausen ging es dann nach Maisbach wo zum Abschluss der „Bauernprophet“ besucht wurde. In den Schreckenszeiten Napoleons machte ein Maisbacher von sich reden, ein Gottesmann aus dem Dörfchen 3 km östlich von Nußloch, früher "Maisbacher Hof" genannt. Hier lebte Johann Adam Müller, ein Meckesheimer, der nach seiner Heirat nach Maisbach gekommen war und dessen prophetische Gaben im Europa der napoleonischen Zeit weithin bekannt wurden. Seine Geschichte wurde von der Heidelberger Schriftstellerin lrma von Drygalski in einem Roman niedergeschrieben. Außerdem ist nach Müller seit 1986 der Dorfplatz von Maisbach in Johann-Adam-Müller-Platz umbenannt. Gerhard Rensch, Bruder des Tourleiters Hans Rensch, berichtete anschaulich von diesem besonderen Mann, den er als Darsteller in vielen Aufführungen selbst verkörpert hatte. Eine letzte Etappe, die aber meist schiebend zurückgelegt wurden, brachte die Gruppe durch ein steiles Waldstück nach Nußloch bevor man dann den Heimweg nach Wiesloch antrat. In Langens Turmstuben wurde dann der gebührende Abschluss begangen. Hier konnte auch die Verlosung der 10 Gutscheine, gesponsert von „Peter Brand“ und die Ehrung der ältesten Teilnehmer Gotthelf Kern und Else Frey erfolgen.
Eine Bildergalerie von der Radaktion finden Sie unter dem unten stehenden Link.
zg
Radlaktion in Wiesloch