07.05.2012, Walldorf - Das Museum der Vereinigung Walldorfer Heimatfreunde e.V. ist seit 1970 im historischen Astorhaus, in der Johann-Jakob-Astor-Straße untergebracht. Die Astor-Stiftung, wie auch jetzt die Stadt Walldorf, überließ großzügigerweise dem Verein die Räumlichkeiten, um die heimatkundliche Sammlung zu präsentieren. Die reichhaltigen Exponate, Zeugnisse der Vergangenheit, wurden seit Gründung des Vereins im Jahr 1965 zusammengetragen und bieten Einblicke in die Dorf- und Stadtgeschichte. In der Aufgabenstellung des Museums steht Walldorf im Interessenmittelpunkt, doch greift diese bewusst über die Stadt hinaus. Die jährlichen Sonderausstellungen tragen zur Attraktivität des Museums bei und bereichern die lokale Kulturszene.
Das Astorhaus
Das Astorhaus, beziehungsweise das Gebäude der Astor-Stiftung, wurde im Jahr 1854 feierlich eingeweiht. Johann Jakob Astor (1763-1848), der berühmte Sohn Das Astorhaus im Mai 2005Walldorfs, erwirtschaftete in den Vereinigten Staaten von Amerika ein riesiges Vermögen. Er verfügte testamentarisch mit einer 50.000 Dollar-Spende die Gründung einer Stiftung bzw. den Bau eines Armen- und Waisenhauses. Unter der Federführung von Johann Hinrich Wichern wurde eine Stiftung gegründet und das eindrucksvolle Bauwerk konzipiert. Den Plan fertigte der Weinbrenner-Schüler Ludwig Lehndorff aus Heidelberg. Das großzügig angelegte Haus ist fast durchweg aus gehauenem rotem Sandstein aus dem Neckartal und Keupersandstein Das Astorhaus mit der Astor-Büste aus Mühlbach bei Eppingen errichtet. Nach einer wechselvollen Geschichte erwarb 1985 die Stadt Walldorf das Grundstück. Mit dem Verkaufserlös erstellte drei Jahre später die Astor-Stiftung im Stadtzentrum die zeitgemäßen Altenwohnungen „Astorstift“.
Der Kurpfalzraum im Mittelteil des Gebäudes dient der neuen Eigentümerin seit 1986 als Standesamt; Paare schließen in schönem Ambiente den so genannten Bund fürs Leben.
Im Westflügel des Hauses ist seit Jahren der kommunale Schülerhort etabliert.
Das Museum - ein Rundgang
Über drei Etagen mit über 400 qm Ausstellungsfläche werden zahlreiche Gegenstände und Gerätschaften aus Landwirtschaft und Handwerk präsentiert. Auch findet sich eine Dokumentation zur Orts- bzw. Stadtgeschichte.
Erdgeschoss
Das Haus betritt man durch die massive Eichentür mit neugotischen Stilelementen und einem klobigen Kastenschloss. Gleich rechts befand sich früher das Büro des „Hausvaters“ des ehemaligen Astorhausverwalters, in dem sich heute nunmehr Mobiliar aus der Biedermeierzeit sowie Bilder und Dokumente über den Stifter des Hauses, Johann Jakob Astor, befinden.
Der große Saal ist für Sonderausstellungen reserviert.
Sodann gelangt man in den so genannten Kurpfalzraum, der auch der Stadt Walldorf als Standesamt dient.
In die Zeit um das Ende des 19. Jahrhunderts versetzt, findet sich der Besucher in ländlicher Wohnkultur wie einer Küche, einer „guten Stube“ und einem Schlafraum mit Himmelbett wieder.
Ein größerer Bereich ist der Landwirtschaft gewidmet. Unter anderem sind dort zahlreiche Werkzeuge, ein Futterschneider sowie die Arbeitsutensilien eines Imkers zu sehen.
Einen breiten Raum gewährt das Museum der Abteilung des alten Handwerks. Gezeigt werden die Werkstatt eines Silberschmieds, eines Schuhmachers, des Schmieds und Schlossers und die traditionellen Arbeitsgeräte des Bäckers, des Töpfers, des Sattlers, des Metzgers und des Webers; auch alte Blick in die Geräte aus Holz zur Flachsbearbeitung wie Flachsbrechen, Flachsschwingen, Hecheln, Garnhaspeln und Spinnräder sind ausgestellt.
Obergeschoss
Im Saal des Obergeschosses, dem ehemaligen Knabenschlafsaal, werden Gegenstände zu folgenden Themen gezeigt:
- religiöses Leben
- Freiwillige Feuerwehr Walldorf
- Gebrauchsgeschirr aus Porzellan und Zinn
- Sammlung von Krügen und Kannen aus Steinzeug, bemalt und in Ritztechnik verziert
Seltene Gegenstände des täglichen Lebens, Bemalte Schränke und Truhen dokumentieren die verschiedenen Stilepochen ab dem 18. Jahrhundert.
Keller
Die dem Verein von Herrn Horst Friedel überlassene Fossiliensammlung ist im Gewölbekeller untergebracht.
Diese Spezialsammlung mit vielen Exponaten der reichen Lebenswelt des Muschelkalkmeeres bildet einen weiteren Schwerpunkt des sonst heimat-geschichtlich Astor-Zigarettenund kulturkundlich eingerichteten Museums.
Ebenfalls im Keller sind in Extraräumen die Arbeitswelt der Tabakbauern und der Zigarrenmacher(innen), auch Exponate der „Astor-Cigarretten“-Fabrik zu sehen. Seit 2005 werden der Hopfenanbau und das örtliche Brauereiwesen wie auch der ehemalige Weinbau in Walldorf in einem eigenen Raum präsentiert.
Öffnungszeiten
Das Museum im Astorhaus ist jeden Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Sonderführungen sind nach Vereinbarung unter Tel:
0 62 27 / 3 58 88 80 möglich.
E-Mail:
info@museum-im-astorhaus.dered