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Starkenburg Philharmoniker

Nussbaum Medien Neujahrskonzert 2012

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09.01.2012, - Diese Musik klang so zuversichtlich und so warm durch den Saal zur Empore hin. Das Orchester mit seinen Mitgliedern aus verschiedenen Altersgruppen trat unter der Leitung von Günther Stegmüller in seiner Spielweise sicher und gereift auf. Kurzum, der große Saal des Harres in St. Leon war von ausgewogenem Wohlklang erfüllt; die allgemeine Stimmung war entspannt. Bereichernd kamen die Auftritte der Einradfahrerinnen, der Bodenakrobaten und der Tanzpaare hinzu.

Niemand hätte ernstlich etwas dagegen gehabt, wenn der rund dreistündige Abend doppelt so lang gedauert hätte oder diese Musik die Zuhörer ein ganzes Jahr lang bis zum nächsten Neujahrskonzert im Jahr 2013 begleitet hätte. Nehmen wir dies als gutes Omen und hoffen, dass das Jahr so erfreulich ausfällt wie diese Musik zu seiner Eröffnung.

Klaus Nussbaum von der Nussbaum Stiftung konstatierte zu Recht, dass die Darbietungen des Abends sehr gut ausgewählt waren. Franz Schuberts Ouvertüre zur „Zauberharfe“ stand am Anfang. Sie ist mit ihrer schönen Holzbläserkantilene die bekannteste und beliebteste von Schuberts Ouvertüren. Dicht auf dem Fuße folgte Charles-Auguste de Bériots „Fantaisie ou scène de ballet“ mit der jungen Solo-Violinistin Maria Graschkat. Eine erstaunliche Leistung der Jung-Musikerin! Silvester und Neujahr sind aber auch die Tage manch zerdrückter kleiner Tränen. Als der Tenor Lemuel Cuento Donizettis „Una furtiva lacrima....“ anstimmte, wusste jedermann, das ist kein Operntheater, sondern ernsthafte Klage:  “Einmal nur mein Seufzen vereint mit ihrem Schmerz ...“, heißt es da im Text. - Damit kann man Konzertbesucher bannen. Um Carlos Gardels Tango mit dem Titel „Um Kopfeslänge“  rankt sich eine ganze Geschichte, wie die Zuhörer von der  rührigen Moderatorin Dagmar Weber erfahren durften. Solche Storys zur gespielten Musik tragen viel zum Verständnis bei , und es sei ihr dafür gedankt. Bekanntlich ist der Tango nicht nur Musik, sondern so etwas wie Ausdruck einer Weltanschauung.

Den Tanzpaaren des Tanzforums Heddesheim gelangen jedenfalls auf begrenztem Raum  stilgerechte Tanzfiguren. Giuseppe Verdis Auftragsoper „Aida“ sollte ein Repräsentationsstück werden. Betrachtet man den „Triumphmarsch“ aus der gleichnamigen Oper, findet man hier keine wesenlose musikalische Pracht. Vielmehr erscheint er in seinen Motiven so musikalisch bunt, wie der gleichzeitige Aufmarsch verschiedener Völkerschaften, den man sich dazu vorstellen muss. Das ist schlichtweg eine geniale Komposition. In Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ sang sodann die Sopranistin Elif Aytekin als Lucia von der Geistererscheinung eines Ermordeten. Das klang jugendlich meisterhaft. Leider wird in der Oper so viel erzwungen, gemordet und gestorben, dass wir sie schnell wieder
verlassen.

Nach der Pause neigte sich die Waagschale mehr der leichteren Muse zu. Es gibt wohl keinen Zirkus, der nicht den „Einzug der Gladiatoren“ von Julius Fucik spielen lässt. Dieser Marsch ist ebenso  bildhaft wie Verdis zuvor genanntes Meisterstück. In den Eisstadien ist dagegen Emil Waldteufels Schlittschuhwalzer angesagt. Walzer tanzende Paare beobachtet man gerne. Hervorhebenswert war hier jedoch die stilistische Auffassung der Heddesheimer mit einem Touch von Biedermeierstil in der Gestik der Herren. Das macht sich sehr gut. Wenn Johann Strauß eine Polka schreibt, dann ist diese genau so ausgefeilt wie seine Walzer, aber sie erfordert eine besondere Ausdauer der Tänzer, wenn sie denn getanzt wird. Ihr Titel lautete „Auf Ferienreise“. Dann aber folgte Ralph Benatzki mit seinem aus vielen Versatzstücken und Textbeiträgen zusammengestellten „Weißen Rössl“. Dass es ein Fleckerlteppich aus eigenen und fremden Beiträgen ist, hat die Liebhaber dieses Dauerbrenners vom Wolfgangsee noch nie gestört! Im Gegenteil - eigentlich kann man von diesen Ohrwürmern nie genug hören. Vom Titelsong, Walzer-Liebeslied, vom schönen Sigismund, überhaupt der ganzen himmelblauen Welt, sangen die beiden Gesangssolisten des Abends  mitreißend. Nur  den Kellner Leopold mit seiner Jammer-Arie „Zuschaun kann i net ...“ ließen sie aus. Er wird’s verkraften, denken wir. Trennen wir uns schweren Herzens vom „Weißen Rössl“. Denn es war jetzt an der Zeit, dass das Orchester an die Silvester-Star-Operette „Fledermaus“ von Johann Strauß mit deren Ouvertüre erinnerte. Da hatten die Violinen der Starkenburger einiges Knifflige zu tun.  Auch wenn es im Harres trotz des Uhrenglöckchens in der Musik noch nicht die Mitternacht geschlagen hatte, war es Zeit, langsam ans Ende zu denken. Eigentlich sollte Franz von Suppés Boccaccio-Marsch dann alle Geschmäcker vereinen und den vom Beifall umbrandeten „Auszug der Gladiatoren“ umrahmen, aber die Zugabenwünsche wurden immer spürbarer.

Es folgten die beliebten neapolitanischen „Funiculi funicula“ und der Radetzkymarsch. Zum Schluss gab es Präsente, Blumen und Dankesworte von Klaus Nussbaum.
Das Publikum war von allem sehr, sehr angetan, vor allem von der Sängerin Elif Aytekin, und spendete reichlich Applaus, auch Szenenapplaus.


Eine Bildergalerie sowie ein Video vom Neujahrskonzert 2012 finden Sie unter den unten stehenden Links.


kob/Foto: KHP
Weiterführende Inhalte
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