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Die Residenz in der Quadratestadt

Barockschloss Mannheim

Barockschloss Mannheim

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

Im Jahr 1606 ließ Kurfürst Friedrich der IV. von der Pfalz aus dem Dorf „Mannenheim“ eine Stadtfestung mit Zitadelle, der Friedrichsburg, errichten. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges baute man unter Kurfürst Karl I. Wilhelm die Stadt wieder auf. Gewerbe- und Handelsprivilegien, die Errichtung einer Kirche und, um 1664, eines einfachen Schlosses förderten die Bedeutung Mannheims.

Zahlreiche Pläne, das während des Pfälzischen Erbfolgekrieges stark beschädigte Mannheim mit einer repräsentativen Schlossanlage zu versehen, wurden nie ausgeführt. Erst ab 1720 entstand unter Kurfürst Carl Philipp eines der größten absolutistischen Schlösser am Oberrhein, das auf den Entwurf von Louis Remy de la Fosse zurückgeht. Der katholische pfalz-wittelbachische Reichsfürst verlegte nach andauernden Auseinandersetzungen mit den Protestanten seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim.

Barockschloss Mannheim

Blocher und Blocher View/ Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg

Am Mittelrisalit des Corps de Logis prangt das Kurpfälzische Wappen.
Barockschloss Mannheim

Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Aus der Luft wird die beeindruckende Größe des Schlosses sichtbar, das mit einer Schaufront von über 400 Metern Länge zu den größten Schlössern Europas zählt.
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Die absolutistische, spätbarocke Schlossanlage mit ihren monumentalen Ausmaßen hat eine 440 Meter lange Schaufront, die von einem akzentuierenden Mittelbau (Corps de logis) und den Ost- und Westflügeln gegliedert wird. Neben diesen Gebäuden umfasste das Schloss noch zahlreiche weitere Bauten für den Hofstaat, die Verwaltung und die Justiz. Die Schlosskirche und das Jesuitenkolleg vervollständigten die Residenz.Im westlichen Schlossflügel entstanden unter dem Theaterarchitekten Allesandro Galli da Bibiena in den Jahren 1737 und 1742 die kurfürstliche Hofoper und das Ballhaus.

Nach Carl Philipps Tod im Januar 1742 übernahm sein einziger männlicher Blutsverwandter, der 18-jährige Carl Theodor, die Kurwürde und die Regierung seines Onkels. Unter seiner Regentschaft erlebte der Mannheimer Hof eine kurze, intensive Blütezeit: am "Musenhof" gediehen Kunst und Wissenschaft. Der Kurfürst und seine Gemahlin Elisabeth Augusta unterstützten Manufakturen und förderten neue Einrichtungen zur Pflege der Landwirtschaft. Besonders auch Musik und Theater erfuhren intensive Förderung und erreichten ein sehr hohes Niveau. Vor allem Carl Theodors Interesse an der deutschen Sprache und dem deutschen Schauspiel führte zur Gründung des Nationaltheaters im Jahr 1778. Geschichts- und Naturwissenschaftler forschten und lehrten in eigenen Akademien, sie betrieben Landesgeschichte, Altertumskunde, Physik und Astronomie. Weitere Betätigungsfelder waren die Landvermessung, die Meteorologie und naturwissenschaftliche Sammlungen. Das Kupferstich- und Zeichnungskabinett , die kurfürstliche Gemäldesammlung und die Zeichnungs- und Bildhauerakademie förderten neben der Kunstbetrachtung auch viele künstlerische Talente.

Barockschloss Mannheim

Dirk Altenkirch, Karlsruhe

Barockschloss Mannheim

Dirk Altenkirch, Karlsruhe

Barockschloss Manhheim

Dirk Altenkirch, Karlsruhe

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Fast vierzig Jahre wurde am Schloss gebaut. Unter dem renommierten Architekten Guillaume d´Hauberat gelang Ende der 20er-Jahre des 18.Jahrhunderts eine elegante Innenraumgestaltung, die dem neuesten französischen Geschmack entsprach, im Gegensatz zum Äußeren des Mannheimer Schlosses, das auf große Kritik gestoßen war.

Der Mittelbau beherbergt eine doppelte Stiege, die zu den größten Treppenanlagen im deutschen Schlossbau gehört. Dieses wichtige Attribut fürstlicher Machtdemonstration diente nicht nur als Symbol des Kunstverständnisses des Herrschers, sondern auch der Präsentation des Hofstaats und dem Empfang von Gästen. Das Hauptpodest der Prunktreppe bildet den Vorplatz vor dem Rittersaal, dem Hauptrepräsentationsraum des Schlosses. In dem zweigeschossigen Saal gibt es – rekonstruierte – Stuckaturen von Egell und ein Fresko von Cosmas Damian Asam mit Motiven der antiken Mythologie. Außerdem beherbergt er die Ahnengalerie des Hauses Pfalz-Neuburg, das mit Carl Philipp ausgestorben war und überlebensgroße Marmorstatuen Carl Theodors und Elisabeth Augustas von Peter Anton Verschaffelt. Im "Kurfürstlichen Quartier" ist heute das ehemalige erste Vorzimmer des Kurfürsten rekonstruiert. Dieses sogenannte Trabantenzimmer zeichnet sich durch eine reiche Stuckierung mit szenischen Darstellungen aus der Mythologie und kostbare Gobelins aus.

Barockschloss Mannheim

Dirk Altenkirch, Karlsruhe

Barockschloss Mannheim

Dirk Altenkirch, Karlsruhe

Barockschloss Mannheim

Dirk Altenkirch, Karlsruhe

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Der reizvollste und einzige im Originalzustand erhaltene Raum des Schlosses ist die Privatbibliothek der Kurfürstin Elisabeth Augusta. Die sogenannte Kabinettbibliothek wurde 1755 von Nicolas de Pigage entworfen. Dieses intime Refugium mit Darstellungen von Musen, Erotik und Allegorien verströmt eine heitere und sinnliche Atmosphäre. Die Schlosskirche folgt ihrem Vorbild, der Hauptkirche des Jesuitenordens in Rom. Sie erhebt sich an prominenter Stelle am Eingang zum Ehrenhof und entstand zwischen 1733 und 1760 unter Carl Philipp und Carl Theodor im Anschluss an den Schlosskomplex. Die Hofkirche sollte als Gotteshaus, Repräsentationsbau und zugleich als Grablege der Kurfürsten dienen. Zahlreiche renommierte Künstler wie Bibiena, d´Hauberat, Pigage, Egell und Verschaffelt arbeiteten an dem Bau. Sie gehört mit ihrer reichen Ausstattung zu den bedeutendsten Barockkirchen Südwestdeutschlands.

Mit dem Tod des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph am 31.12.1777 trat Carl Theodor dessen Nachfolge an und verlegte seine Residenz nach München. Seine dortige Politik traf auf Kritik am Münchner Hof. Mannheim entwickelte sich nun zu einem bürgerlich geprägten Handels- und Wirtschaftszentrum, sein Schloss erreichte nie mehr seine einstige Bedeutung. Im Zuge der napoleonischen Neuordnung fiel Mannheim 1803 an Baden und wurde großherzogliches Schloss.

Barockschloss Mannheim

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

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Industrialisierung und Verkehrswesen machten auch vor dessen unmittelbarer Umgebung nicht halt, ein Großteil des Schlossparks wurde durch die neue Bahnstrecke zerstört. Im Schloss lebte von 1806 bis 1811 das badische Erbgroßherzogspaar Karl von Baden und Stephanie de Beauharnais, die Adoptivtochter Napoleons. In dieser Zeit wurden einige Appartements und Gemächer renoviert, mit Gobelins geschmückt und im klassizistischen Stil ausgestattet. Nach dem Tod Stephanies im Jahr 1860 wurde die Hofhaltung in Mannheim aufgelöst, der großherzogliche Hof in Karlsruhe benötigte nur die Gemächer im Corps de logis. Das Schloss wurde teilweise als Mädchenschule genutzt und die ausgebrannte Oper abgerissen, an deren Stelle erbaute man das Amtsgericht. Verwaltungsbehörden und Dienstwohnungen wurden in der ehemaligen Residenz eingerichtet. 1919 fiel Schloss Mannheim als Eigentum an den Freistaat Baden. Die Stadt präsentierte hier seit 1926 ihre Sammlungen im Schlossmuseum.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Schloss Mannheim fast völlig zerstört. Nur das Bibliothekskabinett blieb als einziger Raum von über 500 unangetastet. 1947 entschied man sich, den Außenbau des Schlosses nach dem historischen Vorbild wieder aufzubauen. Im Inneren wurde die ursprüngliche Raumaufteilung völlig verändert, lediglich die Schlosskirche, das Treppenhaus und der Rittersaal wurden wiederhergestellt. Im Schloss nahmen das Finanzamt, das Landgericht, die Wirtschaftsschule und Teile der Universität ihren Sitz.

Seit April 2007 erstrahlt das Barockschloss Mannheim jedoch in neuem Glanz. Mit der Wiederherstellung der Enfilade in der Beletage erhielt das Schloss sein Herzstück zurück. Mehrere hundert originale Objekte wie Möbel, Gemälde, Tapisserien, Porzellane und Uhren geben hier, in den Prunkräumen, die höfische Atmosphäre vergangener Tage wieder. Im Erdgeschoss werden in der Dauerausstellung „ Kunst und Kultur am Mannheimer Hof “ unter anderem ausgewählte Stücke aus den historischen Sammlungen des Kurfürsten Carl Theodor, wie dem Naturalienkabinett, der Gemäldegalerie oder der Hofbibliothek, präsentiert. Ein kleiner Bookshop und wichtige Serviceräume runden das Angebot der neuen Präsentation ab.

Burgenstraße im Südwesten - Eine Reise in die Vergangenheit