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Pfarrscheuer und Museum in Deckenpfronn

Museum Heiß-Kalt

Eine Besuchergruppe vor dem Museum "Heiß-Kalt".

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

Eine Besuchergruppe vor dem Museum "Heiß-Kalt". Sie sind ebenfalls zu einem Museumsbesuch eingeladen.

Das Museum „Heiß-Kalt“ in der Pfarrscheuer ist in Sichtweite zur Zehntscheuer in dem aus dem Jahr 1739 stammenden Gebäude, das zusammen mit dem Backhaus und einigen erhalten gebliebenen Privatgebäuden eine Einheit bildet, die dem Besucher die sinnhafte Anwesenheit im alten Dorf vermitteln will.

In dieser Scheuer wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die dem Ortspfarrer vorbehaltenen Erträge des sog. Kleinen Zehnten gelagert. 1890 wurde sie vom Bauern Heinrich gekauft und er setzte sie neben sein Wohnhaus am heutigen Standort. Die Gemeinde konnte das Gebäude 1990 erwerben und das ermöglichte dann die ersten Gedanken zur Darstellung der bäuerlichen und handwerklichen Kultur des Dorfes. In einer 10-jährigen bürgerschaftlichen Gemeinschaftsarbeit wurde die sicher einmalige Konzeption des Museumsplaners Michael Schödel aus Reutlingen verwirklicht und erhielt die Bezeichnung „Museum Heiß-Kalt“, was an den Leitfarben cyanblau und magenta nicht nur am Eingang, sondern auch in der Folge an den 14 Stationen in 5 Geschossen ablesbar ist.

Der Gegensatz von heiß und kalt kennzeichnet dieses Museum

Der Besucher tritt durch eine große Glasfront ein, steigt hinab in den Eiskeller und findet dort die Fortentwicklung zum Kühlschrank. Der Sauerkrauttopf und die Einmachgläser werden von der Tiefkühltruhe abgelöst. Nur der Most kommt auch in der Gegenwart noch aus dem Holzfass.

Zurück im Erdgeschoß ist der Blick auf die bäuerliche Tradition und das örtliche Handwerk bestechend. Da steht die alte Dreschmaschine, in der oben das Gesinde die Garben einwirft und unten der Bauer den Getreidesack aufhält. Der Besucher wird dort vom mächtigen Getöse dieser Dreschmaschine empfangen und erhält dort bei Führungen auch einige anekdotische Anmerkungen serviert.

Gegenüber hängt der Blasbalken des Dorfschmiedes und stehen Amboss und Esse. Schließlich hatte Deckenpfronn mit bis zu 130 Pferden eine hoch entwickelte Nutztierkultur und die Hufe der Tiere mussten regelmäßig beschlagen werden.

Dort werden auch die Anfänge der Flaschnertradition beschrieben. Viel bedeutsamer aber ist die Herstellung des für das Schreinerhandwerk notwendigen Leimofens durch die Familie Dongus, die einen der wichtigsten Handwerksbetriebe im Ort stellte und früher im ganzen Deutschen Reich ihre Öfen verkaufte.

Die Dreschmaschine aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts.

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

Die Dreschmaschine aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts empfängt den Besucher, der dann auch bei einer Führung dazu das Getöse des Motors vernimmt. Auf der anderen Seite wird der Leimofen der Fa. Dongus und das Schmiedehandwerk dargestellt.
Bauern dreschen Getreide mit dem Pflegel.

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

In der Mitte des Eingangsbereichs dreschen Deckenpfronner Bauern im Video mit dem sog. Pflegel das Getreide.
In der Ziegelhütte wurden Dachziegel gebrannt und verkauft.

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

Seit 2017 besteht auch noch die Erinnerung an die sog. Ziegelhütte, in der ein Deckenpfronner Handwerker Dachziegel gebrannt und verkauft hat.
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Entlang mehrerer Treppenstufen kommt der Besucher an männlicher Unterwäsche und einer französischen Soldatenuniform vorbei. Er nimmt zur Kenntnis, dass Deckenpfronn durch französische Bomben am 21.4.1945 zerstört wurde.

Doch im 1. Obergeschoss winken bereits freundliche Kindergesichter mit ihren langen Strümpfen, Leibchen und kurzen Bleyle-Hosen und lassen wissen, dass der Besucher nun in der Station „Kalte Häuser- warme Kleidung“angelangt ist. Die Kleidung muss aber auch gewaschen werden und deshalb kommen bereits der alte Waschkessel und der sog. Stämpfel ins Blickfeld, die dann von der vollautomatischen Waschmaschine abgelöst werden.

Schließlich machen wir noch die Tür in ein Badezimmer auf, wo der früher übliche Badeofen steht, weil es ja kein warmes Wasser ohne ein kleines Feuer gab.

Kinderfiguren in Nachkriegskleidung.

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

Eine Treppe höher empfangen mehrere Kinderfiguren in Nachkriegskleidung den Besucher und auch neckische Damenunterwäsche gehört zum Thema "Kalte Häuser-warme Kleidung".

Wieder geht es eine Treppe höher ins Dachgeschoss, wo der Besucher von einem Kunstpferd in Echtgröße empfangen und deutlich wird, dass die Landbewirtschaftung früher ausschließlich durch die Zugtiere bewältigt wurde. Deshalb gilt in dieser Darstellung das Motto „Von 1 PS zu X-PS“. Der Bindemäher taucht auf und die ersten Kleinschlepper künden von der bahnbrechenden motorisierten Welt bis hin zum modernen Mähdrescher, der die Dreschmaschine im Eingangsbereich längst in die Untauglichkeit verwiesen hat.

In Deckenpfronn ist bis zur Gegenwart aber nicht nur der Ackerbau wichtig, sondern auch die Nutzung unzähliger Streuobstbäume. Das Küferhandwerk stand mit der Fassherstellung in hohem Ansehen ebenso wie bäuerliche Herstellung von hochprozentigen Getränke in der eigenen Brennerei. Eine dort aufgestellte Brennereieinrichtung verdeutlicht den Wandel des Rohstoffes im Gärfass bis zum fertigen Alkohol.

Pferd in Originalgröße.

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

Nochmals eine Treppe höher steht plötzlich ein Pferd in Originalgröße vor dem Besucher und macht deutlich, dass früher die ganze Landbewirtschaftung mit 1 PS verwirklicht wurde. Hinter einem Vorhang kündet sich dann in bestimmten Lichtabständen der Wandel zur Motorisierung mit dem ersten Kleinschlepper an.
Geräte der Deckenpfronner Brennereien.

Museum Heiß-Kalt / Winfried Kuppler

Der Blick auf die Geräte einer der vielen Deckenpfronner Brennereien.
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Museumsnächte

Bei den jährlich im Sommer stattfindenden Museumsnächten der Kulturwerkstatt Deckenpfronn geht es dort sehr gesellig zu, weil die Brennereien der Gegenwart viele alkoholischen Getränke herstellen und dort anbieten. In dieser Station gilt das zeitlose Motto „Heiß gebrannt – kühl genossen“.

Schließlich enthält das 2. Dachgeschoss eine Zusammenfassung all der Gruppen und Vereine, die für die bäuerliche Existenz der Vergangenheit unverzichtbar waren.

Der Bullenhaltungsverein sorgte bis zum Ende des 20. Jahrhundert für einen hohen Zuchtwert in den Deckenpfronner Ställen, die Molkereigenossenschaft vermittelte bis 1980 den Ertrag aus der Milchproduktion, der Landw. Ortsverein stützt unverändert die moderne Landbewirtschaftung der Bauern, das erste Telefon vor 100 Jahren macht auf die rasante Entwicklung zur heutigen digitalen Welt aufmerksam.

Das Museum Heiß-Kalt ist nur von März bis Oktober an jedem 4. Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weil es dort keine Heizung gibt, ist es zu anderen Zeiten geschlossen. Jederzeit aber kann über die Gemeindeverwaltung oder die
Kulturwerkstatt Deckenpfronn eine Führung gebucht werden.