von Marthe Meinhold, Marius Schötz und Ensemble

Den vierzehnjährigen Hubert beschäftigt eine Vielzahl von Fragen: „Wo will ich hin? In was für einer Zukunft möchte, soll, muss ich leben? Wie können wir uns heute, angesichts der steigenden Erderwärmung und der wiederaufgetauten Bedrohung eines Atomkriegs, noch Utopien vorstellen? Und wie lautet eigentlich das WLANPasswort?“ Der kecke Jüngling hat keine Zeit für Grübeleien und weltveränderndes Philosophieren, denn heute beginnt sein Schülerpraktikum. Also steht Hubi vor der alten Fabrik, dem großen, tempelgleichen, inmitten der Stadt liegenden Industriepalast. Ehrfürchtig betritt Hubi das geheimnisvolle, wie aus einer anderen Zeit stammende, Gebäude und staunt über all die weitläufigen, prunk- und kitschvoll dekorierten Räume, das Surren und Schnarren der altertümlichen Maschinen, die gehetzt und in majestätischer Wichtigkeit umherschwirrenden Arbeiter*innen. Und während sich Hubi noch sehr ernsthaft mit den durchaus berechtigten Fragen „Was wird hier eigentlich produziert? Für wen? Brauchen wir das?“ auseinandersetzt, leider aber den richtigen Zeitpunkt für diese Fragen verpasst hat, sich jetzt nicht mehr so recht traut und wirklich niemandem zu nahe treten will, hat der Arbeitstag schon begonnen. Hubi wird von den seltsam erfüllt wirkenden Arbeiter*innen herzlich an die Hand genommen und begibt sich in den fantastischen Mikrokosmos der FABRIK OHNE CHEF.

In den vergangenen zwei Jahren hat das Regieteam Marthe Meinhold und Marius Schötz zusammen mit ihrem Bühnen- und Kostümbildner Florian Kiehl trotz – oder gerade wegen – ihrer unkonventionellen Arbeitsweise für viel Aufsehen innerhalb der deutschen Theaterlandschaft gesorgt. In ihren Arbeiten erkundet das Team den weit gefassten Begriff des Musiktheaters, sei es der totgerittene und alterskranke Platzhirsch Oper, die im Theaterbetrieb als trivial verpönte Operette und nun, erstmals in Karlsruhe, das Musical. Alle ihre Arbeiten eint ein besonderer Schaffensprozess: Ohne eine vorherige thematische Setzung begegnet das Team Monate vor Probenbeginn den Spieler*innen und führt Gespräche, die sich einzig und allein an dem Leitfaden „Was ist euch wichtig? Was beschäftigt euch?“ orientieren. Die Gespräche werden aufgezeichnet, in mühseliger Fleißarbeit verschriftlicht und bilden das Material für den Schreibprozess.
Meinhold und Schötz ordnen das Material, gießen es in eine dramatische Form, verfertigen ein Libretto.
Zuletzt fehlt nur noch die Musik, die Schötz, der nicht nur Regie, sondern auch klassische Komposition studiert hat, den Spieler*innen auf Leib und Stimme maßkomponiert, sodass bald, nach Ostern, die Proben beginnen können.

Termine

Momentan sind leider keine Termine bekannt.