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Neuer Roman von Ingrid Noll

80 Zuhörer zucken zusammen

Ingrid Noll bei der Lesung in einer Weinheimer Buchhandlung

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Bei der Lesung von „Goldschatz“ fesselte Ingrid Noll von der ersten Sekunde an ihre Zuhörer.

Vor rund 80 Personen las die Autorin selbst zum ersten Mal aus ihrem neuen Roman „Goldschatz“ und sorgte für gruselige Unterhaltung.
Die einzige Beleuchtung in der Buchhandlung war die am Tisch der Krimi-Autorin. Der Rest des Raums war dunkel. Zum einen konnten sich die Zuhörer so auf die Lesung konzentrieren. Zum anderen sorgte das in Kombination mit dem an die Scheiben klopfenden Regen gleich doppelt für unheimliche Stimmung. Es war die Premiere, die erste Lesung aus dem neuen, inzwischen 15. Roman der Erfolgsautorin, die das Publikum eingangs daher als „Versuchskaninchen“ bezeichnete. Ingrid Noll ist es einmal mehr mit verspielten, liebevollen Details gelungen, eine lebendige, spannende Geschichte zu erzählen, deren Spannung nie abzureißen scheint. Über eine Stunde lang hingen die Menschen an den Lippen der 83-Jährigen und tauchten von der ersten Sekunde an in eine andere Welt ein. Durch das gelungene Lesen zuckten die Zuhörer gelegentlich zusammen, schmunzelten oder lachten an den humorvollen Passagen, von denen es ebenfalls reichlich gab. Entsprechend groß war der Applaus am Ende der Veranstaltung.

Worum es geht

Die Anfang 20-jährige Ich-Erzählerin Trixie erbt von ihrer Großtante Emma ein altes, renovierungsbedürftiges Bauernhaus in Weinheim. Zusammen mit vier Freunden gründet sie dort eine Wohngemeinschaft, die sich selbst als „Gegenstrom“ bezeichnet und ideologische Werte verfolgt, die der Wegwerf- und Konsum-Gesellschaft entgegenstehen sollen. Die fünf Studenten sind nicht gerade wohlhabend und müssen sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Die Entrümpelung des Hauses und Gartens birgt für sie so manche Überraschung: Neben einem offenbar menschlichen Skelett finden sie auch einen Münz-Schatz, der so schnell wieder verschwindet, wie er aufgetaucht ist. Gegenseitige Beschuldigungen, Verdächtigungen und der etwas unheimliche  alte Nachbar Gerhard Gläser bringen die anfängliche Harmonie schnell ins Wanken. Als sich Trixie nicht auf ihren Instinkt und ihren gesunden Menschenverstand verlässt, bringt sie sich selbst in große Gefahr. Zusammenfassend zu ihrem neuen Buch verriet die Autorin, dass es um vergangene und aktuelle Schuld gehe und es mit den jungen Menschen nicht immer „gut gehe“. Doch mehr erfuhren die Zuhörer an diesem Abend nicht.

Bei Noll liegt der Hund begraben

Im Anschluss an die Lesung nahm sich Ingrid Noll noch viel Zeit für Fragen aus dem Publikum und unterhielt auch hier unentwegt mit viel Humor. Auf die Frage nach autobiografischen Elementen in ihren Romanen antwortete sie etwa trocken: „Alle Morde habe ich selbst begangen. Unser Keller ist voller Leichen.“ Zumindest werde man in ihrem eigenen Garten irgendwann Knochen finden können, denn da liege ebenfalls „der Hund begraben“, genau genommen ihr verstorbener Dackel und dessen uneheliches Dackel-Kind.
Eine neue Buchidee verglich Noll mit einer Schwangerschaft. Die dreifache Mutter erzählte, sie müsse zunächst alles über die Frau wissen, die ihre Protagonistin spielen werde, angefangen mit ihrer Kleidung, über das konkrete Aussehen bis zu ihrer Art. Nach und nach entstünden so auch die anderen Charaktere. Auf diese Weise käme etwa alle zwei Jahre ein neues Buch heraus. Ingrid Noll verriet außerdem, dass sie das Schreiben fit halte und sie nicht vorhabe, damit aufzuhören.