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Projekt „Gartenspäher“ in vollem Gange

Alles für den Erhalt des kulturellen Erbes

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Dr. Ralf Wagner und Michael Hörrmann von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg erläuterten gemeinsam mit Prof. Dr. Barbara Welzel und Christopher Kreutchen vom Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der Technischen Universität Dortmund

Zwar konnten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG) in den letzten Jahren schon fast herausragende Zahlen für ihre alles in allem 59 baulichen und grünen Monumente präsentieren. Sprich: Die Zahl der Gäste, die diesen einen Besuch abstatten, steigt und steigt.

Besuchermagnet

So ziehen etwa Schloss und Schlossgarten Schwetzingen jedes Jahr fast eine dreiviertel Million Menschen an, was auch dazu beigetragen hat, dass die SSG der größte kulturtouristische Anbieter in Südwestdeutschland ist. Aber dennoch hat SSG-Geschäftsführer Michael Hörrmann schwarze Wolken am Horizont ausgemacht. Und zwar deswegen, weil die „Jugend nicht mehr an der Hand des Opas durch eine Burg oder einen Park geht“ und es daher „immer mehr Jugendliche gibt, die mit Schlössern und Gärten nichts am Hut haben“.

Erfolgskonzept fortgesetzt

Durch ein „kleines Projekt“, das aus seiner Sicht aber „von hoher strategischer Bedeutung ist“, wollen die SSG diesem Trend Einhalt gebieten. Besagtes Projekt nennt sich „Gartenspäher“, die heuer erneut im Schwetzinger Schlossgarten unterwegs waren. Die „Gartenspäher“ auf ihren Weg gebracht hatten die SSG in enger Zusammenarbeit mit dem Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der Technischen Universität Dortmund (SKK) bereits im vergangenen Jahr.

Hebel-Gymnasium mit dabei

Das Projektziel besteht darin, dass Jugendliche gemeinsam ihren ganz eigenen Zugang zum Kulturdenkmal und zu seiner Geschichte und Bedeutung erarbeiten. Nach den beeindruckenden Ergebnissen des Vorjahres startete jetzt eine neue Projektphase. Mit von der Partie sind in diesem Jahr schon zwei Schulen. Zum einen das Elisabeth-Gymnasium Mannheim, das sich ein weiteres Mal beteiligt, und zum anderen Schülerinnen und Schüler des Hebel-Gymnasiums Schwetzingen, die gewissermaßen Neuland betreten.

Jugend im Fokus

Bei der Schwetzinger Premiere wurde vergangenes Jahr das Ziel vorgegeben, dass die Mannheimer Gymnasiastinnen und Gymnasiasten angeleitet von der SKK ihren eigenen Zugang zum Kulturdenkmal Schlossgarten entwickeln sollten. Für die SSG waren die damaligen Resultate dermaßen fruchtbar, dass sie das Fazit von „ersten Schritten auf einem Weg in die Zukunft“ zogen. Genauer: in die „Entwicklung von Zukunftskonzepten für die Kulturvermittlung“. Laut Michael Hörrmann steht hierbei an vorderster Stelle diese Frage: „Wie können die Monumente mit ihrer Geschichte künftig so präsentiert werden, dass auch künftige Generationen sie als „ihre“ Monumente wahrnehmen?“ Damit verbunden seien „wichtige Wegmarken, die einzuhalten sind“. Als da wären der „demographische Wandel und die Veränderung der Gesellschaft durch Migration, aber auch ein anderes Verhalten, was Medien und Konsum angeht“. Es gehe darum, das „Kulturerbe des Landes so zu vermitteln, dass es auch noch in den nächsten Generationen relevant ist“.

Auf Entdeckungstour

Mittlerweile sei der Kreis der jugendlichen Mitwirkenden deutlich größer, denn zu den 33 Mannheimer Schülerinnen und Schüler gesellten sich jetzt 21 Schwetzinger hinzu. Allesamt betreut werden sie laut Michael Hörrmann von 25 Studierenden der TU Dortmund, die mit den in kleine Gruppen aufgeteilten Schülerinnen und Schülern auf Entdeckungstour durch den Schlosspark gehen. Dort werden dann Ziele ausgesucht und per Handy dokumentiert. Später zeigen sich die „Botschaftergruppen“ gegenseitig anhand ihrer Fotos den Gartenraum und das Objekt, das sie besonders fasziniert hat. Wichtig dabei sei die mediale Aneignung, sprich: eben jener Weg, auf dem Jugendliche heute kommunizieren.

Eigenes Erleben wichtig

Wichtig sei aber auch, dass die Kinder und Jugendlichen eigenständig ihre Vorlieben im Garten entdecken, deren eigenes sinnliches Erleben und die persönliche Erfahrung. Prof. Dr. Barbara Welzel und Christopher Kreutchen vom SKK war es vorbehalten, im Rahmen eines Pressegesprächs ins Detail zu gehen. Unter anderem hielt die Wissenschaftlerin fest, dass „wir in den letzten Jahren am Seminar in Forschung, Lehre und Bildungsprojekten Konzepte entwickelt die nicht allein kunstwissenschaftliches Wissen vermitteln wollen und die auch nicht nur kulturelle Orte wie den Schwetzinger Schlossgarten für junge Menschen erlebbar machen möchten“. Vielmehr sei es „Anliegen, Formen für ein gemeinsames Entdecken kulturellen Erbes durch unterschiedliche Menschen verschiedener Altersgruppen und verschiedener Herkünfte zu entwickeln“. Folglich sei das gemeinsame Gartenspähen von Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden Programm. „Wir sind überzeugt“, hielt Prof. Welzel weiter fest, dass das „Eröffnen von Partizipation in solchen Begegnungen auch einen wichtigen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellt.“ Alles in allem habe man 2017 gemeinsam mit den SSG einen Prozess begonnen, der die größte Kulturgüterverwaltung des Landes in die Zukunft führen soll. Eine diesbezüglich erste große Wegmarke habe das Symposium „Kulturerbe übersetzen“ geformt. Im Rahmen dieser mit „hochkarätigen Gästen der Kultur-, Museums- und Wissenschaftsszene“ besetzten Veranstaltung im Mannheimer Schloss hätten auch die Schülerinnen und Schüler von ihren Erlebnissen beim Projekt „Gartenspäher“ berichtet.

Zwischenbilanz

„Für die Zukunft müssen wir neue Wege finden, auf denen wir das kulturelle Erbe und seine Bedeutung für junge Menschen und folgende Generationen greifbar machen, und das Schwetzinger Projekt ist dafür ein wertvoller Beitrag“, machte Michael Hörrmann jetzt eine Zwischenbilanz auf. Denn schließlich müsse man sich heute die „Kenntnisse aneignen, um in zehn Jahren noch relevant zu sein“. Wichtig am Ende des Tages sei, dass man kulturelles Erbe nur dann erhalten könne, wenn man sich einig sei, „darüber zu sprechen“. Exakt damit könne „man nicht früh genug beginnen“. Hierzu zählt nach seinen Worten vor allem auch, dass „wir raus müssen aus den tradierten Vermittlungsgruppen“. Im Kern handele es sich bei den „Gartenspähern“ um so etwas wie ein „experimentelles Fahrzeug, das wir in zwei, drei Jahren alltagstauglich machen wollen“.