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Aufregung in der Tischtennis-Bundesliga

Als Außenseiter zum Pokalsieg

Volle Ränge beim Bundesliga-Heimspiel des ASV Grünwettersbach.

hjo

Volle Ränge beim Bundesliga-Heimspiel.

Das noch junge Jahr hat seine erste Sensation im Tischtennis. Im Endspiel des Final Four in Ulm hatten die Zelluloidkünstler (heute wird allerdings mit einem Plastikball gespielt) aus dem Karlsruher Stadtteil vor 4.500 begeisterten Zuschauern gleich zwei hohen Favoriten ein Bein gestellt und die Spitzenteams 1. FC Saarbrücken im Halbfinale und TTF Ochsenhausen im Endspiel jeweils mit 3:2 geschlagen.

Sprachlosigkeit nach Triumph

„An einem guten Tag ist alles möglich“, hatte Team-Manager Martin Werner zuvor noch verkündet, doch dass Sathiyan Gnanasekaran, Dang Qiu, Xi Wang und Tobias Rasmussen einen solchen Sahnetag, bei dem fast alles passte, erwischen würden, war nicht unbedingt absehbar. Letztlich gaben die entscheidenden Doppel den Ausschlag und die mitgereisten badischen Fans, die wie bei den Heimspielen eine stimmgewaltige rote Wand gebildet hatten, konnten ausgiebig jubeln. Zugute kam den Grünwettersbachern sicher, dass sich im Halbfinale die Ochsenhausener Tischtennisfreunde (amtierender Meister und Pokalsieger) gegen das hoch gehandelte Düsseldorfer Starensemble mit Tischtennis-Legende Timo Boll durchgesetzt hatten. Auch Trainer Joachim Sekinger war stolz auf „seine Jungs“, die nach dem Triumph selbst ein wenig sprachlos waren und nicht so recht wussten, was denn geschehen war. „Wir sind einfach nicht so geübt im Feiern solcher Titel“, hieß es fast entschuldigend aus dem ASV-Lager.

Ernüchterung in der Liga

Dort fühlt sich auch einige Zeit später alles noch ein wenig unwirklich an, doch der „graue Alltag“ war recht schnell wieder da und die Rückkehr an die Tischtennisplatte endete in den beiden Januar-Begegnungen zuletzt eher ernüchternd. Zunächst unterlagen die Profis aus dem Karlsruher Höhenstadtteil im Kampf um Bundesligapunkte einem entfesselt aufspielende Gastgeber Borussia Düsseldorf mit Timo Boll klar mit 0:3. „Nach dem Pokalerfolg hatte leider der letzte Biss zu einer Überraschung gefehlt“, hieß es aus Grünwettersbach und bei Abteilungsleiter Tischtennis, Armin Freiburger. Beim folgenden Heimspiel im Tischtenniszentrum gegen Post SV Mühlhausen aus Thüringen präsentierte der Verein in unmittelbarer Nähe zur Spielerbank seinen Zuschauern den unförmigen Pokal – doch die erhoffte Signalwirkung blieb aus. Letztlich ging der ASV Grünwettersbach wie schon beim ersten Ligaspiel des Jahres leer aus und beim 0:3 ohne Punkt von der Platte.

Wang Xi aus dem Speilerkader des ASV.

hjo

Wang Xi aus dem Spielerkader des ASV.

Abstand vom Abstieg

Der ASV Grünwettersbach steht im Moment in der 12 Teams angehörenden Bundesliga auf Platz 9, hat jedoch einen großen Vorsprung nach unten. Nach einer kurze Pause startet am 16. Februar die bereits begonnene Rückrunde mit einem Auswärtsspiel beim Tabellenführer 1. FC Saarbrücken, der sich für die sensationelle Pokalniederlage revanchieren will. Eine erneute Sensation wäre also sehr unwahrscheinlich, doch der Sport schreibt bekanntlich seine eigene Geschichte.

Traditionsreicher Werdegang

Der ASV Grünwettersbach wurde bereits 1892 als Turnverein gegründet. Mit Ausbruch des 1. Weltkrieges fand die Vereinsarbeit eine jähe Unterbrechung. Nach Kriegsende gründete man zunächst eine Fußballabteilung. Im Jahr 1949 bekam der Verein seinen endgültigen Namen und heißt seither „Allgemeiner Sportverein Grünwettersbach“ (ASV). Ab 1950 wurde beim Verein auch Tischtennis gespielt. Aktuell nimmt die Tischtennisabteilung (rund 150 Mitglieder) mit insgesamt sieben Herrenteams sowie drei Jugendmannschaften am aktiven Spielgeschehen teil. Dabei spielen die Mannschaften von der 1. Bundesliga (TTBL) bis hin zur Kreisklasse C. Der ASV Grünwettersbach agiert seit fünf Jahren ununterbrochen in der ersten TT-Liga und verbuchte im Januar mit dem Gewinn des Pokals den bislang größten Vereinserfolg.

Der Kader

Der aktuelle Spielerkader besteht aus dem Inder Sathiyan Gnanasekaran (27, Rechtshänder), Wang Xi (36, Deutsch-Chinese, Rechtshänder), Dang Qiu (24, Rechtshänder mit Penholder-Stil, in Deutschland geboren) sowie dem Dänen Tobias Rasmussen (24, Linkshänder). Als Cheftrainer des Profiteams fungiert seit Beginn der Saison 2019/2020 ASV-Eigengewächs Joachim „Joe“ Sekinger, zuvor Assistent des früheren Coaches Rade Markovic (der dem Verein erhalten bleibt und weiterhin als Cheftrainer am KITT -Karlsruhe Institut of Table Tennis - tätig ist). Alle Infos und Termine im Internet unter www.asv-tt.de

Tobias Rasmussen an der Platte.

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Tobias Rasmussen an der Platte.