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1225 Jahre Frauenzimmern

Als im Himmelreich die Kinder spielen konnten

1225 Jahre Güglingen-Frauenzimmern

Ines Schmiedl

Das Erkerhaus geht wie das Storchennest auf einen Auftrag des herzoglich württembergischen Hofmeiers Jörg Enzberger zurück.

Bei Ausgrabungen des Denkmalamtes in den Jahren 1991 und 1992 wurden nicht nur römische Funde gesichert, sondern auch frühkeltische Siedlungsspuren gefunden und Reste jungsteinzeitlichen Ackerbau von 5000 vor Christi gesichert. In dem Gebiet um den Mittelpunkt des Zabergäu mit seinen fruchtbaren Böden ließ es sich also zu allen Zeiten gut leben.

Modell einer römischen Villa Rustica

Pünktlich zum Ortsjubiläum wurde in diesem Jahr das Modell einer Villa Rustica fertig, das im Römermuseum in Güglingen neben Nachbildungen eines pompösen Brunnenreliefs gezeigt wird. Dieser Landsitz eines reichen Römers unweit der Zaber lag unumstritten auf Frauenzimmerner Gemarkung in Richtung Brackenheim. In der ersten urkundlichen Erwähnung vom 19. Dezember 794 ist jedoch nur von „Cimbren“ im Zabergäu die Rede, das seinerzeit ans Kloster Lorsch verschenkt worden ist. Auch die Gemeinde Dürrenzimmern beruft sich auf diese Ersterwähnung. Eine Urkunde von 1182 gibt  Aufschluss auf die Herren von Magenheim, die laut Niederschrift bereits in sechster Generation in Frauenzimmern leben würden – womit man ungefähr beim Jahr 1050 wäre. Das Zisterzienserinnenkloster von Frauenzimmern wird namentlich in einer Urkunde vom 6. Oktober 1246 erwähnt.

"Das ganze „Himmelreich“ war unser Spielplatz."

Wie dem auch sei – in Frauenzimmern wird seit Jahrhunderten gelebt, gelacht, geliebt und gelitten, wie Stadtarchivar Manfred Göpfrich-Gerweck in seiner Festrede zum 1200. Ortsjubiläum im Jahr 1996 zum Besten gab. Auch in diesem Jahr wird der Historiker am Festsonntag, 4. Oktober, den Festvortrag halten.

In der Festschrift von vor 25 Jahren gibt es einige Begebenheiten aus der früheren Jahrhunderten nachzulesen. „Der Ort ist an einem warmen Hügel auf der linken Seite des genau nach Osten ziehenden Zaberthales hinaufgebaut und auf der Höhe des Hügels, der das Himmelreich genannt wird, erhebt sich die Kirche, das Pfarrhaus und was von dem ehemaligen Kloster noch übrig blieb“, ist in einer Beschreibung des Oberamtes aus dem Jahre 1873 zu lesen. Das Fleckchen Erde mit dem hübschen Namen wird auch in einer schriftlichen Erinnerung des 1904 geborenen Lehrersohnes Albert Keck genannt: „Auf der langen Kirchhofmauer machten wir „Fangerles“ - das ganze „Himmelreich“ war unser Spielplatz.“

Alberts Vater Gotthold Keck war Lehrer in der Schule in Frauenzimmern und hat zudem 13 Jahre lang jeden Sonntag in der Martinskirche die Orgel gespielt. Mitte des 18. Jahrhundert, um 1748, war übrigens Friedrich Hölderlins Großvater Johann Andreas Heyn Pfarrer in dem Gotteshaus. Als  bekanntester Frauenzimmerner gilt der am 20. Januar 1874 im Pfarrhaus geborene Karl Heim, ein protestantischer Theologe und Professor für Systematische Theologie in Tübingen, der das Hauptwerk „Der evangelische Glaube und das Denken der Gegenwart“  schrieb und 1953 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland erhielt. Im Ort wurde eine Straße nach ihm benannt.

Das bekannteste Fachwerkgebäude in Frauenzimmern, das Strochennest, wurde 1595 vom herzoglich württembergischen Hofmeier Jörg Enzberger als „Enzberger Hof“ gebaut. Von ihm wurde auch das wenige Meter entfernte Erkerhaus in Auftrag gegeben. Enzbergers Epitaph von 1606 befindet sich an der Martinskirche in Frauenzimmern. Beide Gebäude, das Erkerhaus und das Storchennest, wurden vor 25 Jahren renoviert, ebenso – im Rahmen der 1200-Jahr-Feierlichkeiten -  die neue gebaute Riedfurthalle als Sport- und Festhalle eingeweiht. In diesem Jahr wird die Martinskirche renoviert, de in ihrer heutigen Form in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden ist.

Festsonntag am 4. Oktober

Aus Anlass seines 1225-jährigen Bestehens feiert Frauenzimmern am Sonntag, 4. Oktober, ein großes Fest in der Riedfurthalle. Los geht es um 10 Uhr mit einem Erntedankgottesdienst mit Pfarrer Tobias Wacker unter Beteiligung des Kindergartens. Um 11.15 Uhr beginnt die Ansprache von Bürgermeister Ulrich Heckmann gefolgt vom Festvortrag von Stadtarchivar Manfred Göpfrich-Gerweck. Bei einem Stehempfang spielt das Siegfried Liebl Trio im Anschluss. Nachmittags folgen Aufführungen Frauenzimmerner Vereine, für die Bewirtung sorgt Caterer Peter Dzieciol vom Wirtshaus am See in Zaberfeld, Kaffee und Kuchen bereiten die Aktiven der Maienfest GbH  vor.