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Chromglanz und Pferdestärken

Automobilparade im Schwetzinger Schlossgarten

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Allen, die auch am Südzirkel des Schlosses entlang schlenderten, bot sich das, was das Markenzeichen der Oldtimerparade im Schlosspark ist, als da wäre die Verbindung von grandioser Architektur und Gartenpracht mit grandiosen und prächtigen klassischen Fahrzeugen.

Keine Frage, der Titel „AvD Classic-Gala Schwetzingen - International Concours d’Elegance Automobile“ hat es in sich. So ist er zum einen enorm lang und enthält zum anderen außer dem Namen der Veranstaltungsstadt kein einziges Wort, das nicht ausländischen Ursprungs ist. Folglich würden beispielsweise auch nur sehr frankophon geprägte Einheimische ihre Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Verwandte fragen, ob sie nicht Zeit, Lust und Laune hätten, dem „International Concours d’Elegance Automobile“ einen gemeinsamen Besuch abzustatten.
Würde die Frage hingegen „Kommst du mit zur Oldtimer-Gala im Schwetzinger Schlosspark?“ lauten, könnte sich der so Gefragte wohl ein deutlich klareres Bild von jenem Ereignis machen, das er sich nach Auffassung des Fragenden unter keinen Umständen entgehen lassen sollte. Und jede Wette, genau so dürfte es in der Regel auch laufen.

Familientreffen

Laufen ist zugleich ein prima Stichwort für dieses Treffen mit klassischen Automobilen, das auch in diesem Jahr Abertausende ins grüne Herz der Spargel- und Kulturmetropole lockte. Denn man kommt dann, wenn man alle Fahrzeuge unter die Lupe nehmen möchte, in der Tat ganz gut rum. Wobei vor allem eines unübersehbar war, nämlich, dass die Schwetzinger Classic-Gala ein generationenübergreifendes Familienereignis der allerersten Güteklasse ist. Wer also davon ausgeht, dass es sich bei dieser um eine Insider- und Expertenzusammenkunft im großen Stile handelt, irrt gewaltig.

Fachsimpeln und Staunen

Mitmenschen, die sich im Oldtimermilieu allerbestens auskennen, hatten natürlich auch den Weg in den Schlossgarten gefunden, um sich hier noch ein wenig kundiger zu machen, als sie es eh schon sind. Doch dürfte für die allermeisten Besucher schlicht und ergreifend Staunen angesagt gewesen sein. Ja, man kommt mithin zwangsläufig ins Riesenstaunen, wenn man nach der Kontrolle der regulären Eintrittskarten durch das wie immer ebenso freundliche wie auskunftsfreudige Schlosspersonal den Schlosspark in Augenschein nimmt. Regulär muss deshalb erwähnt werden, weil die Classic-Gala selbst nicht einen Cent Eintritt zusätzlich kostete.

 

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Der Bereich vor dem Nordzirkel des Schlosses war ganz und gar diesen herrlichen und sehr seltenen Autos der Marke Stoewer vorbehalten

Überwältigend

Nun ist der Schlosspark bekanntermaßen ja ganz an sich, ob nun als „Weltkulturerbe“ gekrönt oder nicht ein Blickfang auf allerhöchstem Niveau. Doch wenn dann in diesem herrlich-außergewöhnlichen Ambiente auch noch zusätzlich automobile Schmuckstücke in Hülle und Fülle zu bewundern sind, dann ist das einfach überwältigend. Überwältigend ist wiederum ein prima Stichwort für einen Fakt, der bei einer Oldtimer-Präsentation nicht außer Acht gelassen werden darf. Als da wäre, dass es sich bei den hier präsentierten Oldtimern nahezu ausnahmslos um überwältigend teure Fahrzeuge handelt. So teuer, dass sich der für Oldtimer auch gerne verwendete Begriff „Schnauferl“ mithin grundsätzlich verbietet.

Träume in Chrom und mit PS

Angemessener wäre von automobilen Träumen zu sprechen, wobei außer Frage stehen dürfte, dass ein Teil dieser Träume für Otto oder Anna Normalverbraucher auch auf ewig Träume bleiben dürften. „Auf ewig“ würde nur dann nicht zutreffen, wenn solch ein Lottojackpot wie jener der letzten Woche geknackt würde.

Dieser belief sich auf gut 25 Millionen Euro, was nach äußerst viel Geld klingt. Jedoch bloß dann, wenn man sich nicht unbedingt zwei Mercedes-Benz 300 SL Roadster Baujahr 1960 und zwei Ferrari 212 Inter Pininfarina Cabriolets Baujahr 1952 zulegen möchte. Wie bitte, für dieses Oldiequartett sind 25 Millionen auf den Tisch des Autohändlers zu legen? Stimmt nicht ganz, denn im Internet kann der Mercedes für 9.999.999 Euro erworben werden und ein Ferrari für 2.119.000 Euro. Jeweils mal zwei macht das zusammen geschmeidige 24.237.998 Euro, womit dem oldtimerverrückten Jackpotknacker immerhin noch 762.002 Euro verbleiben würden, sei es für die Errichtung einer angemessenen Garage oder als Spritgeld.

 

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Wer bei diesem Anblick spontan ein kleines Mittagsschläfchen ins Auge fasste, wurde krass enttäuscht, denn für nahezu alle Classic-Gala-Exponate galt: Gucken, aber bitte nicht antatschen!

Dickes Lob

Man könnte sich für diesen Betrag aber auch 190.500 und eine halbe Bratwurst gönnen. Eine solche kostete nämlich bei der Classic-Gala vier Euro, war dafür jedoch riesig und schmeckte extrem lecker. Überhaupt muss in diesem Zusammenhang festgehalten werden, dass das kulinarische Angebot im Schlosspark zwar nicht gerade über alle Maßen opulent ausfiel, aber gewiss genügte, um nicht hungrig oder durstig den Heimweg anzutreten. Summa summarum kommt man überdies nicht umhin, Johannes Hübner und seinem Team als „Macher“ der „AvD Classic-Gala Schwetzingen - International Concours d’Elegance Automobile“ zu attestieren, dass deren Planung und Durchführung schlicht blendend bewerkstelligt wurde. Und das alles wie bereits erwähnt „fer umme“ zu genießen war, macht aus einem Lob ein ganz dickes Lob.

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Was könnte besser zusammen als der „King of Rock“ Elvis und us-amerikanische Straßenschlitten? Nichts, weshalb das Elvis-Double exakt in diesem Bereich Hits wie „Fever“ zum Besten gab.

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Wenn man ganz genau hinschaute, entdeckte man wen wohl im Fonds dieser in der Sowjetunion hergestellten „GAZ 13 Tschaika“ Luxuskarre: Klar doch, Leonid Iljitsch Breschnew, den einstigen Parteichef der KPdSU und damit zugleich Staatschef der Sowjetunion!

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Nicht nur vier- sondern auch drei- und sogar zweirädrige Veteranen der Straße hatten den Weg in den Schlossgarten gefunden.
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