Merken

Alarmstufe: Ausrufung steht kurz bevor

Baden-Württemberg startet Impfoffensive

Patientin wird geimpft

fstop123/E+/GettyImages

Angesichts der zunehmenden Belastungen auf den Intensivstationen und der bevorstehenden Alarmstufe startet Baden-Württemberg eine Impfoffensive, um die Haus- und Fachärztinnen und -ärzte zu unterstützen. 

„Uns stehen schwierige Wochen bevor. Das Infektionsgeschehen nimmt rasant zu. Die vierte Welle trifft vor allem die Nicht-Geimpften mit voller Wucht“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Donnerstag, 11. November 2021 in Stuttgart. „Deshalb appelliere ich noch einmal eindrücklich an alle Menschen in Baden-Württemberg, sich gegen das Virus impfen zu lassen. Impfen ist der Weg aus der Pandemie. Dafür fahren wir die Impfkapazitäten im Land jetzt nochmals deutlich hoch – und zwar mit zielgerichteten zusätzlichen Angeboten vor Ort. Die mit der Alarmstufe in vielen Bereichen des Lebens geltende 2G-Regelung ist ein enormer Eingriff, der aber notwendig ist.“

Lage ist angespannt

„Die Lage in den Kliniken ist angespannt, das Pflegepersonal am Limit“, ergänzte Gesundheitsminister Manne Lucha. „Setzt sich der derzeitige Trend mit dieser Geschwindigkeit fort, müssen wir Patientinnen und Patienten bald in andere Bundesländer oder sogar ins Ausland verlegen. Viele Todesfälle und schwere Verläufe wären mit einer Impfung vermeidbar gewesen. Deshalb erhöhen wir die Impfkapazitäten jetzt noch einmal deutlich und machen den immer noch zu vielen Nicht-Geimpften und älteren Menschen für ihre Booster-Impfung ein breites und flächendeckendes Angebot“.

Hospitalisierung und die Inzidenzen aller gibt's hier Kreise täglich aktuell

Flächendeckende wohnortnahe Impfangebote

Mit wohnortnahen Impfstützpunkten wird das Land flächendeckend zusätzliche Kapazitäten schaffen, um die Hausärztinnen und Hausärzte zu unterstützen. Dafür steht jedem Stadt- und Landkreis mindestens ein mobiles Impfteam zur Verfügung. Die mobilen Impfteams sind bei den bisherigen zwölf Krankenhausstandorten des Landes angedockt. Nun soll deren Zahl noch einmal auf insgesamt 155 erhöht werden. Mit den mobilen Impfteams werden in den Stadt- und Landkreisen feste Impfstützpunkte eingerichtet.

„Durch dieses Angebot schaffen wir eine flexible Versorgungsstruktur und nehmen gezielt die Situation vor Ort in den Blick. Wir gehen dahin, wo wir die Menschen erreichen. Das ist effektiver und schneller umsetzbar als große dezentrale Impfzentren“, so Minister Lucha. „Gerade für ältere Menschen sind die Wege dadurch kürzer.“

23.000 Impfungen täglich möglich

Mit den geplanten Impfstützpunkten sollen pro Team/Stützpunkt pro Tag rund 130 Impfungen durchgeführt werden – das gilt für dringend notwendige Erstimpfungen genauso wie für die sogenannten Booster- beziehungsweise Auffrischimpfungen. Insgesamt können auf diesem Wege täglich bis zu 23.000 Impfungen durchgeführt werden – zusätzlich zu den Impfungen, die über die niedergelassene Ärzteschaft erfolgen. Ob die Impfangebote vor Ort als offenes Impfen oder auch für bestimmte Gruppen mit Terminvereinbarung angeboten werden, entscheiden die Kommunen.

Booster-Impfung für alle ab 12 Jahre empfohlen

In den vergangenen Wochen sind bereits über 350.000 Auffrischungsimpfungen vor allem in Pflegeeinrichtungen, bei Personen über 70 Jahren sowie weiteren vulnerablen Gruppen im Land durchgeführt worden. Grundsätzlich können sich in Baden-Württemberg alle Menschen impfen lassen, deren Zweitimpfung sechs Monate zurückliegt. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson ist eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff bereits nach vier Wochen möglich. Ob eine Impfung durchgeführt wird, entscheidet die impfende Ärztin oder Arzt.

„Eine deutliche Aufstockung der Impfangebote ist jetzt nicht nur wichtig, sondern auch sehr dringend“, so der Präsident des Städtetags Baden-Württemberg, Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz. „Wir sehen in allen Städten, dass die niederschwelligen Angebote vor Ort nach wie vor am besten angenommen werden. Dort sind die Menschen sogar bereit, längere Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Wir appellieren an das ärztliche Fachpersonal, diese Kraftanstrengung mit uns gemeinsam zu stemmen.“

Impfen ist das Gebot der Stunde

„Impfen ist das Gebot der Stunde“, ergänzte Steffen Jäger, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags Baden-Württemberg. „Deshalb ist es richtig, dass seitens des Landes zielgerichtet Impfangebote in Ergänzung zum Regelsystem der niedergelassenen Ärzte ermöglicht werden. Es gilt die Impfung niedrigschwellig zu gestalten und nahe zu den Menschen zu bringen – sowohl beim grundlegenden Impfschutz als auch beim Boostern. Die Kommunen wollen und werden das Land und die Haus- und Fachärzte dabei unterstützen. Dies kann sowohl in Form fester Impfstützpunkte in den Stadt- und Landkreisen als auch in Form dezentraler Impftage in der Fläche stattfinden. Die Bereitschaft in den Kommunen, sich hier mit ihrer Organisationskraft einzubringen, ist groß. Die Entscheidenden Gelingensfaktoren werden aber sein: wenig Bürokratie und gezielte Finanzierung der entstehenden Kosten.“

Auch für den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg Dr. Norbert Metke stellt das den richtigen Weg dar. „Unsere niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte sind enorm gefordert. Nicht nur die Impfung, auch die hohen Corona-Infektionen und die Grippeschutzmaßnahmen stellen eine hohe zusätzliche Anforderung neben dem normalen Praxisbetrieb dar. Wir brauchen aktuell alle Impfkapazitäten. Wir begrüßen daher die Maßnahmen der Landesregierung. Wir selbst sind aktuell dabei, mit eigenen Maßnahmen die Zahl der Impfungen noch zu erhöhen. Wichtig dabei waren in jüngster Vergangenheit Erleichterungen, wie etwa die Rückkehr zum Bestellrhythmus auf Wochenbasis für die Praxen, die auch durch maßgebliche Initiative der Landesregierung in Berlin durchgesetzt werden konnten.“

Ausrufung der Alarmstufe und damit von 2G steht kurz bevor

Langfristig führt der Weg aus der Pandemie alleine über das Impfen. Weil aber kurzfristig eine Überlastung der Intensivversorgung in den Krankenhäusern droht, müssen in weitergehende Maßnahmen ergriffen werden. Während im Bund über die Einführung von 2G Regelungen diskutiert wird, hat sich Baden-Württemberg für diesen Weg bereits entschieden. Mit dem Ausrufen der Alarmstufe haben in vielen Bereichen nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. Auch andere Maßnahmen, die auf Bundesebene zur Debatte stehen, werden in Baden-Württemberg bereits umgesetzt. Dazu gehören etwa tägliche Testungen in Alten- und Pflegeheimen und eine Testannahmepflicht für nicht-geimpfte und nicht genesene Beschäftigte am Arbeitsplatz.

Dranbleiben-BW: Informationen zur Impfung sowie Vor-Ort-Termine

Für Fragen rund um die Impfungen in Baden-Württemberg können sich Bürgerinnen und Bürger auch an die Corona-Hotline des Landes wenden. Diese ist unter der 0711/410-11160 montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar und steht für Fragen in Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch und Russisch zur Verfügung.

Die Corona-Regelungen auf einen Blick (gültig ab 28. Oktober 2021) (PDF)

Weitere Informationen und Artikel:

► Baden-Württemberg ruft Warnstufe aus

► Das muss man jetzt in Restaurants beachten

Ab sofort 2G: Das gilt jetzt beim Besuch in Club und Disco

► Gesundheitsminister Lucha ruft zur Grippe-Impfung auf

► Curevac zieht Impfstoffkandidat der 1. Generation zurück

Corona-Tests ab sofort nicht mehr kostenlos

► Umfrage zur Impfbereitschaft: Mehrheit der Ungeimpften prinzipiell bereit

► Baden-Württemberg lockert Maskenpflicht an Schulen

► Einigung: Weihnachtsmärkte 2021 finden trotz Corona wieder statt

► Dritte Impfung in BW jetzt schon für Personen ab 60 Jahren

► Neue Corona-Verordnung ab 16.9. - PCR-Test und 2G für Ungeimpfte

► Neue Corona-Regeln Kita und Schule ab 13. September

► Steuersünder anonym anzeigen - Hinweisgeberportal in BW gestartet

► Schnelltest für zuhause - so klappt's (mt Video)

► Schützt Vitamin D vor Corona?

Ministerpräsident Kretschmann zur aktuellen Corona-Lage (17.9.)

In einem Video-Podcast richtet sich Ministerpräsident Kretschmann an die Bürgerinnen und Bürger, die sich noch nicht haben impfen lassen und wirbt erneut für die Corona-Impfung. Sie schützt nicht nur einen selbst, sondern auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können.

hier geht's zum vollständigen Artikel mit Winfried Kretschmann

CORONA-PANDEMIE: Drei Dinge machen DELTA so gefährlich - und nur eine Strategie hilft dagegen

Im WELT Interview erklärt der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs warum die Delta-Variante so gefährlich ist.

Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg

Die jeweils aktuelle Fassung finden Sie immer unter diesem Link auf der Seite der Landesregierung.