Merken

Start in die Saison

Barockschloss Mannheim ist das Schloss des Jahres 2021

Barockschloss Mannheim

Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Aus der Luft wird die beeindruckende Größe des Schlosses sichtbar, das mit einer Schaufront von über 400 Metern Länge zu den größten Schlössern Europas zählt.

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg haben in der Zeit der Schließung neue Besuchserlebnisse auf den Weg gebracht. Heute stellte Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg zusammen mit der Leiterin der Schlossverwaltung Sonja Menold und der zuständigen Konservatorin Dr. Uta Coburger das Programm der kommenden Monate vor. Als besonderes Highlight konnte der neue Raum „Das Schloss durch die Jahrhunderte“ präsentiert werden. Außerdem erhält die ehemalige kurfürstliche Residenz eine Auszeichnung: Schloss Mannheim wird zum „Schloss des Jahres 2021“ ernannt. Ein weiterer Programmpunkt war die Vorstellung von Sonja Menold als neue Leiterin der Schlossverwaltung.

Eine der größten Residenzen Europas

Lange Schließungszeiten aufgrund der Corona-Pandemie und während der Öffnung ein stark eingeschränkter Betrieb: Das kennzeichnete das vergangene Jahr bis weit in dieses Jahr hinein. Mit einer Besucherzahl, die in normalen Jahren bei über 60.000 liegt – 2019 waren es 62.214 Gäste –, ist das Barockschloss Mannheim ein gut besuchtes Monument. 2020 brach die Zahl der Gäste um 72,8 Prozent ein: 16.896 Menschen kamen in die ehemalige kurfürstliche Residenz. „Unser Ziel für die kommende Zeit ist es, viele attraktive Besuchsanlässe zu schaffen – und dies haben wir hier im Schloss in exzellenter Weise umgesetzt“, erklärte Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. „Deshalb erhält das Barockschloss mit seinen spektakulären neuen Angeboten den Titel ‚Schloss des Jahres‘. Unsere Gäste können sich auf eindrucksvolle Erlebnisse freuen.“

Schloss des Jahres 2021

Auszeichnung zum Schloss der Jahres 2021

SSG / Simon Sporenberg

Mannheimer Schloss erhält Auszeichnung zum Schloss des Jahres 2021

Schloss, Kloster oder Burg des Jahres – mit diesem Titel zeichnen die Staatlichen Schlösser und Gärten in jedem Jahr ein Monument aus, in dem sich besonders viel getan hat. In diesem Jahr wird das Barockschloss Mannheim dazu ernannt. Es erhält die Auszeichnung für seine neuen Besuchsangebote. Drei große Projekte konnten in den vergangenen Monaten umgesetzt werden: Der „Erlebnisraum Hofmusik“ erschließt mit Original-Instrumenten, Audiostationen und Filmen die musikalische Glanzzeit des Schlosses unter Kurfürst Carl Theodor mit seinem Mannheimer Hoforchester. Das kürzlich präsentierte Projekt „Glanz der Kurfürsten – ein virtuelles Erlebnis“ ermöglicht den Gästen mit neuester Technik, virtuell auf Zeitreise zu gehen und das verlorene Paradeschlafzimmer des Kurfürsten Carl Philipp zu entdecken. Heute konnte ein drittes neues Angebot präsentiert werden: Der neu gestaltete Raum „Das Schloss durch die Jahrhunderte“ bietet den Besucherinnen und Besuchern einen anschaulichen Eindruck der Entwicklung von Stadt und Residenz von ihrer Gründung bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Neues Besucherangebot "Das Schloss durch die Jahrhunderte"

Innnenraum der Schlossgeschichte

SSG / Simon Sporenberg

Innenraum der Schlossgeschichte

Der heute eröffnete Raum der Schlossgeschichte lädt zu einer Entdeckungstour durch die Jahrhunderte ein. In acht Stationen – vom „Dorf“ bis zum „Behördenschloss“ – lernt der Gast die historischen Etappen der Stadt und der Residenz bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts anhand wertvoller Exponate, Fotografien, Grafiken und Reproduktionen kennen. Die Ausstellung ist ein Projekt der wissenschaftlichen Volontäre der Staatlichen Schlösser und Gärten. Jonas Hock M.A. entwickelte das Ausstellungskonzept und betreute den Leihverkehr, während Simon Sporenberg M.A. den Aufbau koordinierte.

Geschichte anschaulich gemacht

Der Bogen der Geschichte beginnt mit dem Dorf. Hier werden archäologische Funde wie Gürtelschnallen gezeigt, die aus der damaligen Zeit stammen. Die Wandgrafik illustriert die unterschiedlichen Höhenschichten und damalige Besiedelung auf dem Hintergrund des heutigen Stadtplans. Weiter geht es mit der Festung und Gründung der Stadt Mannheim durch Kurfürst Friedrich IV. im Jahr 1607: historische Bleikugeln und eine für die damalige Zeit typische Waffe, eine Muskete, sind zu sehen. Die nächste Station zeigt den Wandel der Stadt und der Festung unter Kurfürst Ludwig. Es folgt die Gründung der Residenz in Mannheim und der damit verbundene Umzug von Kurfürst Carl Philipp im Jahr 1720. In der Vitrine ist dazu ein historisches Stuckornament von Paul Egell mit dem Habsburger Doppeladler zu sehen, das ursprünglich im Rittersaal zu verorten ist. Mit Keramikscherben eines Ofens und einem original erhaltenen Nachttopf wird zum einen auf alltägliche Gegenstände im Schloss verwiesen, zum anderen auf die bedeutende Frankenthaler Porzellanmanufaktur, die von Kurfürst Carl Theodor gegründet wurde. Der verlorengegangene Schlossgarten wird in der nächsten Station thematisiert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fällt Mannheim dem Großherzogtum Baden zu und das Schloss blüht insbesondere unter Großherzogin Stéphanie neu auf. Nach ihrem Tod 1860 verlor das Schloss seine Funktion als Wohnsitz und das prachtvolle Kaiserliche Appartement diente nur noch zu Repräsentationszwecken. Weite Teile des Schlosses wurden umgenutzt und fielen Behörden, wie der Rheinschifffahrtskommission, zu. Damit endet die in diesem Raum thematisierte Schlossgeschichte. Bilder der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Residenz sind im angrenzenden Schlossflur zu sehen. 

Kombiticket von Mitte Juli bis September 

Ein besonderes Angebot hält die Schlossverwaltung Mannheim in Zusammenarbeit mit der Schlossverwaltung Schwetzingen für Familien in den Sommerferien bereit: Vom 15. Juli bis zum 15. September können die beiden kurfürstlichen Residenzen mit einem Kombiticket erkundet werden: In Schwetzingen enthält es den Eintritt in den Schlossgarten, in Mannheim den freien Rundgang im Schloss inklusive Audioguide. „Mit diesem Angebot wollen wir unsere Gäste einladen, die Radroute zwischen den beiden kurfürstlichen Schlössern, also den Weg von Sommerresidenz zu Winterresidenz und umgekehrt, kennenzulernen“, erläutert Schlossverwalterin Sonja Menold. Das Kombiticket kostet 33,50 Euro für Familien, 13,50 Euro für Erwachsene und 6,50 Euro ermäßigt und kann an unterschiedlichen Tagen eingelöst werden. Zusätzlich erhält jeder Gast noch eine kleine Überraschung an der jeweiligen Schlosskasse. 

Ausbau des digitalen Angebots

Die schon seit Jahren laufende Entwicklung der digitalen Erschließung der Monumente treiben die Staatlichen Schlösser und Gärten jetzt voran. Zur Verbesserung des Besucherangebotes ist für Schloss Mannheim die Umsetzung des Audioguides, mit dem sich die Schätze der Residenz auf eigene Faust entdecken lassen, in das neue Format eines Multimediaguides in Arbeit – wie für weitere elf wichtige Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten. Der Erscheinungstermin dieser App ist für Ende September 2021 geplant. 

Themenjahr Exotik

Bei den Staatlichen Schlössern und Gärten hat das Themenjahr 2021 begonnen: „Exotik. Faszination und Fantasie“ lautet das Jahresmotto – und im Schloss Mannheim sind vielfältige Einflüsse aus fernen Ländern zu entdecken, etwa bei den Tapisserien der Neu-Indien-Serie, die im Erdgeschoss des Schlossmuseums zu bewundern sind. Sie zeichnen das Idealbild einer tropischen Gegenwelt im Naturzustand. Aber auf dem scheinbaren Paradies liegt bereits – zumal aus heutiger Sicht – der Schatten von Kolonialismus und Sklavenarbeit. Die Themenjahre sind für die Staatlichen Schlösser und Gärten immer wieder eine Gelegenheit, neue Sichtweisen auf die Monumente zu entwickeln – für die Besucherinnen und Besucher, die das Thema etwa bei neu konzipierten Sonderführungen erleben können: In Schloss Mannheim finden diese zweimal im Monat statt, und zwar donnerstags um 17 Uhr (ab 15.7.). Genaue Termine werden auf der Homepage zu finden sein.

Sonja Menold - die neue Leiterin des Schlossverwaltung

Neue Leiterin der Mannheimer Schlossverwaltung Sonja Menold

Maria Schumann

Sonja Menold - die neue Leiterin der Mannheimer Schlossverwaltung

Seit März dieses Jahres ist Sonja Menold die neue Leiterin der Schlossverwaltung Mannheim. „Ich bin gut in der Stadt und im Schloss angekommen“, berichtete Sonja Menold. Viele Themen stehen auf ihrer Agenda: von Notfallplänen über die Fahrradfreundlichkeit des Schlosses und die Organisation des Betriebs bis hin zur Neuaufstellung des Shops und der Konzipierung neuer Besucher- und Führungsangebote. Sonja Menold studierte – nach einem Bachelorabschluss in Kulturpädagogik an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach – Allgemeine Finanzverwaltung an der Hochschule Ludwigsburg. Schon während dieses Studiums absolvierte sie ein Praktikum bei der dortigen Schlossverwaltung. Nach ihrem Abschluss erhielt sie die Stelle der stellvertretenden Leiterin der Schlossverwaltung Ludwigsburg. Hier war Sonja Menold insbesondere für Sicherheitsthemen wie Arbeits- und Brandschutz zuständig. Auch der Betrieb des Schlosses Favorite gehörte zu ihren Aufgaben. Diese Erfahrungen kann sie für ihren neuen Aufgabenbereich nutzen. Schloss Mannheim stellt auch neue Anforderungen an sie als die Leiterin der Verwaltung: Es ist ein großes, überregional bedeutendes Monument mit mehreren Dauerausstellungen. „Die Erhaltung einer hohen Besucherzahl ist eine große Herausforderung. Hierin sehe ich daher meine Hauptaufgabe: die Gewinnung neuer Zielgruppen für das wunderbare Schloss der Kurfürsten“, sagte Sonja Menold. 

Burgenstraße im Südwesten - Eine Reise in die Vergangenheit