Merken

232 Unterschriften übergeben

Bauvorhaben entspreche „nicht dem Siedlungscharakter“

Fritz Martini, Monika und Erich Markowitsch, Martina Hillebrand und Stefan Pfeffer (v. l.).

Foto bw

Fritz Martini, Monika und Erich Markowitsch, Martina Hillebrand und Stefan Pfeffer (v. l.).

Grundsätzlich haben die Überbringer von Unterschriften nichts gegen eine Bebauung am Rande ihres Wohngebietes auf dem Bergfeld. Sie lehnen allerdings den Vorschlag der Firma Sommer und Lauber GmbH aus Lauda-Königshofen ab, den diese am 13. Februar diesen Jahres für das Flurstück gegenüber der Kirche „Maria Königin“ und dem katholischen Kindergarten in der öffentlichen Gemeinderatssitzung vorstellte.

Vorgeschlagen worden waren die Errichtung von insgesamt 50 Wohnungen, die in sieben dreigeschossigen Baukörpern mit zurückgesetztem Dachgeschoss untergebracht werden sollen. 232 Bürgerinnen und Bürger aus dem Bergfeld haben sich nun mit ihrer Unterschrift der Meinung der Überbringer, das sind Monika und Erich Markowitsch, Martina Hillebrand, Fritz Martini und Stefan Pfeffer angeschlossen und damit ein klares Signal für ihren Mosbacher Stadtteil gesetzt. Erich Markowitsch wertet dies als „ein sehr gutes Ergebnis“ für seinen Heimatstadtteil. Er bekräftigte wiederholt seine Position, sich nicht  grundsätzlich gegen eine Bebauung, sondern gegen die vorgestellte Projektvariante auszusprechen, da diese seiner Meinung nach „nicht dem Siedlungscharakter des Bergfelds entspreche und das Bergfeld damit überfordert werde“.

Oberbürgermeister Michael Jann, der die Unterschriften entgegennahm, betonte, dass bisher nur ein Aufstellungsbeschluss für ein B-Plan-Verfahren gefasst worden sei. Inzwischen gäbe es einen weiteren Interessenten für dieses 8.500 Quadratmeter große städtische Grundstück. Ein zweiter Schritt wäre jetzt, so Jann, dass der Vorhabensträger seinen Bebauungsplan einreiche. Wie immer der auch aussehen mag, es werde eine Offenlegung gemacht, in deren Zuge auch private Einwendungen erfolgen könnten.

Der formale Verfahrensweg werde eingehalten. Außerdem überlege man, ein Interessenbekundungsverfahren einzuleiten. Markowitsch fragte an, ob es seitens der Stadt Möglichkeiten gäbe, Vorgaben zu machen wie dieses Grundstück zu bebauen sei, beispielsweise mit Reihen- und Doppelhausbebauung, so dass ein Bauträger nicht „hoch verdichtet“ planen könne. Von einer „Hochverdichtung“ mochte das Stadtoberhaupt indessen nicht sprechen, allenfalls von einer „mittleren Verdichtung“, die im übrigen mit der Landesbauverordnung konform gehe. Daher wäre es auch „nicht ungewöhnlich, dass Einfamilienhäuser neben drei- bis viergeschossigen Gebäuden stehen“.

Verantwortung

Erich Markowitsch zeigte sich seinerseits entschlossen, die vorgestellte Bebauungsplanung mit demokratischen Mitteln zu verhindern, stelle sich doch gerade der Randbereich des Bergfelds „als Visitenkarte und Eingangsbereich“ dar. Er begründet seinen Antrieb und sein Engagement für diese Sache wie folgt: „Das Schlimmste wäre, wenn die Bebauung so kommen würde, wie präsentiert und man sich sagen müsste, hätten wir mal etwas dagegen getan“. Nach seinem Verständnis sind Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie auch dazu aufgerufen zu versuchen, Entscheidungen auf demokratischem Wege zu beeinflussen. Monika Markowitsch ergänzte, dass „man auch eine Verantwortung habe gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die dort bereits wohnen“. Dem stimmte Jann zu.

Eindruck

Fritz Martini drängt sich der Eindruck auf, dass es für das Bergfeld - und nicht nur dort - keinen Stadtentwicklungsplan gebe. „Wenn es aus rechtlichen Gründen mit dem ersten Anlauf einer Grundstücksbebauung nicht klappt“ (zur Erinnerung: Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte zuvor auf dem ursprünglich vorgesehenen Grundstück die Errichtung von Lärmschutzwänden gefordert, wobei ein bestimmter Abstand hätte eingehalten werden müssen), „verlegt man das beabsichtigte Bauvorhaben einfach auf das Nachbargrundstück“. Verstimmt zeigte sich Martini auch darüber, dass einzelne Bürgervertreter im Gemeinderat nicht über das Kindergartenangebot im Bergfeld im Bilde gewesen seien. Er wie auch Stefan Pfeffer hätten sich zunächst einen „grundsätzlichen Plan für die Bebauung des Bergfeldes gewünscht und nicht bereits die Vorstellung eines dezidierten Bauvorhabens“.

Pfeffer lud die Räte ein, sich die „Sache mal vor Ort anzusehen“. Martini argwöhnte, dass im Mosbacher Gemeinderat manchmal nicht alle Informationen bekannt seien und die Hand vorschnell gehoben werde, bei dem was die Verwaltung vorschlage. Jann versteht „die Erregung“. Aber was den Eindruck einer vorschnellen Abstimmung im Gemeinderat angehe, sei er entschieden anderer Auffassung. Kein Rat hebe einfach mal so „schnell die Hand hoch“. Im Sitzungsvorfeld finde im technischen Ausschuss eine nicht öffentliche Vorberatung statt, die dann in den Fraktionssitzungen zur Vorbereitung der öffentlichen Ratssitzung weiter erörtert und beraten werde.

Dass die Nachfrage nach Wohnraum unbestritten sei, dem können wohl alle zustimmen. Nur wie diese genau befriedigt werde, dazu gebe es unterschiedliche Ansichten. Dabei hätten die anwesenden Bürgerinnen und Bürger des Bergfeldes es gerne so, dass sich die Planungen dem Siedlungscharakter des Bergfeldes anpassten, während die Verwaltung vor allem die Schaffung von Wohnraum im Blick habe.

E. Markowitsch erinnerte das Stadtoberhaupt zum Abschluss des Treffens an die Gemeinderatssitzung vom 13. Februar. Hier sei bei der Beratung zur Errichtung eines Mehrfamilienhauses in Neckarelz auf dem Parkplatz des ehemaligen Penny-Marktes aus den Reihen des Gemeinderates angemerkt worden, dass dieses Vorhaben „sensibel“ behandelt werden müsse. Eine derartige Sensibilität wünschen sich die Aktivisten nun auch für das Bauvorhaben im Bergfeld. Als nächsten Schritt kündigte E. Markowitsch an, verstärkt an die Kandidaten im Kommunalwahlkampf herantreten zu wollen, um die eigene Vorstellung zu befördern.