Standort wählen

Ihr Standort

Wir haben folgende Stadt für Sie erkannt:

Bestätigen

Wir konnten Ihren Standort leider nicht bestimmen. Für die Ausspielung regionalisierter Inhalte ist die Angabe eines Standorts notwendig.
Bitte geben Sie Ihren Standort in das Suchfeld ein. Mit dem Klicken des Bestätigen-Buttons wird der Standort übernommen.

Webcode verwenden

Was ist ein Webcode?

Die Webcode-Funktion ermöglicht eine direkte Weiterleitung zu Inhalten auf lokalmatador.
Über die Eingabe des jeweiligen Webcodes (z.B. ausflug-42) in das Suchfeld und Klicken des Pfeil-Buttons werden Sie auf den entsprechenden Inhalt weitergeleitet.

Ein Jahr Akademie für Vielfalt

„Bei uns sind Menschen gleich viel wert“

Claudia Funke vor dem „Hauptquartier“ der Akademie, dem Bouleclub.

ric

Claudia Funke vor dem „Hauptquartier“ der Akademie, dem Bouleclub. Sie leitet die Weinheimer Niederlassung der Akademie für Vielfalt.

In Mannheim ist Andrea Frankenbach seit längerem tätig. Ihre 2016 gegründete „Akademie der Vielfalt“ ist eine feste Größe unter den Gruppen und Initiativen, die sich um soziale Vielfalt bemühen. Vor einem Jahr hat die Weinheimer Projektleiterin Claudia Funke die Idee auch in Weinheim etabliert. Beide Damen geben Rück- und Ausblicke zu ihrer Arbeit.

Ihren Ursprung fand die Akademie mit der Flüchtlingsthematik, die 2015 über die Region hereinbrach. Während sich viele freiwillige Helfer beispielsweise Sprachkurse vermittelten, ging Andrea Frankenbach einen anderen Weg. Sie sah nicht nur die Defizite eines Menschen, die behoben werden müssten, sondern wollte von Anfang an auch das Potenzial und die Vorzüge der Neuankömmlinge in den Mittelpunkt stellen, um somit deren Selbstwertgefühl zu stärken. Durch den interkulturellen Austausch wurde schnell ein Umfeld geschaffen, indem sich die Geflüchteten wertgeschätzt und nützlich fühlten. „Das andere im Anderen finden“ lautet seitdem ein Leitspruch der Akademie. Geprägt von diesen positiven Erfahrungen wurde die Grundidee auf alle Bürger erweitert: Jeder Mensch, egal ob krank, mit Handicap oder ohne, Flüchtling oder „Ureinwohner“, hat etwas zu geben. „Wir sind realistische Idealisten, die sich vorgenommen haben, die Welt im Kleinen ein bisschen schöner zu gestalten“, lacht Andrea Frankenberg beim Gespräch.

Ideen und Herzblut

Auf der Suche nach Kooperationspartnern begegnete Frau Frankenbach 2016 Claudia Funke. Beide eint der Ansatz, die Stärken von oftmals benachteiligten Menschen zu fördern. „Diese Menschen werden nur in ihren vermeintlichen Defiziten und Schwächen wahrgenommen und oft stigmatisiert“, erzählt Frau Funke. „Hier setzt die Akademie für Vielfalt an. Wir gehen davon aus, dass jeder Mensch auch seine Stärken hat und seine durch besondere Lebenserfahrungen gewonnenen Kenntnisse und Fähigkeiten als Vielfaltsexperte in einem geschützten Raum anderen vermitteln kann.“
Frankenbach und Funke, die zeitweilig in einer Mehrgenerationen-WG unter einen Dach lebten, kommen überein, in Weinheim einen neuen Standort der Akademie für Vielfalt zu eröffnen. Doch was ist ein Vielfaltsexperte und wie sieht das Konzept der Akademie nun aus? „Das Tun verbindet die Menschen“, ist sich die Weinheimer Leiterin Funke sicher. Ihr im Sommer 2017 gegründeter Ableger der Akademie funktioniert wie folgt: Ein Bürger bietet beispielsweise einen Mal-Kurs an. Frau Funke und ihr ehrenamtliches Team beraten und planen dann diesen Kurs. Sie organisieren Örtlichkeiten und Mal-Utensilien und bewerben die Veranstaltung, damit mindestens fünf Teilnehmer zusammenkommen. Mitmachen kann jeder, egal wie alt, egal welcher soziale Hintergrund, egal woher er oder sie kommt.

Hipster trifft Oma

Die sogenannten Mutmacher gehen mit dem Anbieter des Kurses den Ablauf durch, denn vor einer Gruppe einen Kurs zu moderieren und damit das eigene Wissen weiterzuvermitteln ist für viele „Dozenten“ Neuland. Die Teilnehmer des jeweiligen Angebots spenden dem Anbieter so viel Geld wie ihnen möglich und angemessen ist. Das kann auch dazu führen, dass ein Kursleiter mal ohne Geld nach Hause geht. Die Akademie ist daher auf kursunabhängige Spenden angewiesen. So entsteht ein Programm von Menschen für Menschen. In Zukunft möchte die Akademie auch selbst Kurse anbieten, im Vordergrund bleiben jedoch die Angebote der Bürgerseite. Am besten läuft bisher der „Aus Alt mach Neu“-Kurs. „Hier treffen sich junge Hipster, für die das Upcycling ein Lebensgefühl ist, mit alten Omas, die ihnen beibringen, wie man Socken stopft“, erzählt Frau Funke mit leuchtenden Augen. Auch was die soziale Herkunft angeht, prallen hier Welten aufeinander. „Hier packen Menschen gemeinsam an, die auf offener Straße – wohl ohne sich eines Blickes zu würdigen – aneinander vorbeigehen würden“, berichtet die Projektleiterin. An ihren Ausführungen spürt man, wie emotional die Arbeit an der Akademie für Claudia Funke ist: Auf der einen Seite die Glücksmomente, wenn ein Kursleiter seinen Workshop gewuppt hat und sich überschwänglich bei seinen Mutmachern und Helfern der Akademie bedankt. Auf der anderen Seite stehen Einsamkeit, Ausgrenzung sowie Vorurteile, die nachdenklich stimmen. Auch Anfeindungen aus dem rechten Spektrum der Gesellschaft, die sich am Namen der Akademie stören, gehören dazu, erzählt Frau Funke.

Projekt „Wohnzimmer“

Zu dem bisher größten Projekt, für das sich die Akademie für Vielfalt einsetzt, gibt es Neues zu vermelden. Das Café „Wohnzimmer“, das in Kooperation mit dem Bürgerverein Weinheim West betrieben werden soll, wird möglicherweise in naher Zukunft eröffnet. Claudia Funke gibt sich optimistisch.
Insgesamt überwiegen bei der Projektleiterin die positiven Aspekte. Die Weinheimer bieten und nehmen die Kurse sehr gut an, die Akzeptanz der Akademie – die vor allem in der Weststadt tätig ist – steigt von Tag zu Tag. „Die Leute sehen, dass wir nicht babbeln sondern tun“, erklärt sie das Erfolgsrezept. Und dass jeder willkommen ist. „Bei uns sind alle Menschen gleich viel wert.“