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Im Gespräch: Uwe Dörner

„Beim Lesen taucht man in eine andere Welt ein“

Uwe Dörner und seine Frau Ute

Schuster/kaufinBW

Die Dörners - Uwe Dörner und seine Frau Ute - sind Buchhändler aus Leidenschaft.

Uwe Dörner ist Buchhändler mit und aus Leidenschaft. Und mit seiner Buchhandlung, die er zusammen mit seiner Frau Ute bereits in zweiter Generation führt, auch seit Beginn bei kaufinBW mit dabei. Im Gespräch mit der Lokalmatador-Redaktion verrät er, was ihn am Medium Buch so fasziniert, warum Bücher immer Konjunktur haben und wie sich Online-Handel und Corona-Krise auf sein Geschäft auswirken.

LOKALMATADOR.DE (LM): Herr Dörner, was fasziniert Sie an Büchern?

Uwe Dörner: Man dachte ja schon oft, dass das Buch durch die digitalen Medien der Vergangenheit angehört. Aber das „In-eine-Welt-versinken“ beim Lesen ist etwas anderes als Fernsehen zu schauen oder online zu konsumieren. Man taucht in eine andere Welt ein. Ein Erlebnis, das ein Nichtleser gar nicht nachvollziehen kann. Denn das Ganze spielt sich im eigenen Kopf ab. Und wenn jemand gerne liest, dann bleibt er bei dieser Leidenschaft. Viele brauchen auch dieses haptische Erleben, ein schönes Buch in der Hand zu haben, die Seiten umzublättern. Für mich ist das auch etwas anderes, als ein E-Book zu lesen. Viele sagen ein Buch zu lesen, ist wie einen guten Wein zu trinken (lacht).

LM: Warum sollte man „echte“ Bücher lesen?

Dörner: Weil das ein Erlebnis ist, das durch kein anderes Medium ersetzt werden kann. Alles spielt sich in der eigenen Fantasie ab. Und was Fachbücher betrifft, stelle ich immer fest, dass ein Ratgeber oder ein Sachbuch, das Autoren zusammengestellt haben, eine unglaubliche Ergänzung darstellt. Es gibt heute eine Flut an digitalen Inhalten zu allen Themen, aber leider auch viel Falsches – sei es aus Werbezwecken geschrieben, oder „Fake News“. Ein gutes Buch von einem guten Autor bietet nach wie vor eine unverzichtbare, gefilterte, eingeordnete Meinung. Das hat eine andere Wertigkeit, da steht Verantwortung dahinter, Autoren und ein Verlag.

LM: Dachten Sie schon einmal, dass die Digitalisierung eine Gefahr für Sie darstellt?

Dörner: Es gab einmal einen Punkt, an dem man dachte, dass eBooks den Markt revolutionieren. Am Anfang wurde von 80 Prozent Digitalisierung geredet. Die Zuwachsraten waren deutlich, aber bei weitem nicht im prognostizierten Bereich. Statistisch liegt der eBook-Anteil bei ca. 10 - 12 Prozent. Das Haptische am Buch und vielleicht auch diese Sehnsucht nach etwas Analogem zwischen Fernsehen und Bildschirmen hat sich durchgesetzt Ein Buch ist etwas Monogames. Bei einem Buch kann ich nichts drücken, da bin ich nicht abgelenkt. Wenn ich lese, muss ich in die Welt des Buches abtauchen. Dazu brauche ich Ruhe. Es ist im Prinzip wie eine Meditation. Das unterscheidet das Buch von allem anderen Medien und macht es einzigartig. Deshalb denke ich, dass das Buch auch in Zukunft, egal was passiert, einen Stellenwert in der Gesellschaft haben wird.

Frau mit Klindern liest

Getty Images plus

Das Buch hat laut Experte Uwe Dörner trotz Digitalisierung einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft.

LM: Auch der Onlinehandel hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Wie begegnen Sie dieser Entwicklung?

Dörner: Corona wirkte wie ein Brandbeschleuniger. Es gab in Baden-Württemberg Zeiten, da ging nicht einmal Click & Collect. Da war man gezwungen online zu kaufen und sich beliefern zu lassen. Das hat den Markt erschüttert. Es gibt eine Veränderung hin zum Onlinemarkt. Aber es gibt natürlich auch dort für Händler Chancen. Ein Einzelhändler muss heute alle Kanäle bespielen. Er muss einen attraktiven Laden haben, mit einer angenehmen Verweilatmosphäre, aber er muss auch parallel dazu seine digitalen Kanäle bespielen. Unsere Online-Zuwachsraten während des Lockdowns betrugen zeitweilig über 100 Prozent. Man muss hoffen, dass die Menschen auch an die Händler vor Ort denken.

Lokal statt global

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LM: Sie sind von Anfang an auch bei kaufinBW. Wie hilft Ihnen kaufinBW speziell bei ihrer Onlinepräsenz?

Dörner: Das Prinzip, dass sich viele lokale Händler in einer Plattform zusammenschließen, ist sinnvoll. Es ist heute eben wichtig, online präsent zu sein, um den Kunden zu erreichen. Gleichzeitig muss auch die Information da sein, dass ich bei meinem Händler vor Ort Bücher bestellen kann. kaufinBW hat mit der unheimlich starken Marketingmacht und dem Potential von Nussbaum Medien eine wirkliche Perspektive. Deshalb möchte ich da auch dabei sein.

LM: Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit?

Dörner: Die Möglichkeit eine Plattform für Baden-Württemberg zu schaffen. Fakt ist: Wir erreichen mit kaufinBW neue Kunden. Und zwar aus ganz Baden-Württemberg. Der Mehrwert ist die Werbung. Ich sehe kaufinBW als Marketinginstrument und als sich entwickelnde Plattform mit Zukunftschancen.

Buchhandlung Dörner in Wiesloch

Schuster/kaufinBW

Die Buchhandlung Dörner in Wiesloch bietet ein breitgefächertes Angebot an Literatur in vielen Sparten und für Groß und Klein.

LM: Was wurde in der Corona-Zeit gerne gekauft?

Dörner: Der Vorteil am Buch ist: Wenn jemand ein bestimmtes will, kann er es bestellen und bekommt es. Jugendbücher und Kochbücher gehen gut. Bei der Reiseliteratur hat es im regionalen Bereich ein Plus gegeben, im großen anderen Bereich Auslandsreiseliteratur haben wir dagegen 90 bis 100 Prozent Umsatzrückgang, weil das Reisen ja nicht möglich war. 

LM: Podcasts sind aktuell im Trend. Wirkt sich das auf das Lesen aus?

Dörner: Klar, denn das ist wieder eine zusätzliche Informationsquelle. Das Buch selbst hat unabhängig von der Konkurrenz im Internet natürlich auch andere mediale Konkurrenz. Die Menschen haben mehr Freizeit, innerhalb dieser aber auch wesentlich mehr Angebote - von Podcast bis Pinterest. Früher gab es im Fernsehen drei Programme, heute streamt man sich durch zig Anbieter. Und das Buch ist auch nur eines von vielen Angeboten. Deshalb muss das Buch darauf achten, dass es noch registriert wird. Denn es ist kein modernes Instrument, wovon man berieselt wird. Ein Buch zu lesen ist anstrengender, man muss sein Gehirn anschalten. Bei einer Gesellschaft, die sich nur noch berieseln lässt, ist das eine Herausforderung. Da müssen wir darauf achten, unsere Kunden nicht zu verlieren. Es gibt in der Tat in den letzten Jahren eine Erosion der Leserschaft, die versuchen wir zurückzugewinnen. Aber je größer das Angebot ist, desto mehr verteilt sich die Nachfrage auf die verschiedenen Möglichkeiten.

LM: Dazu kommt die Unterscheidung in auditive und visuelle Menschen – merken Sie da Unterschiede?

Dörner: Ich kenne Menschen, die ausschließlich Hörbücher konsumieren und solche, die gemischt unterwegs sind. Aber natürlich haben wir innerhalb unserer Kundschaft einen beachtlichen Anteil an Menschen, die Vielleser sind. Menschen, bei denen ich mich oft selbst frage, wie sie es schaffen, zehn Bücher im Monat zu lesen. Und die sind für den Buchhandel sehr wertvoll. Diejenigen, die einen Roman oder Krimi nach dem anderen verschlingen, die es schätzen, in diese Welten abzutauchen und auch gar nichts anderes machen wollen. Für die Branche ist es aber auch wichtig, die Jugend nicht zu verlieren. Menschen, die nie ein Buch gelesen haben, können das alles nicht nachvollziehen. Der Konsum ist nicht so einfach, man muss aktiv etwas tun. Einen Film schalte ich an und schaue ihn mir an.

LM: Und wie erreichen Sie diese Zielgruppe der „Erstleser“?

Dörner: Es ist zwar schon wieder einige Jahre her, aber ich erinnere an Harry Potter. Vorher hieß es oft, es würde nicht mehr viel gelesen, die Jugend könne man nicht mehr erreichen. Und dann waren auf einmal die Buchhandlungen voll, mit Hunderten von Jugendlichen. Wir verkaufen heute noch mehr Harry Potter-Bücher als manche Neuerscheinungen. Der Boom war unwahrscheinlich. Man sieht, wenn man den Zeitnerv trifft, kann man einen bestimmten Teil der Jugend immer noch erreichen. Und wir haben viele junge neue Autoren. Aus dem Social-Media-Bereich kommen Bücher von jungen Menschen, die online sehr aktiv sind, 100.000 Follower und mehr haben. Es gibt Autoren, die  hauptsächlich online arbeiten und Riesenbestseller geschrieben haben. Wenn man Autoren hat, die die Jugendlichen erreichen, wenn man das richtige Thema hat, dann kommen auch die Jugendlichen in die Buchhandlungen. Es ist nicht chancenlos.

LM: Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft für das Buch?

Dörner: Das Buch muss modern bleiben. Es gibt hunderttausend Kochbücher, aber da alles im Wandel ist, gibt es so viele Komponenten und Veränderungen, das ist auch für mich manchmal überraschend. Ein Kochbuch ist heute wesentlich moderner als früher. Wenn ein Buch mit der Zeit geht, dann erreicht man auch das Zielpublikum. Ich entdecke jeden Tag neue Bücher. Kaum eine Branche ist ähnlich innovativ. Wir haben jedes Jahr 20.000 komplett neue Titel. Man kann nicht ausruhen, man muss immer die Trends im Auge behalten.

Die Fragen stellte Johannes Rehorst