Merken

Kloster Schussenried

Christophorus - ein Heiliger mit vielen Aufgaben

Kloster Schussenried

Joachim Moll / ssg

Der Heilige Christophorus im Kloster Schussenried

Traditionell hatte der Heilige aber viele und wichtige Aufgaben – ein Grund, warum sein Bildnis auch Vorraum der Klosterkirche St. Magnus in Schussenried steht.

Der Heilige Christophorus

Der heilige Christophorus hat eine ganz moderne Karriere gemacht: Er fungiert heute verbreitet als der Schutzpatron der Autofahrer und ist zudem der Namensgeber für die ADAC-Rettungshubschrauber. Dabei ist er ein Heiliger, der immer größte Bedeutung hatte; die Legenden über ihn waren im Volksglauben präsent. Ob er allerdings tatsächlich gelebt hat – das ist gar nicht eindeutig belegt.

Der Christusträger

Die Legende, die besagt, dass Christophorus – ein Riese, der nach einigen Überlieferungen einen Hundekopf hatte – das Christuskind über einen Fluss trug, ist weithin bekannt. Dabei soll das Kind auf seinen Schultern immer schwerer geworden und Christophorus fast im Strom ertrunken sein. Nach dieser Prüfung erkannte er am anderen Ufer Christus als seinen König an und bekannte sich zum christlichen Glauben. Sein Name spiegelt diese Geschichte wider: Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Christusträger“.

Heiliger mit vielen Aufgaben

Christophorus hat als einer der vierzehn Nothelfer viele Aufgaben: Allen voran ist er Schutzheiliger der Reisenden sowie der Fahrzeugführer – auch im Wasser und in der Luft. Daher sieht man die Medaille mit seinem Abbild häufig in Flugzeugen, Autos und Lastwagen. Aber man schrieb ihm eine noch viel grundlegendere Wirkung zu: Schon der Anblick seines Bildes sollte vor dem plötzlichen Tod bewahren. Das ist der Grund, warum man an vielen Kirchenportalen des Mittelalters ein Christophorusbild findet. Außerdem soll der Heilige gegen Pest, Dürre, Unwetter und Hagel schützen und Hilfe bringen, wenn man sich in großer Gefahr befindet.

Christophorus in Kloster Schussenried

Auch in Kloster Schussenried ist ein Bild des heiligen Christophorus zu finden: Die große hölzerne Statue steht im Vorraum zur Klosterkirche St. Magnus. Mit dieser Aufstellung gleich am Eingang konnten alle sicher sein, dass ihnen der Schutz des Heiligen zuteilwurde. Wer die Kirche betrat, war vor dem plötzlichen Tod geschützt. Die Entstehung des Schussenrieder Christophorus wird auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert; man schreibt die Figur dem berühmten Ulmer Bildhauer Michel Erhart zu. Seine Werke können unter anderem im Ulmer Münster und dem ehemaligen Benediktinerkloster Blaubeuren bewundert werden. Die Figur stammt wahrscheinlich aus einer Christophoruskapelle in der Klosterkirche, die 1490 errichtet wurde. Es wurde überliefert, dass 1494 sieben Altäre in der Kirche St. Magnus geweiht wurden, einer davon zu Ehren des heiligen Christophorus.

Die Klosterkirche St. Magnus und das Kloster

St. Magnus erscheint heute in barockem Gewand. Allerdings sind die spätromanischen Formen sowie das Mauerwerk in der um 1200 errichteten Kirche noch zu erkennen. Am Ende des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihren spätgotischen Vorbau, bestehend aus einer Kirchenvorhalle mit Kreuzgratgewölben; auch der Mönchschor entstand damals. Im 17. und 18. Jahrhundert entstand die prachtvolle barocke Ausstattung der Kirche – zur gleichen Zeit wie der riesige Neubau des Prämonstratenser-Klosters mit dem berühmten Bibliothekssaal. Kloster Schussenried wurde im Zuge der Säkularisation aufgehoben und gehörte ab 1806 dem Königreich Württemberg. Heute ist die weitläufige Anlage eine der besonderen Attraktionen auf der Oberschwäbischen Barockstraße. Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg nutzen die großen barocken Räume für Ausstellungen, die viele Menschen ins Kloster Schussenried ziehen.