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Kloster und Schloss Salem

Deckengemälde im Kaisersaal zeigt das Pfingstwunder

Kaisersaal in Salem

Günther Bayerl / ssg

Abt Stephan I. gab die Ausstattung des majestätischen Kaisersaals 1708 in Auftrag, Franz Joseph Feuchtmayer fertigte den reichen Stuck des lichten Saals.

Wieder jährt sich der Tag, an dem Pfingsten – die Entsendung des Heiligen Geistes – begangen wird. Passend zu diesem Feiertag findet sich in Kloster und Schloss Salem im Kaisersaal ein prächtiges Deckengemälde. Dieses illustriert in eindrucksvoller Weise das Ereignis.

Ein folgenreiches Ereignis: Das Pfingstwunder

Zu Pfingsten begehen die Christen ein Hochfest, an dem das von Jesus Christus angekündigte Kommen des Heiligen Geistes gefeiert wird. Zugleich ist dieser Festtag der Abschluss der Osterzeit. Die versammelten Jünger Christi wurden an Pfingsten vom Heiligen Geist erfüllt. In Kapitel 2, Vers 1-4 der Apostelgeschichte wird das Wunder beschrieben: „Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erscheinen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ Pfingsten ist sozusagen der „Startschuss“ für die Entstehung der christlichen Kirche. Denn die Jünger waren dann zur Verkündigung des Glaubens ausgesandt.

Glaube und Repräsentation zugleich: Das Pfingstgemälde

Nicht nur die Wände des Kaisersaals, sondern auch die Decke ist prächtig ausgestaltet. Das Zentrum ist von drei großformatigen Gemälden geprägt, die zwischen 1708 und 1713 von Franz Carl Stauder (um 1660-1714) geschaffen wurden: Daniel in der Löwengrube, Elias im Feuerwagen und in der Mitte das Pfingstwunder. Es ist ein ausdrucksstarkes Bild: Unter einer mächtigen Architektur steht Maria, umgeben von elf Aposteln; nur Thomas fehlt. Über ihnen breitet sich eine finstere Wolke aus, von innen ein Licht freigebend, aus dem der Heilige Geist als Taube hervorkommt. Ausgehend von diesem beginnen sich die flackernden Flammen auf die Köpfe der Apostel zu setzten. In den bewegten Körperhaltungen und Gesichtern der Apostel erkennt man, wie emotional, aber auch furchterregend dieser Moment ist. Maria jedoch hält die Hände erwartend ausgebreitet, während der neben ihr stehende Apostel bereits vom Heiligen Geist erfüllt ist; seine innig auf die Brust gelegte Hand und der nach oben gerichtete Blick lässt seine Hingabe zu Gott erkennen.

Deckengemälde

ssg

Deckengemälde mit dem Pfingstwunder

Prachtvolle Ausstattung

Die Ausstattung der Wände im Kaisersaal zeigt mit den Kaiserstatuen und den Papstbüsten deutlich den repräsentativen Anspruch Salems als Reichsabtei – nur dem Kaiser und dem Papst unterstellt. Das Deckengemälde lenkt dagegen den Blick auf die Kirche selbst, bildet doch das Pfingstwunder gewissermaßen den Anfang für deren Entstehung. Die Illustration des Pfingstgeschehens demonstriert die Kraft des Glaubens und tiefe Religiosität. Da Salem ja ein Kloster war, ist die Wahl des Themas also nicht überraschend.

Der Kaiersaal

Der Kaisersaal war der repräsentative Empfangsraum der ehemaligen Reichsabtei Salem. Schriftquellen belegen aber auch, dass der Saal gelegentlich für festliche Anlässe, wie etwa Bankette und Konzerte, genutzt wurde. Seine prächtige Ausstattung aus Stuck, Stuckplastiken und Ölgemälden erhielt der Saal in den Jahren zwischen 1705 und 1714.

Weitere Informationen
www.salem.de