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Podiumsdiskussion im Palais Hirsch

Dem Begriff Heimat auf der Spur

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Die Grünen-Politiker Annalena Baerbock und Dr. Danyal Bayaz (M.) diskutierten mit Dr. Michael Blume.

Am Ende des Abends ging es ziemlich turbulent zu: Grund waren einige Personen, die offenbar nur eines im Sinn hatten – die Veranstaltung zu stören. Etwa zehn bis fünfzehn Menschen aus dem Publikum, die im Palais Hirsch zur Podiumsdiskussion der Grünen „Was ist Heimat“ ins Palais Hirsch gekommen waren, gehörten anscheinend dem rechten Spektrum an und versuchten die Fragerunde zu kapern.

"Was ist Heimat?"

Der Bundestagsabgeordnete Dr. Danyal Bayaz, der zusammen mit dem Grünen Kreisverband Kurpfalz Hardt zu der Podiumsdiskussion „Was ist Heimat“ in das Palais Hirsch eingeladen hatte, wies zu Beginn des Abends auf solch eine Situation hin. Denn man habe sehr wohl von derartigen Aufrufen im Internet Kenntnis genommen.

Heimat heißt willkommen heißen

„Ist Heimat nicht etwas, was uns alle angeht und auch etwas Grünes?“, hatte Max Himberger, Mitglied im Vorstand des Kreisverbandes Kurpfalz-Hardt, in seiner Begrüßung als Frage in den Raum gestellt. Die Protagonisten auf der Bühne, Annalena Baerbock, Dr. Michael Blume und Bayaz gingen diesem Thema auf den Grund. Annalena Baerbock erklärte, was für sie der Begriff ausmacht. „Für mich gib es nicht die eine Heimat“, sagte sie. Aber auch für sie gebe es einen Ort, einen Anker, „wo ich mich zu Hause fühle.“ „Heimat ist für mich auch immer diese Offenheit andere in der Heimat willkommen zu heißen“, sagte sie mit Blick auf die Flüchtlingsdebatte.

Aktuelle Themen berührt

Der Schwabe Dr. Michael Blume, Antisemitismusbeauftragter des Landes Baden-Württemberg, sieht den Begriff aus heutiger Sicht geprägt durch Erfahrungen in anderen Ländern wie dem Irak und mit Flüchtlingen aus solchen Ländern. „Heimat ist für mich ein Land, in dem mein Kind aufstehen, frühstücken und zur Schule gehen darf, ohne Angst zu haben.“ Im weiteren Verlauf der Diskussion wurden auch aktuelle Themen wie die Özil-Debatte tangiert und der Umgang mit dem Islam in Deutschland besprochen.

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Der Saal im Palais Hirsch war aufgrund des großen Interesses voll belegt.

„Die Islamisierung fällt aus"

„Ein großes, wichtiges Thema“, wie Dr. Michael Blume befand. „Wer die Aussage macht, eine Religion gehört nicht zum Land, verletzt die Menschen und treibt sie in die falschen Arme“, so Blume. Und: "Wir müssen uns den Problemen, die es in allen Religionen gibt, stellen.“ Der studierte Religionswissenschaftler räumte auch mit der falschen Annahme von fünf Millionen gläubigen Muslimen im Land auf und verwies darauf, dass nur noch die Hälfte dieser Menschen überhaupt regelmäßig betet. Mit Blick auf hysterisch geführte Debatten sagte Blume: „Ich kann Ihnen sagen, die Islamisierung fällt aus.“

Europa ist Heimat

Dass auch Europa den Begriff Heimat umfasst, erläuterter Annalena Baerbock anhand von Erfahrungen mit Menschen aus anderen europäischen Ländern auf einer USA-Reise. „Wir haben immer wieder festgestellt, dass wir eine gemeinsame Vorstellung von sozialer Absicherung haben, was eine durch und durch europäische Einstellung ist.“ Für dieses Solidarsystem und diese Wertegemeinschaft gelte es weiterhin zu streiten.

Neu-rechtes Gedankengut

Die Fragerunde zum Abschluss des Abends ließ wie eingangs erwähnt, die Stimmung leider etwas kippen. Bis dahin war es im Publikum ruhig geblieben. Als das Mikro herumgereicht wurde, nutzten dann einige Personen die Gelegenheit, stramm rechtes Gedankengut zu propagieren. Ein Mann ging wutentbrannt immer weiter vor in Richtung Podium und beschimpfte die Teilnehmer auf der Bühne wahlweise als „Pädophile“ und „Deutschlandhasser“. Einem älteren Herrn, der unmittelbar vor ihm saß und zur Ruhe bat, warf er die unschönen Worte „verreck doch“ entgegen. Ein weiterer beschwor gar einen kommenden Bürgerkrieg in Deutschland und anderen europäischen Ländern herauf. Die Stimmung im Saal war zunehmend aufgeheizt, Polizeibeamte im Palais Hirsch nicht in Sichtweite.

Paroli geboten

„Wenn Sie meinen, die Kultur in Deutschland verteidigen zu müssen, werden Sie das nicht erreichen, indem Sie auf andere Menschen losgehen, Sie werden es erreichen, indem Sie sich für gute, lebensfördernde Bedingungen für alle Menschen einsetzen“, hielt Dr. Michael Blume den Parolen entgegen. Die Veranstaltung wurde, wie zu Beginn erläutert, pünktlich gegen neun Uhr und von einigen Buhrufen begleitet beendet. Die Störer begaben sich letztlich nach draußen, einige hatten aber auch da noch einiges an Verschwörungstheorien in die Welt zu brüllen.