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Kloster Lorch

Der 11. Juli ist der Gedenktag von Benedikt von Nursia

Lorch

Steffen Hauswirth / ssg

Bild des Heiligen Benedikt von Nursia in Kloster Ochsenhausen

Der heilige Benedikt von Nursia ist der Vater der abendländischen Klöster. Der Orden der Benediktiner, den er im 6. Jahrhundert begründete, besteht bis heute. Auch in Kloster Lorch hat sich der Geist der Benediktiner erhalten. Am 11. Juli feiert die Katholische Kirche den Gedenktag des Heiligen Benedikt.

Der heilige Benedikt

Benedikt wurde um das Jahr 480 im italienischen Nursia geboren. Um 500 verließ er seine Heimatstadt und begab sich nach Rom. Die Sittenlosigkeit in der Ewigen Stadt schockierte ihn. Schon bald wandte er sich von der Welt ab und lebte als Einsiedler. Über diese Zeit entstanden viele Heiligenlegenden, in denen der fromme Benedikt von Gefahren und Versuchungen des Teufels bedroht wird. Der Einsiedler aus Nursia faszinierte sein Umfeld mit seinem Glauben und seiner Gottesfürchtigkeit; dem charismatischen Benedikt folgten mehr und mehr Menschen. Allmählich entstand eine religiöse Gemeinschaft – inmitten der Auflösung des römischen Weltreichs und den Wirren der Völkerwanderung. Als Benedikt 547 oder 560 starb, war er weithin berühmt für seine Frömmigkeit, aber auch für seine Wunder. Der Gedenktag des Heiligen Benedikt am 11. Juli ist ein Hochfest im Benediktiner-, Trappisten- und Zisterzienserorden.

Regula Benedicti

529 gründete Benedikt von Nursia das berühmte Kloster Monte Cassino, das Stammkloster der Benediktiner. Für das Leben in der Gemeinschaft stellte er seine berühmten Regeln, die „Regula Benedicti“ auf. „Ora et labora“ ‒ „Bete und arbeite“ ist der Kern der Ordensregel prägnant zusammengefasst. Das Leben in der Gemeinschaft war streng geregelt, mit einem festen Tagesablauf. Müßiggang war strengstens untersagt, genauso wie persönlicher Besitz. Nichts sollte die Mönche von Gott ablenken. Die Mahlzeiten nahm man gemeinsam ein, unnötiges Reden sollte man vermeiden. Diese Regeln galten für jeden Benediktinermönch – egal, ob er ein reicher Adliger oder ein armer Bauer war. Die „Regula Benedicti“ wurde zum Vorbild und Maßstab für alle nachfolgenden Klosterregeln im christlichen Abendland. Mit ihrer Klarheit, der Strenge und der Konzentration auf den Glauben fasziniert die Benediktsregel bis heute.

Das Benediktinerkloster Lorch

Der Geist der Benediktiner sorgte im Mittelalter für eine unvergleichliche Blüte der Klöster: Durch die Mission verbreitete sich das Christentum in Europa und es entstanden zahlreiche Klöster, die der „Regula Benedicti“ folgten. Adlige vermachten den Mönchen, beeindruckt von der klösterlichen Frömmigkeit, ihre Besitztümer. So auch in Lorch: 1102 stifteten Friedrich von Staufen und seine Frau Agnes von Waiblingen den Benediktinern zahlreiche Güter – Kloster Lorch wurde gegründet. Die Stifter handelten aus tiefer Frömmigkeit. Die Benediktinermönche beteten im Kloster täglich für das Seelenheil ihrer Stifter.

Ein Zeugnis tiefen Glaubens

Die Benediktinerklöster waren zudem die sozialen und kulturellen Zentren ihrer Umgebung. In den Klosterbibliotheken wurde das Wissen der jeweiligen Zeit gesammelt und bewahrt ‒ so auch im Kloster Lorch. Ein Zeugnis des tiefen Glaubens der Benediktiner stellen die Lorcher Chorbücher dar. Sie entstanden 1511 und 1512 und wurden mit farbenfrohen und kostbaren Malereien des Illuministen Nikolaus Bertschi aus Augsburg und seiner Werkstatt versehen. Fünf Mönche arbeiteten an den einstmals fünf Folianten. Drei der Chorbücher haben sich erhalten – mit insgesamt 1.784 Seiten. In der Dauerausstellung in der Lorcher Klosterkirche kann man kunstvoll gefertigte Kopien der prachtvollen Buchseiten in Originalgröße bewundern. Sie vermitteln ein lebendiges Bild von der Blütezeit des Klosters. Informationen über die Textschreiber und Illuministen sowie über Liturgie und Gottesdienst runden die Ausstellung ab.

Das Ende der Benediktiner von Lorch

In Südwestdeutschland brachte die Reformation im 16. Jahrhundert für viele Klöster das Ende – so auch für Lorch. Das Benediktinerkloster wurde aufgelöst, eine evangelische Klosterschule gegründet. 1583 schloss sie ihre Pforten. Für die Klosteranlage begannen Jahrhunderte des Verfalls. Erst im 19. Jahrhundert besann man sich allmählich auf das wertvolle historische Erbe: Die Restaurierung des Klosters begann. Heute ist Kloster Lorch eine authentische Erinnerungsstätte für das geistliche Leben im Mittelalter und für die Staufer.